Prozess in München: Theater ... und so fort: Neuer Rückschlag für Heiko Dietz

Seit Juli 2017 ist das "Theater … und so fort" wegen eines veritablen Wasserschadens nun schon geschlossen. Leiter Heiko Dietz verklagt die Vermieterin auf Schadensersatz – und muss beim Gütetermin einen neuen Rückschlag hinnehmen.
| Guido Verstegen
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Nach einem durch Bauarbeiten über den Räumen entstandenen Wasserschaden ist alles hinüber: Heiko Dietz sucht noch immer neue Räumlichkeiten für sein "Theater ... und so fort".
Heiko Dietz Nach einem durch Bauarbeiten über den Räumen entstandenen Wasserschaden ist alles hinüber: Heiko Dietz sucht noch immer neue Räumlichkeiten für sein "Theater ... und so fort".

Seit Juli 2017 ist das "Theater … und so fort" wegen eines veritablen Wasserschadens nun schon geschlossen. Leiter Heiko Dietz verklagt die Vermieterin auf Schadenersatz – und muss beim Gütetermin einen neuen Rückschlag hinnehmen.

München – Nach 45 Minuten war am Donnerstag alles gesagt: Der erste Verhandlungstag am Landgericht I in München sollte den beteiligten Parteien die Chance geben, sich gütlich zu einigen – doch jetzt läuft im Schadenersatz-Prozess um das "Theater … und so fort" alles auf einen Gerichtsmarathon hinaus.

"Das Ganze kann sich jetzt zwei, drei Jahre hinziehen", sagt Heiko Dietz im Gespräch mit der AZ. Der Leiter des freien Theaters mit seiner angeschlossenen Berufsfachschule für Schauspiel "TheaterRaum München" atmet tief durch: "Zum Glück haben wir eine Rechtschutzversicherung."

"Theater ... und so fort" seit Sommer 2017 ohne Bleibe

Rückblende: Im Sommer 2017 sollte der Hof über dem "Theater … und so fort" saniert werden, dann setzte tagelanger Regen ein, das in den Kellerraum laufende Wasser zerstörte Mobiliar, Bestuhlung und Kulissen. Dann kam der Schimmel – und dann wurde auch noch Asbest freigesetzt. Im September 2017 stand für die Gewerbeaufsicht fest: Betreten der Räume verboten.

In Dietz' Augen hätte man das alles verhindern können, wenn man, wie vom Architekten vorgeschlagen, über der Baustelle ein Zelt errichtet hätte. Der 51-Jährige beziffert den ihm entstandenen Schaden auf knapp 30.000 Euro. Das sind zum einen etwa 20.000 Euro fürs beim Wasserschaden mit seinen Schimmel- und Asbest-Folgen zerstörte Inventar, zum anderen rund 5.000 Euro für die durch ausgefallene Vorstellungen entgangene Mieteinnahmen.

Den Restbetrag hätte Dietz gerne für Ausfälle bezüglich seiner Tätigkeit als Theaterleiter. "Nicht berücksichtigt sind bei der Gesamtschadensumme die Verdienstausfälle der Künstler, die während der Sanierungsphase ihre Produktionen nicht realisieren konnten sowie die entgangenen Einnahmen aus der Theaterbar", sagt Dietz.

Richter versucht zu vermitteln - vergeblich

Da hat es der Schauspieler und Regisseur Dietz – das "Theater ... und so fort" residierte seit 2009 in dem Keller des Mehrfamilienhauses in der Kurfürstenstraße 8 – nicht leicht mit seiner Argumentation: Eigentlich müssten diese Verluste bei seinem Verein eingeklagt werden, dessen erster Vorstand er selber ist. "Absurd", betont er.

"Als Entgegenkommen haben wir signalisiert, dass wir mit 20.000 Euro zufrieden sind", erklärt Heiko Dietz. Er war mit seinem Anwalt Olaf Flachoffsky vor Gericht erschienen, während sich die in Aichach lebende und im Urlaub weilende Vermieterin Rita G. durch ihren Anwalt vertreten ließ. Der erklärte, die Hausbesitzerin habe schon einmal 2.000 Euro angeboten.

Der Richter wollte vermitteln – doch sein Vorschlag, sich bei 15.000 Euro zu treffen, stieß beim gegnerischen Anwalt auf taube Ohren. Und auch der deutliche Hinweis, dass sich das Ganze dann zu einer "langwierigen und kostenintensiven Angelegenheit" auswachsen könne, ließ den Anwalt kalt: "Das ist meiner Mandantin wurscht."

Dietz sucht neue Schauspielschüler

Dietz kann es nicht fassen. "Welch niederen Instinkte leiten unsere ehemalige Vermieterin da nur? Jedenfalls entscheidet sie eher emotional als rational", schreibt er auf seiner Facebook-Seite. Jetzt werde erst einmal ein Sachverständigen-Gutachten eingeholt: "Die Geschichte geht so langsam an die Substanz."

Als sei die Suche nach neuen Räumlichkeiten nicht schon belastend genug: "Spätestens im Herbst müssen wir was haben, dann ist unsere neue Eigenproduktion fertig – und die will ich in eigenen Räumen auf die Bühne bringen." Dietz betont, er suche kein neues Theater, sondern Räume, in die er ein Theater installieren könne. Die Zeit läuft ihm dabei so langsam davon. Wenn ihm auch die Stadt seine Spielstätten-Förderung verlängerte – weil er eben an verschiedenen Ersatz-Aufführungsorten weiterspielte und weil es das Theater eben schon 20 Jahre gibt. 1999 hatte in der Hans-Sachs-Straße alles angefangen.

Das neue Schuljahr in seinem "TheaterRaum München" beginnt ebenfalls im Herbst. Dietz hat auf seiner Website einen kleinen, feinen Aufruf formuliert, sucht neue Schauspielschüler. In der Hoffnung, dass bei einer der vielen Besichtigungen vorwiegend von Zwischennutzungsprojekten plötzlich alles passt und er eine neue künstlerische Heimat findet.

Lesen Sie hier: Theater ... und so fort sucht neue Bleibe

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