Pinkeln beim Wirt: Die "Nette Toilette" ist gescheitert

Gastronomen bieten ein stilles Örtchen für alle gegen einen städtischen Obolus – klingt nett, funktioniert aber nicht.
| Florian Zick
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Die Toilette im Lenbachpalais: Sieht doch recht schick aus für ein stilles Örtchen.
imago/Stefan M Prager Die Toilette im Lenbachpalais: Sieht doch recht schick aus für ein stilles Örtchen.

München - Mitunter ist es schwer zu glauben, aber der gemeine Politiker ist auch nur ein ganz normaler Mensch. Er muss schlafen wie jeder andere, er muss essen, er muss trinken – und, davon darf man ausgehen: Er muss auch mal auf die Toilette.

Diesem Umstand dürfte es mit geschuldet sein, dass sich der Stadtrat heute zum wiederholten Mal mit dem menschlichsten aller Bedürfnisse beschäftigt. Dieses Mal geht es um das Prinzip "Nette Toilette".

Eigentlich ist die Idee ganz einfach: Wirte öffnen ihre WCs auch für Leute, die nicht zu ihren Gästen zählen. Sie bieten Passanten, denen es pressiert, eine Möglichkeit zur Notdurft an. Dafür kassieren sie von der Stadt einen kleinen Obolus.

Im Rathaus hält man das für eine gute Lösung. Die Stadt könnte sich damit nämlich ganz einfach ein unleidiges Thema vom Hals schaffen: Öffentliche Toiletten sind vergleichsweise teuer im Unterhalt. Und in den Restaurants und Bars müssen die sanitären Anlagen ohnehin regelmäßig gereinigt werden. Bevor man also überall selbst öffentliche WC-Häusl aufmacht, warum diesen Geschäftsbereich nicht einfach auslagern?

Vor allem in Randbezirken wird's schwierig

Ganz so einfach ist die Sache aber nicht. Zwar hat Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) bereits Ende 2015 alle Bezirksausschüsse angeschrieben. Doch die Stadtviertelpolitiker hatten nur wenig Lust, sich zu den Klo-Beauftragten der Stadt machen zu lassen. Der Rücklauf war mäßig.

Vor allem in den Randbezirken war es schwierig, Kooperationspartner zu finden. In Allach oder Kirchtrudering sind die Gaststätten eben nicht so dicht gereiht wie etwa in der Altstadt oder im Glockenbachviertel. Am Stadtrand hätte man mitunter wohl tatsächlich den ganzen Stadtbezirk abklappern müssen, um am Ende irgendwo einen Wirt zu finden, der sich einen Aufkleber mit "nette Toilette" an die Eingangstür pappen lässt.

Nun wird es also voraussichtlich erst einmal nichts mit Münchens flächendeckender Toiletten-Versorgung. Die Bezirksausschüsse halten sich nicht für zuständig und bei der Stadtverwaltung beruft man sich auf Personalmangel – und das, obwohl mit Wirtschaftsreferent Josef Schmid (CSU), Baureferentin Rosemarie Hingerl (parteilos) und Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) nominell gleich drei Stadtminister für Münchens Bedürfnisanstalten zuständig sind.

Im Stadtrat will man das Thema deshalb auch nicht einfach auf sich beruhen lassen. Zumindest für die Innenstadt müsse man ein Netz mit "netten Toiletten" aufbauen können, sagt CSU-Vize Hans Podiuk. Mindestens 15 Restaurants oder Bars, die mitmachen, müssten es innerhalb des Altstadtrings aber schon sein, sagt er, sonst habe das Ganze keinen Sinn.

München und seine Toiletten – noch ist das letzte Wörtchen nicht gesprochen.

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