Partytram-Angebot der MVG nach Vergewaltigung: Chef wusste nicht davon

Ein Mitarbeiter der MVG bietet einer jungen Frau eine kostenlose Fahrt in der Partytram an – und das, nachdem sie in einer U-Bahn vergewaltigt wurde. Jetzt stellt MVG-Chef Ingo Wortmann klar, dass er nichts von der skandalösen Einladung wusste.
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Ingo Wortmann
imago/AZ Ingo Wortmann

München - Ein Aufschrei ging durch München als bekannt wurde, dass die MVG einem jungen Vergewaltigungsopfer als Entschuldigung eine kostenlose Sonderfahrt in einer Partytram angeboten hat. Ein Aufschrei, weil sich die Tat ebenfalls in einem öffentlichen Verkehrsmittel in München ereignet hat. Im Juni dieses Jahres wurde die damals 18-Jährige von einem U-Bahnfahrer in der U-Bahn missbraucht.

MVG-Chef: Mitarbeiter hätte "angemessener reagieren müssen"

Jetzt hat sich MVG-Chef Ingo Wortmann zum Angebot seines Unternehmens geäußert – wie er selbst sagt, wusste er erst überhaupt nichts davon: Erst, als ihn sein Pressesprecher wegen der Medienfragen informiert hat, habe er davon erfahren, sagt Wortmann im Interview mit der "Bild". Auch an Kritik spart der MVG-Chef nicht: "Als Mensch war ich tief entsetzt. Persönlich halte ich das Angebot für sehr unangemessen. Ich möchte mich nochmals herzlichst entschuldigen, dass von unserer Seite ein solches Angebot gemacht wurde."

Der Mitarbeiter arbeitet mittlerweile nicht mehr bei der MVG, der Unternehmenswechsel steht nach nach Aussagen der MVG aber in keinerlei Zusammenhang mit dem Angebot. Wortmann zufolge hätte er "angemessener reagieren müssen".

Grüne wollen Beschwerdestelle

Die Rathaus-Grünen beantragen eine neutrale Beschwerdestelle für Mitarbeiter und Kunden der städtischen Eigenbetriebe – ähnlich der, die es bereits für die Stadt selbst gibt. Außerdem sollen die Konzepte zum Umgang mit Sexismus und Diskriminierung um das Thema "sexuelle Gewalt" erweitert werden.

Stadträtin Anja Berger dazu: "Diese Reaktion der MVG entspricht keinesfalls einem sensiblen und angemessenem Umgang mit Opfern sexuellen Missbrauchs. Die Erfahrung sexueller Gewalt führt oftmals zu jahrelanger oder lebenslanger psychischer Beeinträchtigung und zur Traumatisierung derer, die sie erfahren haben. Wir brauchen einen angemessenen und sensiblen Umgang mit dem Thema – und vor allem mit den Opfern. Dringend nötig wäre eine neutrale Beschwerdestelle, um Frauen, falls nötig, eine Anlaufstelle zu bieten."

U-Bahnfahrer zu Haftstrafe verurteilt

Der U-Bahnfahrer, der die mittlerweile 19-Jährige vergewaltigt hat, wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Daneben zahlt er 5.000 Euro Schmerzensgeld.

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