Schnelleres Geld für Wiesn-Bedienungen

Beim Finanzminister geben Bedienungen 3600 Unterschriften ab. Sie fordern eine andere Form der Besteuerung ihrer Arbeit auf dem Münchner Oktoberfest – und stoßen bei Söder auf offene Ohren  
| Annette Baronikians
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Theresa Schwaiger (23), Löwenbräu-Festzelt: „Viele von uns nehmen für die Wiesn extra unbezahlten Urlaub. Wir sind alle keine Großverdiener, sondern arbeiten auf dem Oktoberfest, um uns etwas dazuzuverdienen. Wir brauchen unser Geld gleich und nicht erst Monate später.“
bar 4 Theresa Schwaiger (23), Löwenbräu-Festzelt: „Viele von uns nehmen für die Wiesn extra unbezahlten Urlaub. Wir sind alle keine Großverdiener, sondern arbeiten auf dem Oktoberfest, um uns etwas dazuzuverdienen. Wir brauchen unser Geld gleich und nicht erst Monate später.“
Ladan Rasuli (40), Käfer-Wiesnschänke: „Ich habe drei Kinder. Das Geld, das ich auf der Wiesn verdiene, kann ich also gut gebrauchen. Das Leben in München ist ja auch nicht günstig. Für die Zeit auf der Wiesn brauche ich für daheim eine Hilfe, und die will ihr Geld auch sofort.“
bar 4 Ladan Rasuli (40), Käfer-Wiesnschänke: „Ich habe drei Kinder. Das Geld, das ich auf der Wiesn verdiene, kann ich also gut gebrauchen. Das Leben in München ist ja auch nicht günstig. Für die Zeit auf der Wiesn brauche ich für daheim eine Hilfe, und die will ihr Geld auch sofort.“
Silvia Gruber (53), Winzerer Fähndl: „Ich liebe das Oktoberfest, obwohl ich einen Knochenjob habe. Der macht mir auch Spaß, aber wir Bedienungen wollen dem Finanzamt kein zinsloses Darlehen geben. Ich arbeite auf der Wiesn, damit sich meine Familie was leisten kann.“
bar 4 Silvia Gruber (53), Winzerer Fähndl: „Ich liebe das Oktoberfest, obwohl ich einen Knochenjob habe. Der macht mir auch Spaß, aber wir Bedienungen wollen dem Finanzamt kein zinsloses Darlehen geben. Ich arbeite auf der Wiesn, damit sich meine Familie was leisten kann.“
„Wir brauchen eine Lex Oktoberfest“, sagt Markus Söder: „Dafür setzt sich Bayern in Berlin ein.“
dpa 4 „Wir brauchen eine Lex Oktoberfest“, sagt Markus Söder: „Dafür setzt sich Bayern in Berlin ein.“

Beim Finanzminister geben Bedienungen 3600 Unterschriften ab. Sie fordern eine andere Form der Besteuerung – und stoßen bei Söder auf offene Ohren

München - In Bayern gehen die Uhren anders. Mia san mia! Das stellte Finanzminister Markus Söder gestern eindrucksvoll unter Beweis – mit seinem tatkräftigen Einsatz für eine weiß-blaue Sonderregelung.

„Wir brauchen eine Lex Oktoberfest“, so Söder: „Dafür setzt sich Bayern in Berlin ein.“ Zugute kommen würde die Lex Oktoberfest vor allem den Wiesn-Bedienungen, von denen Söder am Montag eine Delegation im Finanzministerium empfing. „Für ihren schweren Job müssen sie auch fair behandelt werden“, betonte Söder: „Volksfestbedienungen sollen für ihre Arbeit direkt mit einem fairen Nettogehalt entlohnt werden.“

Lesen Sie hier: Das verdient eine Wiesn-Bedienung

Konkret geht es um den so genannten permanenten Lohnsteuer-Jahresausgleich. Bei diesem wird ein kurzfristig hoher Lohn, beispielsweise bei einer Wiesn-Bedienung, für die Berechnung der Lohnsteuer auf einen längeren Zeitraum umgelegt. Das senkt den Durchschnittsverdienst und führt zu einem niedrigeren Steuersatz – mit dem Ergebnis eines höheren Nettoeinkommens für die Zeit der Beschäftigung.

Durch eine Gesetzesänderung des Bundes ist diese Möglichkeit für kurzfristig Beschäftigte nicht mehr anwendbar, also auch nicht für Wiesn-Bedienungen, die in der Regel 16 Tage lang Bier und Hendl schleppen.

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„Die Gesetzesänderung trifft vor allem Aushilfskräfte auf Volksfesten hart. Das halten wir für falsch“, so Söder. Fakt ist: Die neue Regelung sorgt dafür, dass (Aushilfs-)Bedienungen, die nur auf dem Oktoberfest oder vielleicht noch auf einem anderen Volksfest arbeiten, steuerlich als Besserverdienende behandelt werden. Für die Bedienungen ist es ein besonderes Ärgernis, dass sie deshalb auf Geld warten müssen.

Vereinfacht gesagt zahlen die Bedienungen nicht mehr die „echte“ Lohnsteuer, sondern eine überhöhte, die sich dann umständlich über den Lohnsteuerausgleich wiederholen müssen.

„Das demotiviert total“, sagt beispielsweise Studentin Julia Brendel, die seit zwei Jahren im Schottenhamel als Bedienung tätig ist: „Ich arbeite auf der Wiesn, um mein Studium zu finanzieren und mir auch mal etwas außer der Reihe leisten zu können.“

Kollegin Angelika Seiwald von der Bräurosl nickt: „Wir wollen doch alle gleich unser Geld und nicht erst hoffen, dass wir zig Monate später durch eine Steuererstattung tatsächlich das bekommen, was uns zusteht.“

Darin sind sich alle Bedienungen einig. Sie alle wollen, dass es bei der alten Regelung bleibt, und so haben sie heuer auf dem Oktoberfest auch eine Unterschriftensammlung in den 14 großen Festzelten gemacht.

Koordinator der Aktion war Löwenbräu-Festwirt Wiggerl Hagn. Knapp 3600 Unterschriften sind zusammengekommen: ein dicker Packen, der gestern Finanzminister Söder von 14 Vertreterinnen der großen Festzelte überreicht wurde.

„Bayern setzt sich für Sie ein. Die Finanzämter brauchen kein zinsloses Darlehen von Ihnen“, sagte Söder, der selbst ein erklärter Wiesn-Fan ist und als bayerischer Finanzminister auch Chef des staatlichen Hofbräu mit eigenem Zelt auf dem Oktoberfest.

Seit 2013 sorgt er bereits für eine komplizierte „bayerische Lösung“, die den permanenten Lohnsteuer-Jahresausgleich noch fortführt – doch mit dem jährlichen Zittern der Bedienungen soll nun endgültig Schluss sein: „Bayern wird sich auf Bundesebene dafür einsetzen, dass diese Lösung dauerhaft fortgeführt wird.“

Damit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Wichtigkeit der geplanten Lex Oktoberfest erkennt und dieser dann auch zustimmt, plant Söder bereits einen Ortstermin: „Ich werde Schäuble nächstes Jahr auf die Wiesn einladen!“

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