Schießanlage im Wald: Zwei Millionen für die Schützen

Viel Geld steckt die Stadt München in eine Schießanlage im Wald. Dagegen gibt es jetzt Protest – auch, weil dort vor allem Männer trainieren.
| Christina Hertel
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Vor elf Jahren plante der Schützenverein Hubertus mitten im Forstenrieder Park seine Schießanlage auszubauen.
Vor elf Jahren plante der Schützenverein Hubertus mitten im Forstenrieder Park seine Schießanlage auszubauen. © Martha Schlüter

München - Der Ärger begann vor etwa elf Jahren: Damals plante der Schützenverein Hubertus, seine Schießanlage auszubauen, so groß wie die Allianz Arena sollte sie werden, mitten im Forstenrieder Park, nur ein paar Hundert Meter von den nächsten Wohnhäusern entfernt.

Langjähriger Protest gegen den Ausbau der Schießanlage

In einem dieser Häuser lebt Roman Bauer. Er leitet die Bürgerinitiative, die damals gegen den Ausbau der Schießanlage protestierte - und diesen letztlich verhinderte. Sein Widerstand gegen den Schützenverein dauert jedoch an. Denn die Stadt will den Verein mit zwei Millionen Euro bezuschussen, damit er seine Schießanlage sanieren kann. Außerdem gewährt sie dem Verein ein zinsloses Darlehen von rund 680.000 Euro.

Dass die Stadt für den Schützenverein in Zeiten von Corona, in denen sie eigentlich sparen müsste, so viel Geld ausgibt, stört Roman Bauer. Denn er findet: "In einem Wald in einem Landschaftsschutzgebiet hat eine solche Anlage nichts zu suchen." Eigentlich hatte der Stadtrat den zwei Millionen hohen Zuschuss bereits im Sommer bewilligt. Doch heute muss er sich noch einmal damit befassen. Denn Marie Burneleit, die für die Kleinstpartei "Die Partei" im Stadtrat sitzt, stellte den Antrag, dass sich das Revisionsamt das Ganze noch einmal ansehen soll.

Marie Burneleit.
Marie Burneleit. © Archiv

Zwei Millionen Euro der Stadt München reichen nicht für Ausbau

Das Revisionsamt ist das Rechnungsprüfungsamt der Stadt. Es beurteilt unter anderem, ob Ausgaben unter den Gesichtspunkten der Sparsamkeit und der Zweckmäßigkeit erfolgten. Unter anderem sollte die Stadt aus ihrer Sicht überprüfen, ob deshalb so viel Geld notwendig ist, weil der Verein die Anlage vernachlässigt hat. Außerdem glaubt Burneleit, der Schützenverein könnte gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen. Denn ein Großteil seiner Mitglieder ist männlich.

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Dass sich die Sanierung der Schießanlage immer weiter verzögert, ärgert den Vereinsvorsitzenden Robert Schmid: Wenn die Bürgerinitiative die Sanierung nicht vor Jahren gestoppt hätte, wäre sie heute nicht so teuer, glaubt er. Denn die zwei Millionen Euro der Stadt reichen nicht. Fast acht Millionen Euro sollen die Sanierungsarbeiten kosten. Dieses Geld kommt zum Teil vom Freistaat, zum Teil von den Mitgliedern. Schmid hält die Sanierung für notwendig. Auch damit sich der Verein an die Lärmschutzbestimmungen halten kann. Denn, dass es auf der Anlage laut zugehen kann, gibt Schmid zu.

Schützenverein im Landschaftsschutzgebiet besteht seit 100 Jahren

Das Argument, dass ein Schützenverein im Landschaftsschutzgebiet generell nichts zu suchen habe, lässt Schmid allerdings nicht gelten: Schon seit fast 100 Jahren betreibt sein Verein dort die Schießanlage. "Wir haben Bestandsschutz." Einen Grund, noch einmal genauer hinzusehen, ob mit der Förderung der Schießanlage Geld verschwendet wird, sieht die Stadt allerdings nicht. Das geht aus der Beschlussvorlage für die Sitzung hervor. Der Verein kann sich also freuen.

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