Reaktion auf verschärfte Corona-Regeln: "Das Wohl der Menschen geht vor"

Sperrstunde ab 22 Uhr, Bars und Clubs zu, keine Weihnachtsmärkte. Die Betreiber hatten bis zum Schluss gehofft - und reagieren nun mit Ärger, aber auch Verständnis.
| Ruth Frömmer Myriam Siegert
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
25  Kommentare Artikel empfehlen
Am Freitagabend leuchtet das Tollwood schon so, als ginge es bald los. Aber das Gegenteil ist der Fall.
Am Freitagabend leuchtet das Tollwood schon so, als ginge es bald los. Aber das Gegenteil ist der Fall. © Bernd Wackerbauer

München - Der Betreiber von Pink Christmas Robert Maier-Kares kann nicht mehr an sich halten: "Das ist eine bodenlose Frechheit und ungerecht!" Am Freitagmittag hatte Markus Söder (CSU) sämtliche Weihnachtsmärkte abgesagt. Zur Begründung sagte der Ministerpräsident unter anderem, man hatte auf die Vernunft der Betreiber gehofft, freiwillig abzusagen. Da das nicht passiert sei, hätte er das nun selbst tun müssen.

Maier-Kares findet das unverhältnismäßig: "Wir sind im Freien, getestet und hatten die Besucherzahl drastisch reduziert. Wir hätten sogar eine Teststation vor unserem Weihnachtsmarkt aufgebaut, was an den Behörden gescheitert ist."

80.000 Euro sind weg

Seine Händler haben am Freitag geweint. All ihre Reserven sind aufgebraucht. "Ich selbst habe gerade 80.000 Euro verbrannt", sagt Maier-Kares. Soviel ist er für seinen Markt auf dem Stephansplatz in Vorleistung gegangen.

Andreas Micksch organisiert den Weihnachtsmarkt in Haidhausen. Auch er ist traurig, hat aber Verständnis für die Absage. Eine große Überraschung war die nicht für ihn. "Sie ist der Situation geschuldet und möglicherweise das Beste. Man hätte nie gewusst, wie's am Schluss ausgegangen wäre, ob überhaupt Leute auf die Märkte gekommen wären." Schuld sind für Miksch diejenigen, die sich nicht impfen lassen. Er ist froh, dass ihm die Entscheidung nun abgenommen wurde.

Gesundheit der Menschen geht vor

Auch für Tollwood-Leiterin Rita Rottenwallner ist die Entscheidung bitter: "Der erneute Ausfall trifft uns als Veranstalter wie all unsere Marktteilnehmer noch einmal ungleich drastischer als im letzten Jahr", sagt sie. Voller Hoffnung hätte man im Spätsommer die Planungen begonnen, sehr gute Hygienekonzepte erstellt und selbst den Aufbau noch unter positiven Rahmenbedingungen gestartet.

"Gleichwohl gebieten die dramatische Entwicklung der Pandemie und die katastrophale Situation in den Krankenhäusern einschneidende Maßnahmen", sagt Rottenwallner. "Das Wohl und die Gesundheit der Menschen gehen vor."

Am Freitagnachmittag wird auf dem Gelände des Tollwood sogar noch gewerkelt.
Am Freitagnachmittag wird auf dem Gelände des Tollwood sogar noch gewerkelt. © Bernd Wackerbauer

Weitere Maßnahmen schreiben eine Sperrstunde in Restaurants ab 22 Uhr und einen Lockdown von Bars und Clubs zunächst bis 15. Dezember vor. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, schüttelt nur den Kopf: Er verstehe nicht, warum man aus dem letzten Jahr nicht gelernt hat.

Gastronomie wäre ein geschützter Bereich

"Der ,Lockdown light' war nachweislich nicht erfolgreich", so Geppert. Die Gastronomie sei ein geschützter Bereich, jetzt werde alles wieder in den ungeschützten Bereich gedrängt. "Bestraft werden jetzt die, die ihre Sache ordentlich gemacht haben mit 2G und 2G+".

David Süß, Vorsitzender des Verbands der Münchner Kulturveranstalter, sieht es ähnlich und doch auch anders. Beim Blick auf Inzidenzen, die schreckliche Situation in Kliniken und nach Österreich sei klar, dass unbedingt gehandelt werden muss, sagt Süß. Da seien sich alle Kollegen einig.

Lesen Sie auch

Dass der Schwerpunkt auf der Nachtgastronomie liege, wo zu großen Teilen 2G gilt, seit diesem Wochenende sogar 2G+, sei schade. Die Impfquote in Bayern und München allerdings sei einfach katastrophal, so Süß. Hier habe der Freistaat viel versäumt.

Münchner Kulturverband befürchtet schwere Wochen

Dass die Maßnahmen schon am 15. Dezember wieder aufgehoben werden können, glaubt er nicht. Süß befürchtet vielmehr schwere Wochen. "Die Clubs sind bereit zuzusperren", so Süß. Das tut weh, sei aber nichts im Vergleich zu dieser "humanitären Katastrophe".

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 25  Kommentare – mitdiskutieren Artikel empfehlen
25 Kommentare
Artikel kommentieren