Robust trotz Krise: So geht es der Münchner Wirtschaft
Über die deutsche Wirtschaft hört man derzeit nicht viel Positives: Die Arbeitslosenzahlen steigen, Wachstum ist kaum in Sicht. Und in München? Da klingt Wirtschaftsreferent Christian Scharpf (SPD) recht optimistisch: "Der Wirtschaftsstandort München ist robust." Und tatsächlich läuft es hier noch besser als anderswo, wie der Jahreswirtschaftsbericht, den Scharpf am Freitag vorstellte, zeigt.
Wo überholt München die anderen? In keiner anderen deutschen Großstadt sind die Bewohner reicher. Nach Abzug von Steuern, Versicherungen, Miete, Nebenkosten bleiben den Münchnern 38.364 Euro übrig. Nur im Landkreis Starnberg ist die Kaufkraft mit 38.430 Euro größer.
In München gründen sich außerdem besonders viele Start-ups. Pro 100.000 Einwohner sind es jährlich 19,3. In Berlin sind es nur 16,8 neue Start-ups. München ist zudem die deutsche Großstadt mit der niedrigsten Arbeitslosenquote (hier: fünf Prozent, Berlin 10,3 Prozent).
Und auch die Gewerbesteuereinnahmen liegen in München auf einem Rekordniveau: bei 3,8 Milliarden Euro. 35,6 Prozent davon zahlten übrigens Banken und Versicherungen.
Kann sich ein Wirtschaftsreferent bei solchen Zahlen nicht entspannt zurücklehnen? Nicht ganz. Denn auch in München ist die Lage nicht mehr nur positiv.
Wo die Münchner Wirtschaft schwächelt
Zwar nimmt München eine Rekordsumme an Gewerbesteuern ein. Allerdings gibt es nicht aus allen Branchen Erfolgsmeldungen: 2024 hat das produzierende Gewerbe in München laut Scharpf noch 503 Millionen Euro Gewerbesteuern gezahlt. 2025 waren es nur noch 331 Millionen Euro. Scharpf erklärt sich das damit, dass der internationale Wettbewerb gestiegen ist – vor allem aus China, etwa in der Automobilbranche.
Auch die Arbeitslosigkeit wächst. 2019 lag die Arbeitslosenquote in München bei 3,3 Prozent, 2025 bei fünf Prozent. Rund 56.000 Menschen sind in München arbeitslos gemeldet.
Unter Akademikern steigt die Arbeitslosigkeit: 2021 hatten unter allen Arbeitslosen nur 19 Prozent einen Hochschulabschluss, inzwischen sind es 27,6 Prozent. Besonders betroffen sind Ältere: Fast jeder vierte Arbeitslose in München ist über 55 Jahre alt.
Ob das daran liegt, dass Künstliche Intelligenz Jobs übernimmt? "Ich glaube nicht, dass man diese Entwicklung jetzt schon sieht", antwortet Wirtschaftsreferent Scharpf darauf. Gleichwohl tue sich in diesem Bereich wahnsinnig viel.
Das Münchner Beschäftigung- und Qualifizierungsprogramm (MBQ) werde sich in Zukunft noch mehr darauf konzentrieren, Menschen für die Digitalisierung zu schulen. Für Scharpf ist das MBQ ein Erfolgsprojekt: 2025 brachte es 2.200 Teilnehmer in einen Job.
Damit München wirtschaftlich erfolgreich bleibt, müsse die Stadt investieren, sagt Scharpf: in Wohnraum und Infrastruktur. Gleichzeitig müsse die Stadt sparen: 9,5 Milliarden Euro Schulden häuft das Rathaus in diesem Jahr an. Einen Widerspruch, zu sparen und gleichzeitig zu investieren, sieht Scharpf nicht. Vor allem gehe es darum, im Rathaus die Prozesse zu optimieren.
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