Pflege in München: SPD fordert Reform gegen den Notstand

In München müssen Pflegebedürftige oft 2.400 Euro pro Monat selbst zahlen. Aus dem Rathaus kommt deshalb jetzt eine Wunschliste an den Bund.
| Emily Engels
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Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD).
M. Hangen Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD).

München - Ein ganzes Leben lang hart gearbeitet — und dann reicht die Rente noch nicht einmal für einen Pflegeplatz. Denn im teuren München kostet auch der viel Geld, längst nicht alles zahlt die Pflegeversicherung. In München lag der Eigenanteil, den Pflegebedürftige selbst zahlen mussten, Ende 2018 laut dem städtischen "Marktbericht Pflege" bei rund 2.400 Euro. Für Pflege, Unterkunft und Verpflegung.

Das kann einen gefährlichen Effekt haben, warnt Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD): "Viele Menschen bleiben in ambulanter Pflege — weil sie sich eine stationäre Unterbringung schlichtweg nicht leisten können." Das wiederum überfordere oft Angehörige. Verena Dietl (SPD), dritte Bürgermeisterin, ergänzt: "Pflege darf nicht zum Armutsrisiko werden!"

Forderung: Mehr Kurzzeit-Pflegeplätze

Schiwy fordert deshalb gemeinsam mit Dietl (SPD) in einer Wunschliste an den Bund: In München müssen die Eigenanteile gesenkt werden. Mittelfristig soll zu einer Pflegevollversicherung gewechselt werden, bei der die Eigenbeteiligung gedeckelt wird.

Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD).
Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD). © M. Hangen

Das muss künftig auch für medizinische Leistungen gelten, die in den stationären Pflegeheimen durchgeführt werden, fordert Dietl. Denn aktuell werden die Leistungen meist nicht von den Krankenkassen übernommen.

Ein weiteres Riesen-Problem prangert Dorothee Schiwy an: den Mangel an Kurzzeit-Pflegeplätzen. In München gibt es aktuell nur 80 dieser Pflegeplätze. Ohnehin schon zu wenig, klagt Schiwy.

Doch in der Praxis sind es noch viel weniger. Da diese Plätze meist belegt sind — von Langzeit-Pflegebedürftigen. Denn ein Kurzzeit-Pflegeplatz rechne sich für Altenheime nicht wirklich. "In vielen Fällen gleichen Städte und Landkreise schon jetzt Defizite aus", erklärt Schiwy. Deshalb fordert sie einen Wechsel hin zu einem rein von Staat und Kommunen organisierten und von Steuern finanzierten Pflegesystem. Bisher konkurrieren alle privaten sowie kommunalen Träger auf einem Pflegemarkt.

Sozialreferentin will gleiches Gehalt für Alten- und Krankenpfleger

Doch es fehlt nicht nur an Kurzzeit-Pflegeplätzen. Es fehlt auch an Fachkräften. Hier dürfte sich die Situation in Zukunft noch verschärfen. Denn heuer wurde die "Generalisierte Pflegeausbildung" eingeführt. Heißt: Ab sofort gibt es für Alten- und Krankenpfleger dieselbe Ausbildung.

Da Pfleger in Krankenhäusern jedoch meist mehr verdienen als in Altenheimen, bestehe jetzt die Gefahr, dass immer mehr Fachkräfte sich nach der Ausbildung für die Arbeit im Krankenhaus entscheiden.

Schiwy fordert deshalb, dass Altenpfleger künftig genauso viel verdienen müssen wie Krankenpfleger. Die Sozialreferentin erklärt: "Eine Bezahlung, die die Leistung dauerhaft und angemessen anerkennt, ist genauso wichtig wie eine bessere personelle Ausstattung an sich." Denn dann könne Pflegekräften in Zukunft besser als bisher ermöglicht werden, sich ausreichend zu erholen und ihren Beruf besser mit einer eigenen Familie vereinbaren zu können.

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