Schauspieler Leo Reisinger verrät seinen Lieblingsort in München
In seinem Erfolgsroman "Bavarese" hat er den Münchner Großmarkt unter die Lupe genommen: Schauspieler und Autor Leo Reisinger (48; "Toni, männlich, Hebamme") aus Holzkirchen wird am 20. Juni im Festzelt in Herrsching am Ammersee auftreten. Was Gäste erwartet, wie er seinen drei Kindern Filmküsse erklärt und welche Plätze er in München besonders mag.
AZ: Herr Reisinger, Sie treten am 20. Juni zum 1250. Jubiläum von Herrsching im Festzelt auf. Wie kam es dazu?
LEO REISINGER: Das kam so zustande: Ich hatte in der Großmarkthalle München eine Lesung von meinem Buch "Bavarese" vor 400 Gästen, danach spielte meine Band. Daraufhin wurde ich in Herrsching angefragt und habe zugesagt. Es ist für mich eine Ehre, dort zu spielen. Lesungen im Bierzelt an einem Abend, wo auch noch Deutschland bei der Weltmeisterschaft spielt, sind eher kontraproduktiv. Aber gute Musik geht immer!
Über seine Coverband: "Wir sind schon fast wie eine Familie"
Was erwartet die Besucher?
Wir sind eine breit gefächerte Partyband, treten seit 22 Jahren in derselben Besetzung auf und sind schon fast wie eine Familie. Ich bin der Pianist. Wir spielen Coverlieder von Tina Turner bis Adele, von Lola Young bis Bryan Adams.

Haben Sie auch das zuletzt diskutierte "Skandal im Sperrbezirk" im Repertoire?
Selbstverständlich! Ludwig Seuss, der Pianist der Spider Murphy Gang, war mein Klavierlehrer. Schon aus Respekt vor ihm und der Spider Murphy Gang würde ich ein sozialkritisches Stück, das auf Doppelmoral hinweist, nie aus dem Repertoire streichen.
Gehen Sie privat gern ins Bierzelt und auf die Wiesn?
Ich war 20 Jahre lang Wiesn-Kellner. Jetzt sind meine Kinder bei München TV als Mini-Reporter dabei, und ich begleite sie als Betreuungsperson. Das bereitet mir Freude, den Enthusiasmus von früher bringe ich allerdings nicht mehr mit.
Wiesn-Enthusiasmus fehlt: "Alles hat seine Zeit"
Warum?
Alles hat seine Zeit. Ich bin lieber auf der Bühne und mache selber Musik oder gehe als Alternative zum Wandern.
Sie waren Kellner, sind in einer Band, zudem Schauspieler und Autor sowie früher Schreiner: Was mögen Sie davon am liebsten?
Schreinern tu ich nur noch daheim. Am liebsten mag ich es, die Freizeit der Menschen zu versüßen und Raum für Emotionen zu schaffen – egal, ob sie mein Buch lesen, meiner Musik zuhören oder mir beim Schauspielern zuschauen.

In der ARD-Serie "Toni, männlich, Hebamme" mit Wolke Hegenbarth waren Sie als Hebamme zu sehen. Wäre der Beruf noch was fürs echte Leben?
Ich glaube, ich habe hier mit drei eigenen Kindern schon mein Kontingent erfüllt. Meine Tochter tritt jedoch in meine Fußstapfen, sie hat schon ein Praktikum im Kindergarten und bei einer Hebamme gemacht – übrigens bei der Set-Hebamme, die mich für die Filme betreut hat.
Warum küsst der Papa eine fremde Frau?
Haben Ihre Kinder die Serie verfolgt?
Alle. Mehrfach. "Warum küsst der Papa eine fremde Frau?" (lacht)
Wie erklärt man das den Kindern?
Es gehört zu meinem Beruf. Am Set ist Romantik übrigens sowieso weit entfernt, wenn 20 Personen um einen herumstehen.

Ihre Kinder und die Familie haben einen großen Stellenwert. Wie teilen Sie sich mit Ihrer Frau die Erziehung auf?
Meine Frau hat die Kinder prozentual ein bisschen mehr, am liebsten unternehmen wir etwas gemeinsam. Jetzt in der Sommerzeit gehe ich gern nachmittags mit ihnen zum Schwimmen und der Papa kocht auch mal. Es gibt dann meistens etwas gesundes Mediterranes.
"Ziel ist, mein Buch auf die Leinwand zu bringen"
Sie haben schon viel gemacht, hatten Hauptrollen, waren bei den "Rosenheim-Cops", bei "Sau Nummer 4" oder mit Senta Berger bei der ZDF-Kriminalfilmreihe "Unter Verdacht". Hat sich für Sie damit schon alles erfüllt oder steht noch etwas auf der Karriere-Wunschliste?
Ziel ist, mein Buch auf die Leinwand zu bringen. Wir haben dafür noch keinen festen Zeitpunkt, die Gespräche dazu laufen. Ich möchte auch gern einmal Regie führen. Noch ein Wunsch: etwas an junge Menschen weitergeben und mir deren Perspektive und Sehgewohnheiten anschauen. Ich finde den Austausch unter den Generationen wichtig. Deswegen engagiere ich mich auch beim Verein Retla zusammen mit Michaela May für ältere Menschen.
Ich mag meine Stadt, mein Land, meine Heimat schon wahnsinnig gern
Wie gut ist der Münchner Großmarkt eigentlich auf Sie zu sprechen nach "Bavarese"?
Es ist ja kein Verriss. Es ist eine fiktionale Geschichte aus einer Welt, die ich kenne. Das werde ich auch bei meinem nächsten Buch so handhaben.
Ist das bereits in Planung?
Ich schreibe schon ganz fleißig.
Können Sie etwas verraten?
Die Geschichte spielt in Niederbayern an der Grenze zu Tschechien. Ein Enthusiast will die Welt verändern, alle halten ihn für einen Spinner und werden später eines Besseren belehrt. Das fordert Opfer. Mehr sage ich noch nicht.

Zum Schluss: Was ist Ihr Lieblingsort in München?
Ich habe viele Lieblingsplätze. Den Odeonsplatz zum Beispiel, auch den Marienplatz, weil mich das Glockenspiel an meine Kindheit erinnert. Noch ein schöner Ort: Ich war bei Rod Stewart im Konzert und bin dann über den Olympiaberg zur Olympiaalm spaziert. Es war eine sternenklare Sommernacht, auf der einen Seite lag das Olympiagelände – es sah aus wie eine Weltraumlandschaft. Auf der anderen Seite: das beleuchtete München mit der Frauenkirche und in der Ferne die Silhouetten der Berge. Da dachte ich: Ich mag meine Stadt, mein Land, meine Heimat schon wahnsinnig gern.
Mehr zum Programm in Herrsching: 1250jahreherrsching.de

