Radlclub-Chef zieht Fahrrad-Bilanz für München: "Es ist frustrierend"

Inzwischen ist es fast sieben Jahre her, dass die Aktivisten des Radentscheids auf dem Marienplatz 160.000 Unterschriften an OB Dieter Reiter (SPD) übergeben haben. Damals hielten sie auf gelben Schildern das Wort "Danke" in die Luft. Zwischen ihnen stand ein lächelnder OB. Mit dabei war damals Andreas Schön, der Münchner Chef des Radlclubs ADFC. Seine Bilanz dieser Legislatur? Gemischt.
"Die Radwege, die in den letzten sechs Jahren gebaut wurden, sind toll", sagt er. Als Beispiele nennt Schön die Zeppelinstraße und den Oskar-von-Miller-Ring, wo die Stadt auch viel Grün geschaffen hat. Allerdings hätte sich Schön mehr gewünscht: "Es ist frustrierend, wie wenig umgesetzt wurde." Noch immer sei das Radeln gerade mit Kindern nicht überall sicher.
Und was ist der Grund dafür, dass nicht mehr ging? Schließlich hatte der Stadtrat doch mehrheitlich (auch mit Stimmen der CSU) für die Übernahme des Bürgerbegehrens gestimmt.
Radentscheid und Radwege: ADFC-Chef zieht Bilanz
"Weltweit kann man beobachten, dass dann schnell etwas vorangeht, wenn Stadtspitze und Parlament an einem Strang ziehen", sagt Schön. "Wenn eine Seite aber nicht so recht will, dann plätschert es halt so vor sich hin."
Und für OB Dieter Reiter hatte der Rad-Ausbau aus Schöns Sicht keine Priorität. "Leider", sagt er, "hatte die SPD das Gefühl, dass sie mit Radverkehr keine Wähler gewinnen kann. Dabei ist es doch das Klientel der SPD, das nicht das Geld hat, sich dicke Autos zu kaufen."
Wünschen würde er sich für die nächste Legislatur, dass die vielen Pläne, die für neue Radwege erstellt wurden, auch umgesetzt werden. "Egal, wer am Ende OB wird, die Stadt wird das Radnetz ausbauen müssen. Denn immer mehr Münchner radeln."