Privatgeld für die Münchner Eisbachwelle? Unternehmer bietet 500.000 Euro

Eine halbe Million Euro Privatvermögen will Klinikchef Aljoscha Lubos in den Umbau der Eisbachwelle stecken – aber dann "kein Geld damit verdienen“. In der AZ erklärt er seinen Plan.
von  Irene Kleber
So hat das Surferspektakel am Eisbach im Englischen Garten noch vergangenen Sommer ausgesehen.
So hat das Surferspektakel am Eisbach im Englischen Garten noch vergangenen Sommer ausgesehen. © Peter Kneffel

Das Video, das der Münchner Klinikchef Aljoscha Lubos (34) vor einer Woche auf Instagram gepostet hat, ist schon zum Schmunzeln. Da sitzt eine ältere Dame im rehbraunen Nerz, Vintage-Seidentuch und Glockenhut an der noch immer kaputten Eisbachwelle, raucht eine Vogue-Zigarette und schimpft: "Ein Kreuz ist das. Wo sind sie denn, die netten Jungs mit den tollen Popos?"
Seit 50 Jahren lebe sie jetzt in dem wunderschönen München. "Und was haben sie gemacht? Die netten Surfer, die Strahlemannjungs mit so tollen Körpern. Weg! Fort! Wer denkt jetzt an uns Alte?"

"Denkt doch an unsere Seniorinnen und Senioren"

Dann folgt ein harter Bildschnitt, Auftritt Lubos, der am 8. März für die FDP in den Stadtrat gewählt werden will. "Keine Salamitaktik", sagt er da an OB Dieter Reiter (SPD) gerichtet. "Die Surfer haben es uns zwei Mal vorgemacht. Wir hatten Lösungen. Und Ihre Stadtverwaltung hat die Lösungen wieder kaputt gemacht. (...) Denkt doch an unsere Seniorinnen und Senioren."

Anzeige für den Anbieter Instagram Reel über den Consent-Anbieter verweigert

Privatvermögen für die Welle

Natürlich, das war ein PR-Spaß im Wahlkampf vor der Kommunalwahl. Aber jetzt geht Aljoscha Lubos mit einem Vorstoß an die Öffentlichkeit, den er ernst meint: Der Geschäftsführer der Lubos-Kliniken in Bogenhausen und Pasing will ein halbe Million Euro aus seinem Privatvermögen stiften, um die weltberühmte Surferwelle am Englischen Garten wiederherzustellen.

Die liegt nun schon drei Monate flach – seit der Bachauskehr im Oktober, bei der Arbeiter wohl zu viel Kies aus dem Bachbett geschaufelt haben. Inzwischen verhandelt OB Reiter mit der Interessengemeinschaft Surfen in München (IGSM) und dem Surf Club München, wie es weiter gehen soll. Aber es zieht sich.

Aljoscha Lubos (34) ist Chef der Lubos-Kliniken in München und kandidiert als FDP-Mann für den Stadtrat.
Aljoscha Lubos (34) ist Chef der Lubos-Kliniken in München und kandidiert als FDP-Mann für den Stadtrat. © Lubos Kliniken München

250.000 Euro für den Einbau

Aljoscha Lubos sei bereit, mit rund 250.000 Euro einen Einbau zu finanzieren, der die kaputte Welle wiederherstellt und der Surferinnen und Surfern künftig Sicherheit bietet. Darüber hatte zuerst die "Bild" berichtet.

Der AZ erklärt der Unternehmer nun Details seines Plans: "Ich habe mit einem Fachmann gesprochen", sagt er. "Es müssen die Betonblöcke im Bachbett mit Edelstahlplatten verkleidet werden, damit es keine scharfen Kanten oder Spalten mehr geben kann, an denen man sich verletzen kann. Es braucht ein Auffangnetz für die Surfboards, damit auf Leashes verzichtet werden kann, die sich verhängen könnten."

Rettungsschwimmer im Schicht-System

Auch ein beheiztes Schwimmwärterhäuschen, ein Defibrillator, ein Notfallknopf und eine Nacht-Kamera schweben dem Unternehmer für ein Sicherheitskonzept vor. Und "fünf bis sechs Rettungsschwimmer im Drei-Schicht-System, sieben Tage die Woche von 5.30 bis 22 Uhr". Das Personal, meint er, "sollte mit rund 20.000 Euro im Monat finanzierbar sein."

