Interview

Radtour von München nach Baku: "Spitzbuben gibt's überall"

Eine Radtour durch zehn Länder trotz Corona? Peter Harnisch wagt es und radelt morgen los: Etwa 110 Kilometer am Tag fährt er zwei Monate lang. Ein Gespräch über eine besondere Reise.
| Ruth Schormann
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Peter Harnisch geht wieder auf große Rad-Tour. (Archivbild)
Peter Harnisch geht wieder auf große Rad-Tour. (Archivbild) © privat

München - Odessa, Eriwan oder zuletzt 2019 bis nach Teheran: Der 62-jährige Peter Harnisch, Mitarbeiter der Max-Planck-Gesellschaft, unternimmt seit Jahren Riesen-Radtouren entlang der Donau bis in den Südosten Europas und darüber hinaus.

Auch heuer will er wieder starten, am 20. August geht es los nach Aserbaidschan. Die Pandemie macht die Vorbereitung auf die Tour nicht einfacher, doch er bleibt optimistisch, erzählt er der AZ.

AZ: Herr Harnisch, Sie sind ein Radreise-Profi, aber Corona stellt Sie dennoch vor Herausforderungen, oder?
Peter Harnisch: Allerdings. Erstmals ist der Impfausweis ja fast wichtiger als der Reisepass. Ich verfolge natürlich immer genau die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amtes. Ein Problem ist, dass Aserbaidschan bis kurz vor Reiseantritt noch keine Touristen-Visa ausgestellt hat. Zu EM-Spielen und Formel-1-Rennen in Baku gab es - mit entsprechender Eintrittskarte - ein Zeitfenster für Visa, aber das wurde wieder geschlossen.

In Baku endet für Peter Harnisch die Radlwelt, sagt er der AZ.
In Baku endet für Peter Harnisch die Radlwelt, sagt er der AZ. © Google My Maps

Und trotzdem radeln Sie mit diesem Ziel los - im Schnitt 110 Kilometer am Tag?
Am 7. Oktober komme ich an die aserbaidschanische Grenze - und jetzt konnte ich doch schon mein eVisum bekommen. Zur Not wollte ich eben länger in Georgien bleiben.

Begeisterung für Georgien

Durch dieses Land führt Sie die Tour nach Baku ziemlich lange. Was gefällt Ihnen daran?
Georgien ist zwar nicht größer als Bayern, aber wahnsinnig vielseitig. Es bietet grandiose Landschaften, die Küste, Berge bis 5.000 Meter, eine uralte Weinbautradition und archaische Dorfkulturen mit Wehrtürmen im Kaukasus. Die Menschen sind unglaublich gastfreundlich, musikalisch und heiter. Aber mich interessieren besonders auch die Randzonen, die Steppe in Aserbaidschan Richtung Kaspisches Meer. Dort gibt es Schlammvulkane und feuerspeiende Erdgas-Löcher, hochinteressante Naturphänomene. Jenseits des Meeres gibt es kaum mehr Orte mit Hotel, da bräuchte ich dann ein Zelt. Deswegen hört für mich am Westufer die Radlwelt auf.

 

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Wie ist es in Corona-Zeiten mit den Unterkünften, sind alle geöffnet?
Buchen konnte man, also gehe ich davon aus, dass sie offen haben mit entsprechenden Hygienemaßnahmen. Interessant war, dass manche Hotels aus dem Internet verschwunden sind. Die haben offenbar durch Corona schlappgemacht. Einen Großteil der Strecke bis Georgien kenne ich ja schon und habe versucht, die gleichen Hotels wieder auszuwählen.

Kein Verständnis für Impfgegner

Hatten Sie nicht überlegt, mit der Reise noch ein Jahr zu warten?
Seit es die Impfung gab, war mir klar, dass das im Herbst gut gehen könnte. Bei der Gelegenheit möchte ich dringend dafür werben, sich impfen zu lassen. Mir fehlt jedes Verständnis für Impfgegner. Die Impfung schützt mich und andere - und das beruhigt natürlich auch meine Familie.

Wie muss man sich die Planung Ihrer Reise vorstellen?
Die Etappen richten sich nach den Orten mit verfügbaren Unterkünften. Immer nach ungefähr 110 Kilometern schaue ich, wo eine Ortschaft mit Hotel ist, manchmal gibt es aber auch Etappen mit bis zu 145 Kilometern, wenn kein Hotel hergeht.

Warum fahren Sie ohne Zelt?
Das spart Gewicht und ein bisschen Bequemlichkeit mag ich schon, das ist ja mein Jahresurlaub! Ich möchte auch abends im Hotel schön essen und trinken. Und ich habe die Fähigkeit, in fremden Betten ab der ersten Nacht sofort gut schlafen zu können. Das ist für so eine Unternehmung genauso wichtig wie eine stabile Gesundheit und ein robuster Magen.

Darum verzichtet er auf das E-Bike

Und Sportlichkeit! Denn Sie fahren ja ohne E-Unterstützung Radl. Wie trainieren Sie für die Reise?
E-Bikes werden nicht im Flieger transportiert, weil der Akku als Gefahrgut gilt, das ginge also gar nicht. Und solange ich das körperlich schaffe, habe ich den Ehrgeiz das mit einem normalen, guten Trekkingrad zu machen. Vorbereiten mit dem Radl tue ich mich überhaupt nicht, ich nutze die Sportangebote bei uns in der Max-Planck-Gesellschaft, das geht zwar seit Corona leider nicht mehr, aber ich laufe täglich, mache draußen Gymnastik, schwimme im Feringasee. Aber das Radeln explizit zu trainieren, dafür fehlt mir die Zeit.

Welche drei Dinge sind Ihrer Meinung nach essenziell für längere Radtouren?
Man braucht ein stabiles Tourenrad. Ich schwöre auf Muskelöl und eine fantastische Gesäßcreme von Sixtus - die Firma gibt es leider nicht mehr. Also, man muss sich um den Allerwertesten kümmern! Und man braucht gute Reiseführer mit Kartenmaterial.

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Bei Ihrer letzten Tour sind Sie im Iran ausgeraubt worden. Fährt die Angst jetzt mit?
Nein, ganz und gar nicht. Ich sage immer, Spitzbuben gibt es überall, aber so viele freundliche Menschen wie im Iran gibt es nicht überall. Autoritär geführte Länder wie Iran oder jetzt Aserbaidschan sind für Touristen sicherer als manche mitteleuropäische Stadt, weil dort ein großes Interesse besteht, dass Touristen kommen und sich dann im Land sicher fühlen. Da wird der Polizei schon von oben Druck gemacht, dass sie im seltenen Fall des Falles auch tätig wird.

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