Prozess um Sex-Dienste in München: Escort-Service beutet junge Frauen aus

Der 43-jährige Kopf der Organisation und ein Komplize stehen wegen Zuhälterei in München vor Gericht.
| John Schneider
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Die beiden Angeklagten mit der Dolmetscherin im Saal des Münchner Landgerichts.
Die beiden Angeklagten mit der Dolmetscherin im Saal des Münchner Landgerichts. © Daniel von Loeper

München - Der Vorwurf gegen Escort-Chef Igor B. (Name geändert) lautet auf schweren Menschenhandel, ausbeuterische und dirigierende Zuhälterei. Der 43-Jährige und ein Komplize sitzen seit Montag auf der Anklagebank des Landgerichts, weil sie Frauen in die Prostitution getrieben haben sollen.

Sie nutzten die wirtschaftliche Not der Frauen aus

Die Frauen wurden zumeist per Internet in Bulgarien rekrutiert und in München in angemieteten Wohnungen in Unterschleißheim und am Westpark untergebracht. Von dort wurden sie jeweils von Mittätern der Escort-Organisation abgeholt und zu den Treffpunkten mit den Freiern gefahren. Die Männer sollen laut Anklage dabei die wirtschaftliche Not der Frauen und ihre mangelnden Sprachkenntnisse in einem fremden Land gezielt ausgenutzt haben.

"Monika" durfte nicht selbst entscheiden, welche Freier-Termine sie wahrnimmt

Ein Beispiel: die damals 19-Jährige mit dem Pseudonym "Monika". Die junge Frau arbeitete in Bulgarien als Kassiererin an einer Tankstelle. Sie kam im August 2018 nach Deutschland, um hier für besseren Lohn zu arbeiten. Beim Feiern in München lernte sie die beiden Angeklagten kennen. Die beiden Männer überredeten sie, für den Escort-Service als Prostituierte zu arbeiten. Wie ist nicht bekannt. Ein Beispiel für einen Einsatz: Am 7. Dezember 2018 wurde die junge Frau gegen Mitternacht in der Wohnung am Westpark abgeholt und zu einem Freiertermin nach Geretsried gefahren. Nach dem Termin wurde der Escort Service vom Fahrer verständigt, dass "Monika" wieder "draußen" sei und für den nächsten Termin zur Verfügung stehe. Die Entscheidung, ob sie einen Freier-Termin wahrnehmen musste oder nicht, oblag allein zwei Komplizen des Escort-Chefs. Die 19-Jährige hatte nichts zu sagen.

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Die Zuhälter behielten fast die Hälfte der Einnahmen

Von November 2018 bis Januar 2019 soll sie sich 57 Mal auf diese Weise prostituiert haben. Von den jeweils 200 Euro, die für ihre Sex-Dienste verlangt wurden, durfte sie selber nur 70 Euro für sich behalten. Für die Escort-Agentur blieb dadurch ein Anteil von insgesamt 7.410 Euro. Der Prozess wird fortgesetzt.

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