Pride-Week in Kiew: Eine Reise, die großen Mut erfordert

Eine Delegation aus München unterstützt die Homosexuellen in Kiew. Sie muss sich schützen.
| Willi Bock
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Das Bild entstand am 14. Mai: In Kiew protestieren mehrere Hundert Menschen gegen den Umzug der Schwulen und Lesben und rufen homosexuellenfeindliche Parolen.
Das Bild entstand am 14. Mai: In Kiew protestieren mehrere Hundert Menschen gegen den Umzug der Schwulen und Lesben und rufen homosexuellenfeindliche Parolen.

München/Kiew - München feiern jedes Jahr Tausende rund ums Rathaus den Christopher Street Day. OB Christian Ude steht an der Spitze der Bewegung, und sogar die CSU ist beim bunten Fest der Lesben, Schwulen und Transgender inzwischen dabei. In der Münchner Partnerstadt Kiew dagegen müssen Homosexuelle um Leib und Leben bangen.

Unter großen Sicherheitsbedingungen fährt diese Woche eine 20-köpfige Delegation aus München aus Solidarität in die Ukraine zur „Pride Week“. „Pride Week“ – das hört sich nach Spaß und Stolz an. Gestern hat sie begonnen, und sie soll eine Woche dauern.

Für Samstag ist ein „March of Equality“ geplant. Doch für die Homosexuellen in der Ukraine ist es sehr gefährlich. Voriges Jahr wollten sie zum ersten Mal einen kleinen Umzug wagen. Doch der wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt. „Über 3000 Rechtsradikale wollen den March of Equality mit Gewalt verhindern“, weiß Conrad Breyer aus Interneteinträgen. Er organisiert die Solidaritätsreise der Münchner.

Das Parlament in der Ukraine stimmt sogar ernsthaft darüber ab, allein Informationen über Homosexualität unter Strafe zu stellen. Da sind die Bilder aus dem vorigen Jahr wieder präsent: Als Homosexuelle auf dem Weg zum Umzug getreten und mit Pfefferspray attackiert wurden. „Die sind so mutig, deshalb fahre ich dieses Jahr wieder dahin“, sagt Stadträtin Lydia Dietrich (Grüne).

Die Delegation wird von ihr, Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) und Stadtrat Reinhard Bauer (SPD) angeführt.

Die Reise wurde mit Amnesty International und der Münchner Polizei intensiv vorbereitet – denn die Teilnehmer müssen sich schützen. Dietrich: „Auf zwei Din-A4- Seiten steht, was wir beachten und mitnehmen müssen.“

Dazu gehören: Keine synthetische Wäsche tragen: Die brennt zu schnell. Augenschutz, Atemmasken und Essigwasser samt einem Lappen – um sich gegen Angriffe mit CS-Gas oder Pfefferspray zu schützen und das Gas abwischen zu können. Zwei T-Shirts tragen, um das mit Gas kontaminierte ausziehen zu können. Feste Schuhe: um schneller laufen zu können. Den Rucksack nicht auf dem Rücken tragen – um nicht umgerissen zu werden. Nicht Händchen haltend gehen, um niemanden zu provozieren. Nicht mit Polizisten anlegen oder mit Gegendemonstranten diskutieren. Nie den Gegnern den Rücken zukehren. Bei Angriffen sofort einen Kreis bilden. Nie allein gehen. Nur an Plätzen aufhalten, wo viele Menschen sind. Bei Angriffen in ein Geschäft flüchten.

„In Kiew herrscht eine aggressive Stimmung, das ist sehr heftig“, sagt Lydia Dietrich. Seit dem ersten Besuch im vorigen Jahr gibt es einen intensiven Kontakt zwischen den Communities in Kiew und München. Dietrich: „Eine Städtepartnerschaft ist nicht nur Trallala. Und es geht hier nicht um Sonderrechte für Homosexuelle, sondern um Menschenrechte. Unsere Unterstützung ist für die Menschen in Kiew sehr wichtig.“ Deshalb fährt sie hin, auch wenn ihr etwas mulmig zumute ist.

 

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