München: Nach Vergewaltigung in U-Bahn - MVG bietet Opfer Partyfahrt an

Im Juni dieses Jahres hat ein U-Bahnfahrer eine junge Münchnerin in einem Waggon vergewaltigt. Nach dem Vorfall machte die MVG der jungen Frau ein fragwürdiges Angebot. Konkret ging es um eine Sonderfahrt mit der Straßenbahn – auch bekannt als Münchner Partytram.
| AZ/ms
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Im Juni dieses Jahres hat ein U-Bahnfahrer eine damals 18-jährige Münchnerin in einem Waggon vergewaltigt. Nach dem Vorfall machte die MVG der jungen Frau ein pietätloses Angebot - nun hat sie sich dafür entschuldigt.

München - Die MVG hat sich für ihr fragwürdiges Angebot an eine junge Frau, welche im im Juni diesen Jahres von einem U-Bahn-Fahrer in der Wendeschleife hinter dem U-Bahnhof Großhadern vergewaltigt wurde, entschuldigt. Der jungen Frau wurde zuvor eine kostenlose Fahrt in einer Partytram angeboten. 

"Weil es viele von euch empört hat, möchten wir folgendes zur heutigen Berichterstattung über den Vergewaltigungsfall sagen: Wir bedauern zutiefst, dass wir die Gefühle der jungen Frau verletzt haben", ließ die MVG auf Facebook verlauten. "Dafür möchten wir uns entschuldigen. Es war unangemessen von dem Mitarbeiter, hier eine Sonderfahrt anzubieten", heißt es weiter.

Anzeige für den Anbieter Facebook Beitrag über den Consent-Anbieter verweigert

Als die junge Frau nicht auf das Angebot einging, soll sich der entsprechende Mitarbeiter nochmals per SMS erkundigt haben. Mittlerweile arbeitet der Mitarbeiter nicht mehr bei der MVG. Auf AZ-Nachfrage teilte Korte mit, dass der Unternehmenswechsel aber in keinerlei Zusammenhang mit dem Sonderfahrt-Angebot stehe. Die MVG hat sich mittlerweile für das Vorgehen des Mitarbeiters entschuldigt.

In einem Statement wies die MVG allerdings darauf hin, dass es sich dabei keineswegs um eine "Entschädigung" oder "Wiedergutmachung" handeln sollte, sondern "schlichtweg um ein Zeichen unserer Anteilnahme und Unterstützung". Demnach hätte die Münchnerin die Sonderfahrt frei nach ihren Wünschen gestalten können – "es handelte sich um einen gut gemeinten Vorschlag", so Korte.

Vergewaltigung in U-Bahn: Täter wandert hinter Gitter

Der 58-jährige U-Bahn-Fahrer stand am Mittwoch vor Gericht und wurde zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Die Tat hat sich in der Wendeschleife hinter dem U-Bahnhof Großhadern ereignet. Die zum Zeitpunkt der Tat 18-Jährige war betrunken und eingeschlafen, weshalb sie die Endhaltestelle verpasste und nicht ausstieg. Als der U-Bahnfahrer den Zug weiterfahren musste, habe der aus dem Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm stammende Mann von der jungen Frau abgelassen.

Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehl gegen U-Bahnfahrer

Der U-Bahnfahrer war nach der Tat drei Wochen nicht im Dienst. Als er dann wieder in der Arbeit erschien, wartete schon die Polizei auf ihn. Der 58-jährige wurde festgenommen und wegen Vergewaltigung einer Widerstandsunfähigen und unterlassener Hilfeleistung angezeigt. Die Staatsanwaltschaft beantragte einen Haftbefehl, doch der Ermittlungsrichter ließ ihn wieder laufen.

Nach Bekanntwerden der Tat zeigten sich die Münchner Verkehrsbetriebe (MVG) schockiert. "Wir sind alle bestürzt und fassungslos", so Sprecher Matthias Korte kurz nach dem Vorfall gegenüber der AZ. Der U-Bahnfahrer hat mehr als 20 Jahre für die MVG gearbeitet – nachdem der Vorfall ans Licht kam, ist er seiner eigenen fristlosen Kündigung zuvorgekommen. "Er hat selbst seine sofortige Kündigung eingereicht", so Korte damals.

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