Politik-Aus: Hans-Peter Uhl hört auf

Als KVR-Chef wollte er Techno verbieten – und schob den jugendlichen Schläger Mehmet ab. Hans-Peter Uhl hört jetzt mit der Politik auf.
| Felix Müller
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Der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl (CSU) in Berlin – und im Mittelpunkt des Interesses. Beides ist bald vorbei.
Bernd Settnik/dpa Der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl (CSU) in Berlin – und im Mittelpunkt des Interesses. Beides ist bald vorbei.

Hans-Peter Uhl ist noch der Alte. Der Anzug sitzt perfekt, im Umgang ist er sehr, sehr höflich und korrekt. Und: Der CSU’ler ist, wie eh und je, politisch knallhart.

Uhl ist gerade 73 geworden. Er empfängt in seiner Kanzlei in der Nymphenburger Straße. Hier wird er weiter arbeiten. Was er nicht mehr machen will, ist große Politik. Uhl, von 1987 bis 1998 KVR-Chef und 1999 kurz auch mal OB-Kandidat, hört mit der Politik auf. In ein paar Wochen macht er Schluss als Bundestagsabgeordneter.

Doch Uhl brennt. Wie einst, als er als KVR-Chef Nachfolger von Peter Gauweiler wurde. Provokation gehörte immer zu seinen politischen Stilmitteln. Mal titelten die Zeitungen "Uhl will Techno verbieten“, mal wollte er in der Obdachlosen-Szene aufräumen. Bundesweit bekannt wurde Uhl in der Debatte um Serienstraftäter Mehmet, der mit gerade einmal 14 Jahren in die Türkei abgeschoben wurde.

Wenn man Uhl heute auf den Fall anspricht, ist keine Altersmilde bei dem höflichen Herren herauszuhören. Eher die Selbstgewissheit, gegen alle Widerstände recht gehabt zu haben. Uhl ist wichtig, zu betonen, dass er auch gegen Mehmets Eltern Ausweisungsbescheide erlassen hat (die vor Gericht keinen Bestand hatten). "Heute verstehen meine Position mehr Menschen als damals“, sagt Uhl.

Gegner hatte Uhl immer - allen voran Christian Ude

So wie seine Kritik an Merkels offenen Grenzen 2015. Heute kenne er niemanden mehr, der ihm da widerspreche. Das ist eine beachtliche These, denn mit Widerspruch hatte Uhl immer zu tun. Gerade in München – unter OB Christian Ude, der 1987 selbst in einer Wahl zum KVR-Chef gegen Uhl verlor. Ruft man den Alt-OB in diesen Tagen an und fragt, welche Errungenschaften Uhl als KVR-Chef hinterlassen habe, schweigt der sonst so redselige Ude sehr, sehr lange ins Telefon. "Eigentlich“, sagt Ude schließlich, "hat er nichts vorgeschlagen, was innovativ gewesen wäre. Er hat einfach Konflikte hochgespielt und damit oft einen Nerv getroffen.“

Als Ude OB wurde, habe der wohl gedacht, jetzt der Chef zu sein, sagt Uhl (was, rein formal gesehen, ein OB für einen Kreisverwaltungsreferenten ja nunmal auch ist). Er selbst habe das aber anders gesehen, sagt Uhl vergnügt. "Mein Chef ist der Innenminister. Und zur Not wurde der Oberbürgermeister dann halt von da angewiesen...“

Dass Uhl – wie Vorgänger Gauweiler – als harter Hund gegenüber Homsexuellen galt, mag er nicht verstehen. "Ich will nur keine Sonderrechte für Schwule“, sagt Uhl, der, na klar, neulich im Bundestag gegen die Ehe für alle gestimmt hat. "Und ich finde es nicht gut, wenn man seine sexuelle Neigung auf die Straße trägt. Da bin ich bürgerlich, das muss nicht sein.“

Uhl erinnert sich für seine KVR-Zeit vor allem an andere Themen, ist immer noch stolz darauf, die Park+Ride GmbH gegründet zu haben – und auf die Integrierte Rettungsleitstelle, mit der der gemeinsame Notruf 112 eingeführt werden konnte. "Ich habe gesagt: Nüchtern oder betrunken, Deutscher oder Ausländer: Die Notrufnummer 112 kann sich jeder merken.“

CSU-Bürgermeister Josef Schmid würdigt Uhl zum Abschied als jemanden, der immer die Notwendigkeiten der Zeit erkannt hat: "Er hat die ganze Bandbreite der CSU verkörpert. Er galt als Hardliner in der Kriminalitätsbekämpfung, hat aber auch Tempo 30 eingeführt, war kulturbeflissen.“

Und was macht Uhl in Zukunft? Er sagt, er habe nun Zeit, Golf zu spielen. Ob Uhl, der harte Hund aus Leidenschaft, sich wirklich nicht mehr öffentlich einmischt, wenn es ihn unter den Nägeln brennt? Das kann man glauben. Muss man aber nicht.

Lesen Sie auch: Parknot in Schwabing - Udes vergessene Lücke

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