Radlhauptstadt München? Noch nicht ganz!

München wäre gerne Radlhauptstadt – ist es aber nicht. Zumindest wenn es nach den aktuellen Ergebnisses des Fahrradklimas des ADFC geht. Dort kommt die Stadt nur als „mittelmäßig fahrradfreundlich“ weg.
| Rosemarie Vielreicher
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Die Münchner stufen ihre Stadt in einer aktuellen Umfrage als „mittelmäßig fahrradfreundlich“ ein

München wäre gerne Radlhauptstadt – ist es aber nicht. Zumindest wenn es nach den aktuellen Ergebnisses des Fahrradklimas des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) geht. Die Bayerische Landeshauptstadt ist nicht herausragend fahrradfreundlich, aber auch nicht besonders fahrradunfreundlich. Auf guad Boarisch: Nix Halberts, und nix Ganz. Die insgesamt 1208 befragten Radler in München vergeben die Gesamtnote: 3,7. Damit liegt München aber im Vergleich trotzdem noch gut im vorderen Drittel der Städte über 200 000 Einwohner: Immerhin Platz 12 von 39.

Wo es in München hapert: Die drei großen Schwächen sehen die Radler bei:
- der Führung an Baustellen (Note 4,6)
- Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen (4,7)
-Ampelschaltungen für die Radler (Note 4,7)

Das Ärgerliche: Auch schon bei der letzten ADFC-Befragung 2012 störten sich die Münchner Radler an zwei dieser Punkte: Baustellen und Ampeln. Sprich: Hier gab es in den vergangenen zwei Jahren offensichtlich wenig Verbesserung. Beim damaligen Test lag München auf Platz 11. Die Münchner Radfahrer geben für die Verbesserungen in letzter Zeit nur eine 3,5. Mit nur ausreichend, also einer 4,0, bewerten sie im aktuellen Test unter anderem den Winterdienst auf den Radwegen und die Mitnahme der Drahtesel in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Was in München rund läuft:
- Alle fahren Fahrrad (2,5)
- Erreichbarkeit des Stadtzentrums (2,7)
- geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung (2,7)

Mit den beiden ersteren Punkten waren die Münchner auch 2012 schon zufrieden. Stark sehen sie München auch beim Thema Werbung fürs Radeln, und dass es öffentliche Fahrräder gibt (jeweils Note 3,0). Bei dem Test mussten die Heimatkommunen jeweils nach 27 Kriterien nach dem Schulnoten-System bewertet werden. Spitzenreiter bei den Großstädten ist auch 2014 wieder die Stadt, in der sogar Tatort-Kommissar Frank Thiel demonstrativ mit dem Drahtesel durch die Gegend fährt: Münster mit der Note 2,5. Damit liegt die Stadt deutlich über dem Durchschnittswert der Großstädte von 3,8. Bei fünf Kriterien gab es für Münster sogar eine Note mit einer Eins vorne dran, etwa für „Alle fahren mit dem Fahrrad“, der „Erreichbarkeit des Zentrums“ und beim „Zügigen Radfahren“. Dennoch hat auch Münster eine große Schwachstelle: Fahrraddiebe. Dafür gab fast eine glatte fünf: 4,9.

Auch zwei bayerische Städte liegen im Ranking ganz vorne

Gefolgt wird Münster bei den Metropolen auf den Plätzen 2 und 3 von Karlsruhe und Freiburg. Aber auch zwei bayerische Städte konnten 2014 punkten: Auf Platz eins der Städte zwischen 100 000 und 200 000 Einwohnern hat sich Erlangen durchgesetzt. Und auf Platz 3 in derselben Kategorie liegt Ingolstadt. Auffällig ist bei dem Test: Die „Preißen“ radeln uns Bayern offenbar davon – die Hälfte der Gewinner sind aus Nordrhein-Westfalen. 

Der Chef vom Münchner Fahrraclub im Interview:

Was Martin Glas über die Note 3,7 für München, Schwächen und wie es mit der Radlstadt weitergehen soll

AZ: Herr Glas, München ist bei dem Test unter den Großstädten auf Platz 12 gelandet. Zufrieden oder ist Luft nach oben?
Martin Glas: Das klingt ja erst einmal nicht schlecht. Aber die Gesamtnote von 3,7 ist nicht gerade, was man sich vorstellt. Es gibt natürlich zwei oder drei Sachen, die sehr erfreulich sind, wie zum Beispiel die guten Noten für „Alle fahren Fahrrad“ oder auch die „Erreichbarkeit des Stadtzentrums“. Aber hinsichtlich der aktuellen Marienplatz-Diskussion (Anm. d. Redaktion: Der Marienplatz soll  verkehrsfrei werden) könnte man da bei einem nächsten Test abrutschen.
Die größten Schwächen Münchens sind im Vergleich zu 2012 gleichgeblieben. Ist seither einfach zu wenig passiert?
Ja, viel ist gleich geblieben – gleich schlecht. Beim Thema Baustellen muss ich sagen, da passiert derzeit wenig. Im Endeffekt ist dort oft Chaos oder genauso auch bei Falschparkern. Ich denke, die Große Koalition in München nimmt den Radverkehr nicht so ernst wie die Vorgänger. Ein Beispiel: die schwierige Rosenheimer Straße. Hier müsste Sicherheit vor Verkehrsflüssigkeit gehen. Uns als Fahrradclub fehlt auch der Ansprechpartner bei der Stadt.
Wann wird München endlich Radlhauptstadt?
Das wird noch ziemlich lange dauern. Es muss noch einiges passieren. Natürlich ist es ein subjektiver Test. Persönlich fände ich eine zwei vorm Komma oder eine 2,5 schon gut. 

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