Schnelltest-Report München: Die Ruhe nach dem Ansturm

Vor Weihnachten wollte sie jeder: Antigen-Tests. Nun sind die Schlangen vor den Testzentren verschwunden, Filialen schließen sogar wieder. Ein Betreiber testet sogar 90 Prozent weniger.
| Nina Job
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Nix los: Vor Weihnachten haben die Menschen hier lange angestanden, am Dienstagnachmittag kommen nur wenige, um im "Test now" einen Schnelltest zu machen.
Nix los: Vor Weihnachten haben die Menschen hier lange angestanden, am Dienstagnachmittag kommen nur wenige, um im "Test now" einen Schnelltest zu machen. © Sigi Müller

München - Vor Weihnachten schossen sie quasi wie Pilze aus dem Boden: In geschlossenen Geschäften, Wirtshäusern oder Diskotheken eröffneten plötzlich Schnelltestzentren. Die Nachfrage war enorm: So standen die Menschen an einem Tag vor dem "Test now" am Maximiliansplatz bis zum Stachus Schlange.

Bis zu 2.000 Münchner kamen. Auch wenn ein Schnelltestergebnis noch nicht als so sicher gilt wie ein PCR-Test - zig Tausende wollten kurz vor den Feiertagen auch diese Möglichkeit nutzen, um nicht zur Ansteckungsgefahr für Eltern, Großeltern und andere Verwandte zu werden.

Ansturm auf Schnelltest-Zentren ist vorbei

Inzwischen ist der große Ansturm vorbei. Termine sind meist kurzfristig buchbar, lange Schlangen sieht man nicht mehr. Die ersten Teststationen haben bereits dichtgemacht.

Schnelltest-Betreiber: "Nicht so rentabel"

Am Dienstagnachmittag, als die AZ bei "Test now" am Maximiliansplatz und in der Freiheitshalle vorbeischaut, kommen nur ganz vereinzelt Menschen vorbei. "Momentan ist es nicht so rentabel", bestätigt Betreiber Alexander Spierer. Die Nachfrage in den "Test now"-Zentren mache derzeit vielleicht ein Zehntel aus im Vergleich zu vor Weihnachten. Aber ans Aufhören denken er und seine Frau Veronika nicht.

Ende November hatten sie ihre Station in der Disco Pacha eröffnet, am 22. Januar folgte die zweite an der Donnersbergerbrücke. Der Schnelltest kostet 39 Euro, das Ergebnis kommt nach etwa einer Viertelstunde per Mail.

Alexander und Veronika Spierer.
Alexander und Veronika Spierer. © ho

Das Paar kommt aus der Event- und Clubszene. Alexander "Paschito" Spierer betreibt eigentlich den "Sweet Club" direkt neben dem Pacha. Der gelernte Grafikdesigner ist auch DJ und veranstaltet unter anderem die "Disco Night". Jetzt beschäftigen er und seine Frau rund zehn Mitarbeiter in ihren Teststationen. Ihre Motivation sei weniger das Geldverdienen, sagt Alexander Spierer. Sondern: "Wir wollen unser altes Leben zurück - mit Kulturveranstaltungen, offenen Clubs und Theatern und allem drum und dran." Er sieht Schnelltests als die "große Chance, die Pandemie in den Griff zu bekommen". Seine Frau und er hätten ihr Projekt seit Sommer intensiv vorbereitet und "unser Erspartes reingesteckt".

Mobile Testungen und donnerstags geöffnet

Da die Nachfrage unter der Woche stark gesunken ist, haben die Spierers in der Freiheitshalle nun auch sonntags geöffnet - da ist mehr los. Außerdem bieten sie inzwischen mobile Testungen an. Das heißt, Teams fahren in Firmen und testen dort die Mitarbeiter beispielsweise vor Meetings. Auch vor Filmdrehs und Foto-Shootings werden sie gebucht. "Wir testen nur mit medizinisch ausgebildetem Fachpersonal", betont Alexander Spierer. Den Rachenabstrich würden Rettungsassistenten und Ärzte abnehmen. Das ist aber wohl nicht in allen Teststationen so.

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Schnelltests für zu Hause bald zugelassen?

Und was wird aus dem Unternehmen, wenn Corona-Schnelltests für zu Hause vom Bundesgesundheitsministerium zugelassen und damit Schnellteststationen voraussichtlich überflüssig werden? Alexander Spierer macht sich darüber derzeit keine Sorgen. Er und seine Frau planen ab Ende des Monats auch PCR-Tests anzubieten. Dafür ist er nun auf der Suche nach einem Laborarzt, um schnelle Ergebnisse anbieten zu können. "Und wenn die Tests für zu Hause kommen, dann freu ich mich als Mensch", sagt er. "Dann hab ich hoffentlich bald mein Leben und meinen Club zurück."

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