Pro Bahn warnt: U5 nach Freiham bedeutet Verzicht auf U-Bahn im Nordosten

Eigentlich will die Stadt schon lange die U5 nicht nur nach Pasing, sondern bis nach Freiham verlängern. Der Stadtrat sollte nun die Planungen dafür genehmigen. Doch die Entscheidung wurde vertagt. Was dahinter steckt. 
von  Christina Hertel
Im Münchner Westen wird die U5 verlängert – zuerst bis Pasing, später soll es weiter nach Freiham gehen. Hier ist die Baustelle für den neuen Bahnhof Am Knie zu sehen.
Im Münchner Westen wird die U5 verlängert – zuerst bis Pasing, später soll es weiter nach Freiham gehen. Hier ist die Baustelle für den neuen Bahnhof Am Knie zu sehen. © Daniel von Loeper

Im Münchner Westen läuft eine U-Bahn-Baustelle: Die U5 wird von Laim nach Pasing verlängert. Dort ist das Projekt noch nicht zu Ende. Der Plan der Stadt ist, die U5 bis ins Neubaugebiet Freiham zu führen. Anfang 2024 hat die Stadt mit dem Bau eines Vorhaltebauwerks in Freiham begonnen, aus dem später mal ein U-Bahnhof werden soll.

An diesem Dienstag sollte der Stadtrat beschließen, dass das Baureferat tiefer in die Planungen für die Strecke von Pasing nach Freiham einsteigen darf. Doch der Stadtrat vertagte den Beschluss in die nächste Vollversammlung.

Grüne und SPD haben bei dem Projekt noch Abstimmungsbedarf, heißt es. Zumindest die Grünen stellen die U-Bahn-Verlängerung aber nicht in Frage. "In Freiham werden künftig rund 25.000 Menschen leben – sie brauchen eine leistungsfähige und verlässliche ÖPNV-Anbindung", sagt Florian Schönemann von den Grünen. Die SPD äußerte sich auf eine AZ-Nachfrage hin nicht näher.

Der nächste Abschnitt könnte 1,57 Milliarden Euro kosten

Für die Stadt geht es bei der U5-Verlängerung um viel Geld. Alleine die Planung des nächsten Abschnitts könnte 41,9 Millionen Euro kosten. Für die Baukosten gibt es noch keine belastbaren Zahlen. Doch es ist wohl mit mindestens 1,57 Milliarden Euro zu rechnen. Wie viel die Stadt davon selbst tragen muss und wie viel gefördert wird, ist noch nicht klar.

Der erste Abschnitt bis Pasing soll rund 1,31 Milliarden Euro kosten. Zuletzt rechnete die Stadt mit einem Eigenanteil von 600 Millionen Euro. So geht es aus einer Antwort auf eine Anfrage der Linken hervor. Die gesamte Strecke wird die Stadt also wohl weit mehr als eine Milliarde kosten.

An diesem Dienstag sollte der Stadtrat beschließen, dass das Baureferat tiefer in die Planungen für die Strecke von Pasing nach Freiham einsteigen darf. Doch es wurde vertagt.
An diesem Dienstag sollte der Stadtrat beschließen, dass das Baureferat tiefer in die Planungen für die Strecke von Pasing nach Freiham einsteigen darf. Doch es wurde vertagt. © IMAGO/Richard Wareham (www.imago-images.de)

Gleichzeitig steckt München in einer Haushaltskrise – und hat noch viele ÖPNV-Projekte vor sich, wenn die Stadt es mit der Olympiabewerbung ernst meint. Das Olympiadorf, aus dem später mal ein Wohngebiet für bis zu 30.000 Menschen werden soll, soll mit der U4 angebunden werden. Und in der Innenstadt wird auch noch an der U9 geplant.

Muss München dann auf die U-Bahn im Osten verzichten?

Der Fahrgastverband Pro Bahn geht davon aus, dass eine Verlängerung der U5 im Westen und der U4 im Osten gleichzeitig nicht möglich ist. "Wenn man die U-Bahn nach Freiham jetzt fertig planen möchte, bedeutet das, auf die U-Bahn im Osten zu verzichten", teilt Pro-Bahn-Sprecher Andreas Frank mit. Die Erschließung des Olympischen Dorfes müsse dann durch eine Tram erfolgen.

Dafür haben sich erst vor Kurzem auch Grüne und die SPD offen gezeigt. Auch Die Linke befürwortet eine Tram – und zwar nicht nur Richtung Olympiadorf, sondern auch nach Freiham.  Weil der U-Bahn-Bau zu teuer sei und zu lange dauere, sagt Christian Schwarzenberger (Linke).

Gemeinsam betrachten und sinnvoll aufeinander abstimmen

Mit Blick auf Olympia spricht sich Grünen-Stadtrat Florian Schönemann dafür aus, die anstehenden Investitionen, ihre zeitliche Umsetzung und die Fördermöglichkeiten von Bund und Freistaat gemeinsam betrachten und sinnvoll aufeinander abstimmen. "Diese Priorisierung müssen wir aber nicht heute vorwegnehmen", meint er.

Den Grünen ist wichtig, dass zumindest die Planungen für die U5 weitergehen. Wenn diese fertig sind und die Regierung von Oberbayern den Planfeststellungsbeschluss erteilt hat, hat die Stadt immer noch zehn Jahre Zeit, mit dem Bau zu beginnen.

Beide Maßnahmen sind notwendig

Sebastian Kriesel

Festgelegt haben sich CSU und Volt. Beide wollen sowohl im Westen als auch im Nordosten eine U-Bahn. "Beide Maßnahmen sind notwendig", sagt Sebastian Kriesel. Es sei nun die Aufgabe der Verwaltung, einen Fahrplan zur Finanzierung und Umsetzung vorzulegen. Er hoffe sehr, die Vertagung nicht bedeutet, dass die Rathaus-Regierung das Projekt schieben oder kippen will.

Auch Alexandra Lang von Volt hält an den U-Bahn-Projekten fest. Sie fordert, dass das Rathaus den ÖPNV-Ausbau ganz oben auf die Prioritätenliste setzt und vom Sparkurs ausnimmt.  "Wir dürfen im Münchner Nordosten nicht sehenden Auges die gleichen Fehler machen wie in Freiham", sagt Lang. Weil dort die Anbindung zu schlecht sei, seien viele auf ein Auto angewiesen.

Der Fahrgastverband Pro Bahn fordert deshalb, Freiham schon jetzt besser anzubinden – und zwar durch Expressbusse. Schließlich werde bis zu einer Schienenanbindung noch weit über ein Jahrzehnt vergehen, schreibt der Verband.

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