Perfekter Abend endet mit Weißbier an der Isar

Hier erzählen Leute von ihrem Wochenende: Heute ist das Stefan Dettl, Frontmann von LaBrassBanda. Er mag Bars, in denen es erst richtig los geht, wenn andere zumachen  
| Stefan Dettl, Protokoll: Thierry Backes
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Wenn es den Sänger abends Richtung Fraunhofer Schoppenstube verschlägt – dann darf’s vorher oder nachher gern noch eine Currywurst vom Bergwolf sein.
Thierry Backes Wenn es den Sänger abends Richtung Fraunhofer Schoppenstube verschlägt – dann darf’s vorher oder nachher gern noch eine Currywurst vom Bergwolf sein.

Hier erzählen Leute von ihrem Wochenende: Heute ist das Stefan Dettl, Frontmann von LaBrassBanda. Er mag Bars, in denen es erst richtig los geht, wenn andere zumachen

An den Wochenenden spiele ich oft Konzerte, umso mehr freue ich mich, wenn ich mal zuhause bin in Truchtlaching, einem Dorf nördlich vom Chiemsee. Ich schlafe gerne lange, stehe irgendwann zwischen zehn und zwölf Uhr auf und gehe dann erst mal zum Schwimmen an die Alz. Die ist eigentlich zu kalt dafür, wenn ich also zuerst einen Kaffee trinke, traue ich mich nicht mehr rein.

Bei gutem Wetter packe ich am Nachmittag ein paar Freunde ein und fahre sie mit meinem Siebziger-Jahre-Feuerwehrauto zu einem Biergarten in der Nähe, und da gilt bei uns die Faustregel: Je kleiner die Ortschaft, desto besser der Biergarten. In München mag ich den Biergarten an der Muffathalle und den Hofbräukeller am Wiener Platz am liebsten, gerade letzterer ist unheimlich idyllisch gelegen. Als ich noch studierte, haben die Wirte dort immer wieder super Aktionen gestartet und die Maß Bier für 3Euro verkauft. Die haben wir dann zwischen zwei Vorlesungen geext, danach war alles entspannt.

Ich habe damals noch direkt am Gasteig gewohnt, morgens war ich oft an der Isar joggen. Die Strecke bis zum Friedensengel ist wunderschön, da fühlst du dich, als wärest du gar nicht in einer Großstadt. Hier spaziere ich auch heute noch gerne entlang. Wenn ich in München bin, gehe ich am Sonntagmorgen ab und an zum Weißwurstfrühstück ins Hofbräuhaus – ja, wirklich. In meiner Studienzeit habe ich in der Kapelle dort gespielt und freue mich immer, die ehemaligen Kollegen zu sehen. Ich mag auch die Mischung aus bayerischer Einrichtung und internationalen Gästen und sage immer: Im Hofbräuhaus läuft in zehn Sekunden die ganze Welt vorbei. Ist doch toll, oder?

Abends zieht es mich oft nach Schwabing, ins Vereinsheim oder ins Lustspielhaus in der Occamstraße. Man kann hier einfach blind eine Karte kaufen für einen etablierten Künstler oder für irgendeinen Kabarett-Newcomer und wird nie enttäuscht. Auf einen Absacker ging es früher oft in die (alte) Schwabinger Sieben. Hier konnte es dir passieren, dass auf der einen Seite ein Indianer neben dir sitzt und auf der anderen der Vorstandsvorsitzende eines Dax-Unternehmens.

Das ist es, was ich mag an diesen Bars, in denen es erst so richtig losgeht, wenn die anderen zumachen, zum Beispiel die Fraunhofer Schoppenstube in der Fraunhoferstraße oder das Johannis Café am Johannisplatz: Du kommst mit einem Typen ins Gespräch, es geht vom Hundertsten ins Tausendste und mit jedem Bier wird es philosophischer.

Habe ich Lust auf Musik, sind die Glockenbachwerkstatt in der Blumenstraße oder das Import/Export in der Goethestraße eine gute Adresse, um sich eine Balkanband anzuschauen oder eine total skurrile palästinensische HipHop-Crew. Aber egal, was auch ich davor mache: Ein perfekter Abend endet immer an der Isar, bei einem Weißbier vom Kiosk an der Reichenbachbrücke und einem Sonnenaufgang. Schöner kann ein Tag in München nicht beginnen

 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren