Sendlinger Tor: Umbau verzögert sich bis 2023

Die Modernisierung am Sendlinger Tor verzögert sich. Statt Ende 2022 soll der neue Bahnhof nun erst im Laufe des Jahres 2023 fertiggestellt werden. 
| Hüseyin Ince
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So ist es geplant: Einer der beiden neuen, direkten Abgänge zu den Gleisen U1/U2 am Sendlinger Tor.
MVG So ist es geplant: Einer der beiden neuen, direkten Abgänge zu den Gleisen U1/U2 am Sendlinger Tor.

Am Sendlinger Tor wird seit 2017 gebuddelt und betoniert. Hindernisse aus Eis, Stahl und Kies verzögern nun das Ende der Arbeiten.

München - Der erste Stein muss sitzen, sonst wird das nichts", sagt Kerstin Scholber, Architektin und Projektleiterin der Baustelle am Sendlinger Tor, als Bauarbeiter die Granitplatten am Bahnsteig der U3/U6 verlegen. Denn, so Scholber, der Boden sei leicht gewölbt, was man mit bloßem Auge nicht sehen könne.

Über das Wochenende waren die Gleise einseitig gesperrt, damit die schweren Platten am Sendlinger Tor verlegt werden konnten. Eine schweißtreibende Angelegenheit. Je drei Arbeiter braucht es, um den rechteckigen oder quadratischen Granit auf dem frisch verstrichenen Estrich zu positionieren.

Was man offenbar ebenfalls nicht sehen – oder besser gesagt – einplanen konnte: Weder auf den ursprünglichen Zeichnungen, noch mit bloßem Auge seien die Relikte der ursprünglichen Bauarbeiten für die Röhren der U2 und U1 zu erkennen gewesen. Sie trieben den Verantwortlichen ebenfalls den Schweiß auf die Stirn.

Die Röhren waren deutlich breiter als gedacht

Christoph Schaller, Projektleiter für den Gesamtbau der Haltestelle, sagt: "Wir hatten mit einigen Überraschungen zu kämpfen. Die beiden Röhren der Linie U1 und U2 wurden mit Stellbögen gesichert, was auf den Plänen nicht zu sehen war. Und die Wände der Röhren sind nicht 40 Zentimeter breit gewesen, sondern 90."

In Kombination mit dem vereisten Boden sei es daher wesentlich aufwendiger gewesen als geplant, sich durch den Boden zu arbeiten, so Schaller. Das sei der Hauptgrund für die Verzögerung der Bauarbeiten, die nun Mitte 2023 enden und nicht Ende 2022. Den Boden hatten die Verantwortlichen bewusst vereist, da sich die Grabungen zum großen Teil etwa 15 Meter unter halb des Grundwasserspiegels abspielen. "Zu vereisen ist bei solchen Projekten eine übliche Methode", so Schaller.

Was wird da eigentlich seit Jahren gemacht? Das mag sich so manch einer fragen, der oft am Sendlinger Tor unterwegs ist. Die Antwort: Die Münchner Verkehrsgesellschaft stand seit einigen Jahren vor einem Problem, das die wachsende Stadt mit sich brachte. Zu Hauptverkehrszeiten wurde der Abgang vom Bahnsteig der U3 und U6 hinunter zur U1 und U2 zu einem unerträglichen, teils gefährlichen Knotenpunkt. "Die Situation wollten wir unbedingt entzerren", sagt MVG-Sprecher Matthias Korte.

"Wir haben hier sozusagen zwei Hochhäuser in den Boden gebaut"

Also entschloss man sich, zwei völlig separate Abgänge zu den Linien U1 und U2 einzurichten, jeweils am Ende der Bahnsteige, mit Zugängen am Sendlinger-Tor-Platz und an der Blumenstraße. Der momentane Zugang über die Gleise der U3 und U6 befindet sich bekanntlich etwa in der Mitte der Gleise. Dafür musste man zwischen den beiden U-Bahn-Röhren der U1 und U2 zunächst etwa 20 Meter in die Tiefe bohren, die Wände sichern und dann Richtung Gleise graben. "Wir haben hier sozusagen zwei Hochhäuser in den Boden gebaut", sagt Projektleiter Schaller.

Bei der Gelegenheit wollten die Verantwortlichen auch die Kapazität des bereits bestehenden Durchgangs zwischen den Gleisen der Linie U1 und U2 erweitern. "Wir lösen an der Stelle die Betriebsräume auf und bauen in der Tiefe neue", so Korte. Zusätzlich werden die Rolltreppen-Abgänge gedreht und erweitert. "So optimieren wir den Strom der Fahrgäste", sagt Projektleiter Schaller.

Statt derzeit fünf Rolltreppen und einer Festtreppe werde es künftig sechs Rolltreppen und zwei Festtreppen geben.

Der aktuelle Stand stellt die Bauherren zufrieden: Die Rohbauten der beiden "unterirdischen Hochhäuser" sind fertig. Nun können sich die vielen Bauarbeiter mehr und mehr um den Innenausbau kümmern. Eine der Anlagen, mit Zugang am Sendlinger-Tor-Platz, durfte die AZ am Sonntag bei einem Presserundgang betreten. Sie wirkt derzeit wie eine Kathedrale aus Beton.

So ist es geplant: Einer der beiden neuen, direkten Abgänge zu den Gleisen U1/U2 am Sendlinger Tor.
So ist es geplant: Einer der beiden neuen, direkten Abgänge zu den Gleisen U1/U2 am Sendlinger Tor. © MVG

"350.000 Euro kostet die Rolltreppe, so teuer wie ein Gelenkbus"

Hinter den Kulissen stehen überall Säcke voller Baumaterialien, Metallkästen mit Bauschutt und gestapelte Paletten. Sich zu verlaufen ist einfach. Dort, wo mal eine Rolltreppe in Betrieb genommen werden soll, hängt ein meterlanger Lastenkran. Er wird irgendwann in den nächsten Monaten die etwa acht Tonnen schwere Rolltreppe hineinheben. Allein sie kostet etwa 350.000 Euro, "so viel wie ein neuer Gelenkbus", sagt MVG-Sprecher Korte.

7000 Kubikmeter Beton und 1500 Tonnen Stahl wurden und werden hier verbaut, 6700 Quadratmeter Naturstein verlegt. Bereits im ersten Halbjahr 2020 soll der Erweiterungsbau am Sendlinger-Tor-Platz fertiggestellt sein und sogar in Betrieb genommen werden. Komplett fertiggestellt wird der neue U-Bahnhof allerdings erst später sein – Stand jetzt eben 2023.

Lesen Sie hier: Blick in die Baugrube - Hier versucht die MVG den Durchbruch

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