Radeln in der Fußgängerzone künftig erlaubt

Der Beschluss sorgt im Stadtrat für eine heftige Debatte. Rot-Grün und die FDP sind dafür, die CSU fürchtet um die Sicherheit der Fußgänger.
| Julia Lenders
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Fußgängerzone? Nachts dürfen künftig auch Radlfahrer über den Marienplatz strampeln.
Martha Schlüter Fußgängerzone? Nachts dürfen künftig auch Radlfahrer über den Marienplatz strampeln.

MÜNCHEN - Bislang ist das so: Wer von der Polizei dabei erwischt wird, wie er nächtens durch die Fußgängerzone radelt, kann ein Knöllchen kassieren. Zehn Euro ist er dann los. Und wenn der Radler das für einen Schmarrn hält – und seinen Unmut darüber auch offen kundtut – können rasch 20 Euro draus werden.

Damit soll jetzt Schluss sein. Gestern hat eine Mehrheit des Planungsausschusses beschlossen: Das Radeln in der Fußgängerzone wird erlaubt. Und zwar zwischen 22 Uhr und acht Uhr morgens. In dieser Zeit dürfen die Pedalisten unbehelligt vom Marienplatz zum Stachus, sowie vom Rindermarkt über die Wein- und Theatinerstraße zum Odeonsplatz strampeln. Zunächst einmal soll diese Freigabe für ein Jahr gelten. Dann wollen sich die Stadträte anschauen, wie es gelaufen ist.

Der Beschluss sorgte im Stadtrat für einen heftigen Streit. Und er fiel ziemlich überraschend aus. Denn eigentlich hatte Stadtbaurätin Elisabeth Merk der Initiative, die ursprünglich von der FDP kam, eine Absage erteilen wollen. Keine Radler, auch nichts nachts – das war ihr Beschlussvorschlag. Doch da hatte die Stadtministerin die Rechnung ohne das Rathausbündnis gemacht. Mit einem Änderungsantrag setzte Rot-Grün die Freigabe einfach durch.

CSU-Urgestein Walter Zöller sprach von einem „absoluten Tabubruch“. Und wählte noch deftigere Worte. „Was Sie tun, ist eine Verarschung des Stadtrats“, warf er den Kollegen von Rot-Grün vor. Er habe noch kein einziges Mal erlebt, dass eine probeweise Einführung je zurückgenommen worden wäre. „Wenn das kommt, dann gnade den Fußgängern Gott!“ Die Radler würden künftig genauso durch die Fußgängerzone brausen wie sie es jetzt in der Dienerstraße täten. „Das ist ein unkalkulierbares Risiko.“

Zöller male den Teufel an die Wand, gab SPD-Stadtrat Ingo Mittermaier zurück. „Es ist fast etwas lächerlich, wenn jemand nachts sein Fahrrad durch die menschenleere Fußgängerzone schieben muss.“ Das Ganze sei eine vernünftige Lösung. Auch Boris Schwartz von den Grünen hielt dagegen: „Der Platz ist absolut ausreichend für Fußgänger und Radlfahrer.“ Und sein Parteikollege Paul Bickelbacher beteuerte: „Wenn’s nicht funktioniert, nehmen wir es auch wieder zurück.“ Die Radler sollten in „verträglicher Geschwindigkeit“ unterwegs sein. Wenn niemand anderer da ist, dürften sie dann auch mal zehn bis fünfzehn Stundenkilometer schnell sein, führte Bickelbacher aus. „Schrittgeschwindigkeit ist nicht realistisch.“

Laut Planungsreferat kann die Umsetzung des Ganzen „jetzt sehr schnell gehen“. Man müsse sich verwaltungsintern bloß wegen der neuen Schilder abstimmen.

 

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