"Schwul, schwul, Deutschland, schwul": Ungarn-Fans pöbeln in München

Vor dem EM-Spiel gegen Ungarn in München fallen Hunderte Gäste-Fans unangenehm auf. Es bleibt größtenteils bei Verbalattacken, es gibt einige Festnahmen wegen Pyrotechnik. Insgesamt hat die Polizei die Lage im Griff.
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Ungarische Fans machen unflätig auf sich aufmerksam, als sie am Wiener Platz auf die Busse zum Stadion warten.
Ungarische Fans machen unflätig auf sich aufmerksam, als sie am Wiener Platz auf die Busse zum Stadion warten. © Tobias Hase/dpa

München – Regenbogenfarben und diffamierende Rufe: Die politische Debatte um Homosexualität und Akzeptanz von Vielfalt hat auch die Stimmung unter den Fans vor dem finalen Vorrundenspiel Deutschlands gegen Ungarn beeinflusst.

Auf dem Wiener Platz, an dem für die ungarischen Fans ein Corona-Testzentrum aufgebaut worden war, skandierten und feierten am frühen Mittwochabend mehrere Hundert ungarische Fans. Vereinzelt waren "schwul, schwul, Deutschland schwul"-Rufe zu hören. Journalisten wurde der Mittelfinger gezeigt, ebenso Demonstranten, die sich mit Regenschirmen und Flaggen in Regenbogenfarben versammelt hatten.

Eindeutige Botschaft an die homophoben Gesänge einiger ungarischer Fans am Wiener Platz.
Eindeutige Botschaft an die homophoben Gesänge einiger ungarischer Fans am Wiener Platz. © Tobias Hase/dpa

Polizei hat Ungarn-Fans im Griff

"Es ist auch heute einiges los, aber es ist nicht so voll wie am Wochenende", sagte ein Polizeisprecher eine gute Stunde vor dem Anpfiff. Es habe einige wenige Festnahmen etwa wegen des Zündens von Rauchtöpfen gegeben.

"Natürlich sind die Fans immer etwas gegen die andere Mannschaft eingestellt", schilderte der Polizeisprecher. Die Ungarn hätten sich zwar lautstark bemerkbar gemacht und auch unflätig gestikuliert, das sei "aber nichts Außergewöhnliches für Fußballfans". Vor allem sei es bislang zu keinen körperlichen Auseinandersetzungen gekommen.

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200 ungarische Problemfans in München - Polizei mit 1.500 Kräften im Einsatz

Die Polizei rechnete mit rund 2.000 ungarischen Fans, wovon etwa 200 "problematischen Gruppierungen" zugerechnet werden. Die Beamten waren wie beim vergangenen Spiel mit 1.500 Kräften im Einsatz, darunter auch die Hubschrauberstaffel.

Nur in wenigen Fällen mussten Fans ohne gültiges Ticket vor Spielbeginn am Stadion abgewiesen werden. Kurz nach 19:00 Uhr skandierten ungarische Fußballanhänger homophobe Sprechchöre und versuchten gemeinsam in einen anderen Block überzuwechseln.

So lief das Spiel aus polizeilicher Sicht

Wenig später kam es zu einem Aufeinandertreffen der Fans beider Mannschaften in diesem Zuschauerbereich, Polizei und Ordner hatten die Lage aber schnell wieder unter Kontrolle. Dabei kam es aus diesem Block zu einem Flaschenwurf in Richtung der Polizeibeamten. Der Flaschenwerfer konnte kurze Zeit später festgenommen werden und wird nun wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung angezeigt.

Kurz vor Spielanpfiff gelangte eine Person (18 Jahre alt, aus Nordrhein-Westfalen) mit Regenbogenfahne auf das Spielfeld und wurde dort vom Ordnungsdienst festgehalten.

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Gegen den 18-Jährigen wurde Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstellt. Nach der kriminalpolizeilichen Sachbearbeitung wurde er am Stadion entlassen. Von Seiten des Veranstalters wird allerdings ein bundesweites Stadionverbot geprüft.

Gegen 22 Uhr steuerte ein 46-Jähriger im Bereich Garching eine Drohne in die Flugverbotszone und wurde deshalb wenig später von Polizeibeamten festgenommen. Er wurde wegen eines Verstoßes gegen das Luftfahrtgesetz angezeigt.

USK marschiert vor Ungarn-Block auf

Aufgrund der aufgeheizten Stimmung und des aggressiven Verhaltens marschierten kurz vor Spielende USK-Kräfte vor dem Block der ungarischen Anhänger auf , um einen möglichen Platzsturm zu verhindern. Aufgrund der starken polizeilichen Präsenz blieb es entsprechend ruhig.

Ein ungarischer Fan bahnt sich den Weg durch Polizisten am Wiener Platz.
Ein ungarischer Fan bahnt sich den Weg durch Polizisten am Wiener Platz. © Tobias Hase/dpa

Der Abzug der Fans aus dem Stadion verlief danach ebenfalls ohne größere Probleme. Auch in der Münchner Innenstadt sind danach bislang keine weiteren nennenswerten Störungen bekannt geworden.

Insgesamt kam es bei dem Einsatz zu mehreren Festnahmen wegen unterschiedlicher Delikte wie z. B. Entzünden von pyrotechnischen Gegenständen, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

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