Polizist kniet minutenlang auf Mann: Bodycam-Video aus München sorgt für Aufsehen

Handelt es sich um Polizeigewalt? Ein Video, das einen Einsatz einer Bundespolizeistreife am Isartor zeigt, erinnert an den tödlichen Polizeieinsatz gegen George Floyd. Die Staatsanwaltschaft prüft das Video.
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Das Bodycam-Video wird derzeit von der Staatsanwaltschaft München geprüft. (Symbolbild)
Das Bodycam-Video wird derzeit von der Staatsanwaltschaft München geprüft. (Symbolbild) © Sebastian Gollnow/dpa

München - Der Einsatz einer Bundespolizeistreife vom Februar 2020 im S-Bahnhof Isartor beschäftigt die Münchner Staatsanwaltschaft – angeklagt ist bisher allerdings nur der Mann, auf dessen Halsregion einer der Polizisten minutenlang gekniet hatte.

"Focus Online" veröffentlichte am Montag ein Video des Einsatzes. Darin ist zu sehen, wie ein Polizist auf der Kopf- und Halsregion eines mehrfach um Hilfe rufenden Mannes kniet – minutenlang.

Polizist kniet auf Halsbereich von Mann

Dem "Focus"-Bericht zufolge war der 53-Jährige bei einer Fahrkartenkontrolle ins Visier von Kontrolleuren geraten, obwohl er eine gültige Fahrkarte gehabt habe. Weil er sich auch deswegen nicht ausweisen wollte, riefen die Sicherheitsmitarbeiter die Polizei. Im Zuge des Einsatzes kam es dann zu den besagten Szenen. "Ich konnte mich nicht mehr bewegen und mir wurde schlecht. Ein Mann kniete auf meinem Hals. Ich hatte wirklich Todesangst", zitiert das Portal den 53-Jährigen.

Gegen ihn läuft seitdem ein Ermittlungsverfahren, im Sommer muss er sich vor Gericht verantworten. "Die Bundespolizei hat den Vorgang bei der Staatsanwaltschaft München I angezeigt. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben", teilte ein Bundespolizeisprecher auf AZ-Anfrage mit.

Zu dem Verhalten des Beamten wollte sich der Sprecher gegenüber der AZ nicht äußern, "da es sich um ein laufendes Strafverfahren handelt. Festzuhalten ist lediglich an dieser Stelle, dass der Staatsanwaltschaft die ermittelten Beweismittel vorliegen - so auch die Aufzeichnungen durch die im Einsatz aktivierte Bodycam."

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Die Sprecherin der Münchner Staatsanwaltschaft, Anne Leiding ,sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Das Vorgehen von der Polizei wird von uns überprüft." Es handle sich um Vorermittlungen, um zu klären, ob ein Verfahren eingeleitet wird.

Das Video erinnert auf den ersten Blick - auch wenn die Folgen nicht zu vergleichen sind - an den tödlichen Polizeieinsatz gegen George Floyd in den USA, der eine Welle des Entsetzens und große Proteste ausgelöst hatte.

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Floyd war am 25. Mai vergangenen Jahres in Minneapolis bei einem brutalen Polizeieinsatz getötet worden. Beamte nahmen den 46-Jährigen fest, weil er eine Schachtel Zigaretten mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt haben soll. Videos von Passanten dokumentierten, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drückten. Ein Polizist presste dabei sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals, während dieser immer wieder flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor das Bewusstsein und starb wenig später. Der Polizist wurde zu 22 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

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