Robotaxis bald in München: Hat BMW den Anschluss verpasst?

Aus den USA und China drängen Robotaxis nach München, BMW schaut zu. Warum? Der Münchner Autobauer wiegelt ab – man wolle sich auf Privatautos konzentrieren. Der "Autopapst" Ferdinand Dudenhöffer vermutet andere Hintergründe, die kein gutes Licht auf den Konzern werfen.
Ein fahrerloses Robotaxi der Google-Schwesterfirma Waymo ist im Straßenverkehr unterwegs. Bald sollen die Fahrzeuge auch in München verfügbar sein.
Ein fahrerloses Robotaxi der Google-Schwesterfirma Waymo ist im Straßenverkehr unterwegs. Bald sollen die Fahrzeuge auch in München verfügbar sein. © Andrej Sokolow/dpa

Es ist gut möglich, dass schon in ein paar Jahren Hunderte von Robotaxen ohne Fahrer vor der Haustür von BMW unterwegs sind. Doch werden diese Fahrzeuge nicht das Rundlogo der traditionsreichen Bayerischen Motorenwerke tragen, sondern andere aus den USA und aus China.

Waymo, Tochter des US-amerikanischen Tech-Riesen Alphabet, und Momenta, Hightech-Unternehmen aus China, wollen demnächst Nägel mit Köpfen machen. Waymo will seine autonom fahrenden Robotaxen schon bald in der bayerischen Landeshauptstadt zunächst testweise auf die Straße bringen, Momenta hat bereits eine bundesweite Lizenz für autonome Testfahrten des Levels 4 in der Tasche und will ebenfalls in diesem Jahr zusammen mit dem Taxi-Betreiber Uber die ersten autonomen Pkw fahren lassen.

Ausgerechnet München – ein Seitenhieb für BMW?

Warum ausgerechnet in München? Man kann darüber spekulieren, ob da auch ein Seitenhieb gegen den Premium-Autokonzern gesetzt werden soll. Bei BMW gibt man sich gelassen. Das Geschäft mit Robotaxen stehe "nicht im Fokus", so ein Unternehmenssprecher und führt an, was gegen ein vertieftes Engagement für autonomes Fahren spricht: "Hohe Entwicklungs- und Betriebskosten, geringe Margen und mangelnder Fit (Passgenauigkeit, d. Red.) für die Marke BMW sprechen dagegen."

2024: BMW  testet das automatisierte Fahren am Mittleren Ring in München.
2024: BMW testet das automatisierte Fahren am Mittleren Ring in München. © IMAGO/Rolf Poss

BMW wolle keine Taxen betreiben, sondern irgendwann einmal autonomes Fahren für Privatautos anbieten, wenn die Zeit reif ist, lässt sich den Auskünften entnehmen. Man stelle sicher, "dass wir für ein mögliches Angebot in der Zukunft reaktionsfähig sind". Dieses müsse "wirtschaftlich sowohl für den Kunden als auch unternehmerisch Sinn" machen.

Dudenhöffer: Die Münchner sind "zu langsam unterwegs"

Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des "Car Institute Bochum", hält diese Einstellung für fahrlässig: "BMW muss aufpassen, den Weg ins autonome Fahren nicht zu verpassen", sagt der "Autopapst" auf AZ-Anfrage, denn die Münchner seien schlicht "zu langsam unterwegs". Der chinesische Wettbewerber Xiaomi, dessen Deutschland-Zentrale ebenfalls in München angesiedelt ist, werde schon bald zum "ganz großen Wettbewerber von BMW".

Die Chinesen glänzten mit der – auch autonomen – Technik von morgen zu Preisen, "von denen der BMW-Kunde nur träumen kann", sagte Dudenhöffer voraus. Das Auto selbst werde in Zukunft nicht mehr die Hauptrolle spielen, sondern der "Technik-Set", also Sensoren, Lidars und Rechner, die Fahrbefehle autonom ausführen. Schon jetzt würden in China "normale Autos" mit dem Technik-Set zu Robotaxen umgebaut.

Der "Autopapst" Ferdinand Dudenhöffer.
Der "Autopapst" Ferdinand Dudenhöffer. © Johannes Neudecker/dpa

Der Stellungnahme von BMW ist Skepsis gegenüber der Sicherheit der autonomen Experimente von Hightech-Riesen zu entnehmen: "Wir führen Funktionen erst dann ein, wenn ihr sicherer Gebrauch nachgewiesen ist." Die wahren Gründe für die Zurückhaltung sind laut Dudenhöffer jedoch andere: Die Technologie sei "für BMW eine Nummer zu groß", die Technik für das Münchner Traditionsunternehmen "zu weit weg".

Der Wettbewerber Mercedes arbeite hingegen mit Momenta daran, Robotaxen in Abu Dhabi zum Laufen zu bringen: "Das ist im Luxusgeschäft wichtig, um Renommee zu erreichen und auszubauen."

Kritik an Aiwanger und Herrmann

Unterdessen sorgen die Ankündigungen der ausländischen Unternehmen, München zum ersten europäischen Testgebiet für Robotaxen zu machen, auch für politische Diskussionen in der bayerischen Landespolitik. Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn beanstandete, dass Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) "kritiklos die Steigbügelhalter für Google spielen".

Jahrelang habe Bayern mit Steuergeld die Entwicklung von autonomem Fahren gefördert, jetzt rolle man bei der Umsetzung den ausländischen Konzernen "den roten Teppich" aus.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn.
Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn. © Peter Kneffel/dpa

Was bleibe für München davon?, fragte der SPD-Politiker: "Nur Waymo-Autos waschen?" Von Brunn wirft noch andere Fragen auf: Nicht nur die Gewinne, sondern auch die Daten gingen beim Waymo-Aufschlag in der bayerischen Landeshauptstadt nach Kalifornien.

"Was mit den Daten passiert, weiß niemand"

Denn die Robotaxis filmten fortwährend den öffentlichen Raum mit Passanten und Kennzeichen. "Was mit den Daten passiert, weiß niemand", so der SPD-Politiker. Und Wirtschaftsminister Aiwanger, der gerne den Anwalt der kleinen Leute gebe, klatsche Beifall, wenn "ein milliardenschwerer US-Tech-Konzern Fahrer überflüssig" machen wolle.

Staatskanzleiminister Herrmann wies die Kritik zurück. Autonomes Fahren sei eine Schlüsseltechnologie, bei der Bayern international an der Spitze stehen wolle. Anstatt die Pläne zu bremsen, wolle man die Rahmenbedingungen weiter verbessern, Bürokratie abbauen und regulatorische Hürden beseitigen. Eine Welle des Protests seitens der Taxibetreiber blieb bisher aus.

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