Protest gegen die Eier aus der Mogelpackung

Käfighaltung ist in Deutschland bereits verboten – und bald in der ganzen EU. Trotzdem finden sich in den Regalen noch Produkte, gegen die Tierschützer ins Feld ziehen.  
| Natalie Kettinger, Jasmin Menrad
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Sieht aus wie eine verbotene Legebatterie, heißt aber anders und ist deshalb halbwegs legal: Blick in die Hallen eines Betriebes, der Hühner in "Kleingruppen" hält.
Vier Pfoten Sieht aus wie eine verbotene Legebatterie, heißt aber anders und ist deshalb halbwegs legal: Blick in die Hallen eines Betriebes, der Hühner in "Kleingruppen" hält.

 Käfighaltung ist in Deutschland bereits verboten – und bald in der ganzen EU. Trotzdem finden sich in den Regalen noch Produkte, gegen die Tierschützer ins Feld ziehen

MÜNCHEN Kleingruppenhaltung? Das klingt irgendwie positiv, artgerecht, nach glücklichen Hühnern und nach Eiern, mit denen man guten Gewissens Weihnachtsplätzchen backen kann. Knapp daneben!

„Kleingruppenhaltung ist nur ein anderes Wort für Käfighaltung, und im Kleingedruckten auf der Rückseite des Eierkartons können Sie das auch nachlesen“, warnt Tierschützer Marcus Müller. Seit Dienstag protestieren er und seine Mitstreiter von „Vier Pfoten“ vor den Münchner Filialen von V-Markt und Feneberg. „Denn diese Supermärkte gehören zu den letzten, die noch Eier aus Kleingruppenhaltung anbieten“, sagt Müller.

Die konventionelle Käfighaltung in so genannten Legebatterien ist in Deutschland seit Ende 2008 verboten. Ab 2012 soll sie EU-weit untersagt werden. 550 Quadratzentimeter Platz – das entspricht etwa der Fläche eines Din A4-Blattes – sind zu wenig für ein Huhn, da sind sich die Gesetzgeber einig.

Einige Geflügelproduzenten haben deshalb auf die Kleingruppenhaltung umgestellt: Die Käfige sind größer, doch dafür leben in ihnen nicht mehr vier oder sechs, sondern bis zu 60 Hühner. „Das entspricht einem Din-A4-Blatt und einem Bierdeckel“, sagt Marcus Müller und schüttelt den Kopf. Denn die Probleme sind seiner Meinung nach dieselben geblieben: Um die Rangordnung festzulegen, hacken die Vögel aufeinander sin. Jeder Flatter-Versuch werde von den Gitterstäben gebremst und berge deshalb Verletzungsgefahr.

Dass die Gruppenhaltungs-Käfige mit Sitzstangen, Scharrflächen und Ruhezonen versehen werden müssen, lässt der Tierschützer nicht gelten. „Die Scharrflächen sind häufig völlig verkotet, das Sandbad wurde ganz vergessen, und zurückziehen sollen sich die gestressten Hühner hinter eine Art Plastikvorhang.“

Klein seien die Gruppen übrigens auch nicht, will der Tierschützer herausgefunden haben: In dem Betrieb, von dem Feneberg und V-Markt ihre Eier bezögen, würden 245000 Hühner in zwei Hallen gehalten.

Magenschmerzen beim Thema Kleingruppenhaltung hatten wohl auch die Richter am Bundesverfassungsgericht: Im Oktober 2010 erklärten die Juristen sie für verfassungswidrig. Allerdings dürfen Geflügelproduzenten ihre Tiere noch bis 31.März 2012 in dieser Form unterbringen – dann soll eine Neuregelung in Kraft treten.

Und was sagen die betroffenen Unternehmen zu den Vorwürfen der Tierschützer? V-Markt-Sprecher Sylvester Greiter: „Wir möchten unsere Kunden nicht bevormunden und überlassen ihnen die Entscheidung, welche Eier sie kaufen.“ V-Markt überprüfe jedoch regelmäßig die Haltungsbedingungen bei den liefernden Betrieben – und die seien besser als gesetzlich vorgeschrieben.

Bei Feneberg war für die AZ gestern niemand zu erreichen. Doch während die Tierschützer vor der Filiale in der Ganghoferstraße protestierten, verschwanden drinnen die Kartons mit Kleingruppen-Eier aus den Regalen. Für immer?

 

 

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