Schule in Corona-Zeiten: Löwenbräukeller soll zum Klassenzimmer werden

Die CSU fordert, nach zusätzlichen Räumen für Schulunterricht zu suchen. Was nun alles im Rathaus diskutiert wird.
| Felix Müller
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Im Löwenbräukeller ist derzeit kein Betrieb - und demnächst Schulbetrieb?
Im Löwenbräukeller ist derzeit kein Betrieb - und demnächst Schulbetrieb? © Daniel von Loeper

München - Der Bundeswirtschaftsminister hat die Debatte kürzlich in Berlin angestoßen. In Klassenräumen sei es doch oft schwer, ausreichend Abstand zu halten, sagte Peter Altmaier (CSU) vor einigen Tagen. Und schlug vor, etwa ungenutzte Räume von Hotels und Gaststätten für den Unterricht zu nutzen.

In München ist die Idee zunächst nicht angekommen. Bis jetzt. Denn heute will die CSU im Rathaus einen Antrag stellen, dass genau solche "alternative Raumnutzungen zum Infektionsschutz von Schülern" auch hier geprüft werden - und das zum Beispiel für den Löwenbräukeller! Die Verwaltung hat nun ein halbes Jahr Zeit, den Vorschlag zu prüfen.

Stadtrat Hammer: "In Münchens Schulen fehlt Platz"

"Auch in Münchens Schulen fehlt oft der Platz, um den notwendigen Mindestabstand zum Schutz von Schülern und Lehrern einzuhalten", sagte CSU-Stadtrat Hans Hammer am Sonntag der AZ. "Währenddessen stehen die teilweise weitläufigen Flächen unserer Kongresszentren, Theater, Museen, Hotels und Gastronomielokalitäten durch die angeordnete Schließung leer." Beide Probleme, glaubt Hammer, "können möglicherweise kombiniert gelöst werden".

In dem CSU-Antrag heißt es, die Stadtverwaltung solle nun "Möglichkeiten der zeitweisen Anmietung und Nutzung von leerstehenden beziehungsweise derzeit ungenutzten Räumlichkeiten für die Münchner Schulen" suchen.

Insbesondere jene Schulen, in denen der Mindestabstand nicht eingehalten werden könne, sollten diese Möglichkeit nutzen, heißt es im Antrag. "Das Infektionsgeschehen an Schulen darf nicht vernachlässigt werden, wenn es um die Eindämmung der Pandemie geht."

Hans Hammer (CSU).
Hans Hammer (CSU). © CSU

Museen und Tagungsräume bald als Klassenzimmer?

Die Rathaus-CSU fordert nun, etwa, "leerstehende Geschäftsflächen, derzeit geschlossene Gastronomiebetriebe, nicht genutzte Tagungsräumlichkeiten der Hotellerie, sowie Museen und Kultureinrichtungen" zu prüfen. "Die Auswahl und Bewertung möglicher Alternativen zu den bisherigen Klassenzimmern erfolgt anhand von Praktikabilität für den Unterricht, der Erreichbarkeit für die Schüler und Lehrkräfte, sowie der technischen Infrastruktur und Ausstattung."

Doch was haben die Stadträte da genau im Kopf? "Für die Kinder und Jugendlichen wäre es sicher etwas Besonderes, einmal eine Schulstunde an besonderen Orten wie zum Beispiel dem Gasteig, im Löwenbräukeller, am Nockherberg oder im Deutschen Museum zu erleben", sagt Hans Hammer. "Wo es geeignete Räume gibt, gilt es im Gespräch zwischen Eigentümer, Schulen und Stadtverwaltung zu prüfen."

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Unwirtschaftlichen Leerstand vermeiden

"Alles, was Einnahmen bringt, ist positiv", sagt der Dehoga. Vielleicht könne man so an der ein oder anderen Stelle den für die Eigentümer unwirtschaftlichen Leerstand vermeiden - und Schülern nebenher noch Kultur nahebringen.

Nun wird sich zeigen, ob die Idee in München Fahrt aufnimmt. In Berlin zumindest gab es an Altmaiers Vorstoß auch Kritik.

Das Konzept würde sich doch nur lohnen, wenn die Beschränkungen für einen längeren Zeitraum gelten würden, hieß es etwa - was ja nicht (ganz) sicher ist. Der Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, Thomas Langfelder, hingegen, sprach von einer "guten" Idee - wenn es denn Geld für die gebeutelten Gastronomen gäbe. "Alles, was Einnahmen bringt, ist positiv", sagt er.

Gut möglich also, dass auch Münchens Wirte positiv auf den Vorschlag reagieren. Vielleicht also ziehen in ein paar Wochen tatsächlich Schulkinder mit Ranzen morgens in den Löwenbräukeller ein - wenn schon nicht am Abend ihre Eltern auf eine gute Maß Bier hineindürfen ...

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