"Können wir uns nicht länger leisten": Bei diesem Ranking landet München nur auf Platz 28
Immer mehr Menschen sind in ihrer körperlichen Mobilität eingeschränkt und auf barrierefreie Wohnungen angewiesen. Der Seniorendienst "Eli die Fee" hat das Angebot an entsprechenden Immobilien (Miet- und Kauf-Objekte) in den 100 größten deutschen Städten untersucht. Wie schneidet München ab? Gerade auch im Vergleich zu anderen bayerischen Städten?
Der demografische Wandel hat Deutschland im Griff: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Stand Dezember 2025) ist heute jede zweite Person in Deutschland älter als 45 Jahre und jede fünfte Person älter als 66 Jahre. Und nach Angaben der Bundesregierung fehlen derzeit rund 2,5 Millionen barrierefreie Wohnungen.
Barrierefreies Wohnen: In diesen Städten ist das Angebot am größten
Im bundesweiten Schnitt sind 11,7 Prozent aller untersuchten Wohnungen barrierefrei, teilt "Eli die Fee" mit. Die besten Aussichten haben der Analyse zufolge Wohnungssuchende in Paderborn. Dort verfügen demnach 30,1 Prozent aller angebotenen Miet- und Kaufobjekte über einen stufenlosen Zugang. Auch Gütersloh (27,2 Prozent) und Konstanz (25,6 Prozent) erreichen Spitzenwerte.

Als einzige bayerische Stadt landet Würzburg (21,5 Prozent) unter den Top Ten der Städte mit dem höchsten Angebot an barrierefreien Wohnungen. Noch hinter Erlangen (Platz 19 – 11,7 Prozent), Augsburg (Platz 25 – 16 Prozent), und Regensburg (Platz 26 – 15,8 Prozent) landet München auf Rang 28. Die bayerische Landeshauptstadt kommt bei den barrierefreien Mietwohnungen auf 10,1 Prozent und bei den barrierefreien Eigentumswohnungen auf 19,3 Prozent.

Kauf-Objekte sind häufiger barrierefrei als Miet-Objekte
Deutlich schwieriger dürfte sich die Suche nach einer barrierefreien Wohnung hingegen in Gelsenkirchen, Chemnitz und Zwickau gestalten, wo jeweils nur 2,8 Prozent der angebotenen Wohnungen barrierefrei sind. Das ist der niedrigste Wert im bundesweiten Vergleich. Aber auch in Witten (3,3 Prozent), Kiel (3,6 Prozent) oder Recklinghausen (4,1 Prozent) ist das Angebot an Wohnraum mit stufenlosem Zugang besonders gering.

Auffällig ist zudem, dass Wohnungen mit stufenlosem Zugang in vielen Städten vor allem im Kaufsegment zu finden sind. So ist der Anteil an barrierefreien Kauf-Objekten in 74 von 100 analysierten Städten höher als am Mietmarkt. Besonders stark ist die Diskrepanz etwa in Oberhausen: Während nur 4,9 Prozent der Mietwohnungen barrierefrei sind, gilt dies für 30,3 Prozent der Kauf-Objekte. Das ist ein Unterschied von 24,4 Prozentpunkten. Ähnliche Differenzen zeigen sich auch in Salzgitter (22,7 Prozentpunkte) und Gütersloh (20 Prozentpunkte).
Es gibt jedoch auch Ausnahmen. So ist der Anteil barrierefreier Mietwohnungen in einigen Städten sogar höher als im Kaufsegment. Am stärksten ausgeprägt ist der Unterschied in diese Richtung in Jena (15 Prozentpunkte), gefolgt von Moers (14,3 Prozentpunkte) und dem mittelfränkischen Erlangen (11,5 Prozentpunkte).
München taucht in diesem Negativ-Ranking auf Platz 22 auf, also ungefähr im hinteren Fünftel – mit 9,2,Prozent bei der Differenz zwischen barrierefreien Mietwohnungen und barrierefreien Kauf-Objekten. Bei den bayerischen Städten in der Auswertung stehen hier nur Würzburg (Platz 11 – 12,8 Prozent) und Regensburg (Platz 16 – 11,2 Prozent) schlechter als die Landeshauptstadt da.
Institut für Menschenrechte: "Deutschland muss endlich barrierefrei werden"
Seit dem 26. März 2009 ist die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft und sichert Menschen mit Behinderungen ihre Rechte zu. Doch bei der Umsetzung bleibt viel zu tun, findet das Deutsche Institut für Menschenrechte und fordert deshalb von Politik und Wirtschaft mehr Einsatz für Barrierefreiheit und Inklusion.
Besonders bei der Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) sieht das Institut dringenden Verbesserungsbedarf. "Seit Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland sind die Rechte von Menschen mit Behinderungen zwar deutlicher ins öffentliche Bewusstsein gerückt, es hat aber keinen grundlegenden Wandel hin zu einer wirklich inklusiven Gesellschaft gegeben", wird Britta Schlegel, Leiterin der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des Deutschen Instituts für Menschenrechte, in einer Mitteilung zitiert.
Schlegel: "Deutschland muss endlich barrierefreier werden, etwa im Gesundheitswesen, beim Wohnraum oder bei Kultur- und Freizeitangeboten. Das ist nicht nur menschenrechtlich, sondern auch wirtschaftlich erforderlich. Angesichts des demografischen Wandels können wir uns Barrieren nicht länger leisten."
Die Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes, die bis Sommer 2026 abgeschlossen werden soll, bietet eine Chance für Fortschritte. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung vom Februar 2026 erkenne erstmals an, dass auch private Unternehmen Barrierefreiheit gewährleisten müssen. Das sei grundsätzlich positiv, so Schlegel: "Doch der Entwurf bleibt hinter den Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention weit zurück. Sollte er so beschlossen werden, bringt das neue Gesetz in der Praxis kaum Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen."
Das ist die Untersuchungsgrundlage: Um herauszufinden, wo es in Deutschland den höchsten Anteil an barrierefreien Wohnungen auf dem Immobilienmarkt gibt, hat der Seniorendienst Eli die Fee das entsprechende Angebot in den 100 größten deutschen Städten ausgewertet. Grundlage waren 94.658 Online-Immobilieninserate für Wohnungen, die am 2. März 2026 öffentlich waren. Erfasst wurden sowohl Miet- als auch Kaufobjekte. Als barrierefrei wurden Wohnungen mit einem stufenlosen Zugang gewertet. Eli die Fee unterstützt über 12.000 Kunden mit mehr als 1000 Mitarbeiter an 45 Standorten.
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