Seit der Bachauskehr im vergangenen Oktober baut sich am Eisbach die Welle für Surferinnen und Surfer nicht mehr auf.
Seit der Bachauskehr im vergangenen Oktober baut sich am Eisbach die Welle für Surferinnen und Surfer nicht mehr auf. © Peter Kneffel

Pächter der Eisbachwelle

Seine Idee: Er würde als Pächter der Eisbachwelle auftreten und dazu Verträge mit der Stadt und der Verwaltung des Englischen Gartens machen. "Ich würde als Initialzünder eine Betreibergesellschaft gründen, in der ich gerne Surfer im Boot hätte." Die Gesellschaft würde dann eine Haftpflichtversicherung für die Nutzer der Welle abschließen.

Lubos: "Ich will damit kein Geld verdienen"

Wie lange er das alles aus eigener Tasche finanzieren würde? Und welche Rendite er sich verspricht? Lubos sagt: "Mein Ziel ist, das initial anzuschieben und zwei Jahre zu finanzieren." Inklusive Personalkosten wären das rund eine halbe Million Euro. "Und ich will damit kein Geld verdienen, ich verdiene genug in meinem Unternehmen. Ich brauche das nicht."

FDP-Spaß-Wahlkampf an der kaputten Eisbachwelle: Hier dreht Stadtratskandidat Aljoscha Lubos (M.) mit älteren Damen ein Video für Instagram: "Wir sind alt. Aber nicht blind." Jetzt will der Münchner Klinikunternehmer eine halbe Million Euro Privatvermögen in die Wiederherstellung der Welle stecken.
FDP-Spaß-Wahlkampf an der kaputten Eisbachwelle: Hier dreht Stadtratskandidat Aljoscha Lubos (M.) mit älteren Damen ein Video für Instagram: "Wir sind alt. Aber nicht blind." Jetzt will der Münchner Klinikunternehmer eine halbe Million Euro Privatvermögen in die Wiederherstellung der Welle stecken. © Aljoscha Lubos

Sponsoring, Souvenirs und Surfer-Gastro?

Die Eisbachwelle soll sich nach seinen Plänen langfristig selbst tragen. Mit einem möglichen Sponsor habe er schon gesprochen („"vielleicht möchte jemand da Werbung aufstellen"). Er könne sich auch vorstellen, die Welle touristisch zu vermarkten. "Mit dem Verkauf von Souvenirs etwa. Ich könnte mir auch eine kleine Gastro für die Surfer vorstellen, die Geld für den laufenden Betrieb einbringen könnte."
Soll die Welle für Surfer künftig womöglich Eintritt kosten? "Nein", sagt Lubos, "das lehne ich ab."

Martin Grün, der Präsident des Surf Clubs München: "Uns ist wichtig, dass es für Surfer jederzeit einen freien und kostenlosen Zugang zur Eisbachwelle gibt. Und dass die über Jahrzehnte gewachsene Surferkultur erhalten bleibt."
Martin Grün, der Präsident des Surf Clubs München: "Uns ist wichtig, dass es für Surfer jederzeit einen freien und kostenlosen Zugang zur Eisbachwelle gibt. Und dass die über Jahrzehnte gewachsene Surferkultur erhalten bleibt." © Ben Sagmeister

Surfer wollen "freien und kostenlosen Zugang"

Für Dienstagabend (20.1.) plante Lubos eine Besprechung mit drei Mitgliedern des Surf Clubs München. "Uns ist wichtig, dass es für Surfer jederzeit einen freien und kostenlosen Zugang zur Eisbachwelle gibt", sagte Club-Präsident Martin Grün vor dem Treffen zur AZ. "Und dass die über Jahrzehnte gewachsene Surferkultur erhalten bleibt. Der Charme besteht darin, dass es keine Bademeister und keine Zugangskontrollen gibt."

Braucht es ein Check-in-System?

Das könnte für einige Debatten sorgen. Denn damit die Welle versicherbar ist, werde es möglicherweise eine Art Check-in-System brauchen. "Ich denke, dass Surfer, die auf die Welle gehen, sich etwa über eine App mit Namen registrieren müssten. Und versichern, dass sie die Regeln beachten", sagt der Unternehmer. Dass es Surfer geben wird, die derlei Regelwerk unschön finden, wisse er. "Ich bin aber sicher, nach dem Unfalltod der Surferin letztes Jahr wird es entweder keine Welle mehr geben. Oder eine sichere. Also sollten wir eine sichere Welle bauen."

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