S-Bahnhof Laim: Pro Bahn kritisiert Bauverzögerungen – DB widerspricht

Lebhafte Debatte um Effektivität und Zeitschiene bei den Bauarbeiten am S-Bahnhof in Laim: Der Münchner Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert, dass dort der neue Bahnsteig trotz der S-Bahn-Sperre in der vergangenen Woche weiterhin nicht komplett in Betrieb ist, die Deutsche Bahn (DB) wehrt sich gegen die Vorwürfe.
"Es ist nicht nachvollziehbar, wieso die Fahrgäste unter einer Sperrung leiden müssen, aber die eigentlich geplanten Hauptbauarbeiten ausfallen", wird Pro-Bahn-Sprecher Andreas Frank in einer Mitteilung des Bezirksverbandes zitiert: "Dass ein wichtiger Bauschritt bei einem Milliardenprojekt kommentarlos verschoben wird, ist nicht akzeptabel und gehört aufgeklärt."
Haltausfall stadteinwärts bei den S-Bahnlinien S3, S4, S6 und S8
"Der Umbau des Bahnhofs ist baulich und betrieblich anspruchsvoll, weil er unter laufendem S-Bahn-Betrieb und in enger Verzahnung mit weiteren Infrastrukturprojekten erfolgt", teilt ein DB-Sprecher auf Anfrage der AZ mit: "Anpassungen im Bauablauf können bei einer solchen Maßnahme notwendig werden. Entscheidend ist, dass die anstehenden Projektmeilensteine eingehalten werden – und das ist der Fall." In Laim sei Gleis 1 auf Bahnsteig A bereits seit August 2023 in Betrieb, Gleis 2 wird den Angaben zufolge im August 2026 nutzbar sein.
Für die Zweite Stammstrecke baut die DB InfraGO auch den Bahnhof Laim um. Künftig werden hier die bestehende Strecke und die neue Tunnelstrecke miteinander verknüpft. Die Züge sollen flexibler geführt und Engpässe im S-Bahn-Netz reduziert werden. Dafür wurde ein zusätzliches Gleis gebaut, die Bahnsteige und Gleisanlagen werden im laufenden Betrieb schrittweise neu angeordnet und modernisiert. Für die nächste Bauphase ist in Laim ein Haltausfall bei den stadteinwärts fahrenden S-Bahnlinien S3, S4, S6 und S8 erforderlich.
Bauarbeiten in Laim: Pro Bahn kritisiert Deutsche Bahn und Freistaat
Dieser beginne statt ab Anfang Juni im August, so der Bahn-Sprecher: "Für die Fahrgäste bedeutet dies, dass sie die bestehenden drei Bahnsteigkanten in Laim drei Monate länger nutzen können. Erst anschließend wird für die Bauarbeiten der 2. Stammstrecke der südliche Bahnsteig zurückgebaut."
Laut Pro Bahn verzögert sich so die Fertigstellung der Umweltverbundröhre Laim und damit auch die Fertigstellung der Tram-Westtangente. Der DB-Sprecher betont, dass die ursprünglichen Planungen "vor einigen Monaten angepasst" worden seien und der Zeitplan entgegen der Pro-Bahn-Argumentation nicht gefährdet sei: "Die Umweltverbundröhre wird wie vereinbart 2027 an die Landeshauptstadt München übergeben."
Pro-Bahn-Bundesvorsitzender erwartet Lösungen
Der Verband fordert den Freistaat auf, seiner Aufsichtsfunktion besser nachzukommen und für eine verlässliche Projektkommunikation zu sorgen. Zudem sollten DB und Freistaat die der Stadt und den Stadtwerken entstehenden Mehrkosten bei der Tram-Westtangente übernehmen, findet Pro-Bahn. "Durch die mangelnde Projektaufsicht schadet der Freistaat Bayern nicht nur dem S-Bahn-System, sondern verzögert auch noch das städtische Projekt der Tram-Westtangente. Die Ursache der Verzögerungen liegt hier eindeutig beim Projekt."
Die Optimierung und Zweiteilung des Bauablaufs habe keine Auswirkungen auf die Projektmeilensteine, deshalb sehe die DB InfraGO "auch keine Grundlage für die Annahme, dass sich daraus eine Verzögerung der Tram-Westtangente oder DB-seitig verursachte Mehrkosten ergeben", erläutert der Bahn-Sprecher.
Der Fahrgastverband verweist auf ihm vorliegende Informationen, wonach auch diesmal die Verzögerungen dadurch verursacht worden waren, dass wie im April 2023 kein Abnahmeprüfer für die geänderten Signale aufzutreiben gewesen sei. "Wir fordern DB InfraGo auf, binnen eines halben Jahres eine Strategie vorzulegen, wie der Mangel an Abnahmeprüfern kurz-, mittel- und langfristig behoben wird. Wir werden das Thema auch gegenüber Bundesverkehrsministerium und Bundestag ansprechen und erwarten Lösungen", sagt der Pro-Bahn-Bundesvorsitzende Lukas Iffländer.
Es sei bekannt, dass es immer wieder zu Engpässen bei Abnahmeprüfern kommen könne, so der Bahn-Sprecher: "Der Grund für die Anpassung war in diesem Fall eine Zweiteilung des Bauablaufs, um die Komplexität der Gesamtbauphase zu reduzieren."