Partynarrische Münchner werden zum Problem

Die Waldfest-Saison im Tegernseer Tal ist eröffnet: Am Wochenende steigt die Feier des FC Real Kreuth. Polizei und Veranstalter bereiten sich auf die Besucherscharen vor.
| Rudolf Huber
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Die Hirschbergler aus Kreuth feiern vor der Trachtenhütte. Wenn’s dunkel wird, rollen die Party-Busse aus München bei den Waldfesten an – dann geht es rund.
tegernsee.com Die Hirschbergler aus Kreuth feiern vor der Trachtenhütte. Wenn’s dunkel wird, rollen die Party-Busse aus München bei den Waldfesten an – dann geht es rund.

Die Waldfest-Saison ist eröffnet: Am Wochenende steigt die Feier des FC Real Kreuth. Polizei und Veranstalter bereiten sich auf die Besucherscharen vor.

Tegernsee/München - Man hört es Paul Knott an, dass er sich nicht wirklich auf die Herausforderungen der nächsten Wochen freut. „Es ist nicht einfach“, sagt der Hauptkommissar von der Polizeiinspektion in Bad Wiessee.

Er meint die Waldfest-Saison, die dieses Wochenende mit der Kreuther Version in die heiße Phase startet. Das Tegernseer Tal rüstet sich für den Ansturm der Feierwütigen aus München. Und vielen Einheimischen ist der Riesentrubel um die einstmals ländlich-gemütlichen Feste längst viel zu viel geworden.

Mit ihren Festen füllen der FC Real Kreuth, der Ski-Club Bad Wiessee, die Hirschbergler, die Gebirgsschützen Tegernsee oder der Ski-Club Ostin traditionell ihre Vereinskassen auf. Doch was früher als Gaudi für einen regional begrenzten Einzugsbereich gedacht war, ist seit einigen Jahren zum In-Event der Festnarrischen aus München geworden.

In Scharen, in feschen Dirndln und Lederhosen, in dicken Schlitten, mit der Oberlandbahn oder per Party-Bus reisen sie raus aufs Land. Und sorgen durch ihre schiere Menge für jede Menge Probleme.

Völlig überfüllte Festgelände, lange Schlangen an den Theken, sogar Engpässe beim Bier-Nachschub – das sind noch die eher harmloseren Begleiterscheinungen der erdrückenden Zuneigung von Seiten der „Stadterer“.

Wesentlich schlimmer sind die Folgen übermäßigen Alkoholgenusses. „Betrunkene sind beratungsresistent“, deutet Hauptkommissar Knott die Schwierigkeiten an. Konkret bedeutet das, dass sie Polizei am Tegernsee alle verfügbaren Beamten im Einsatz hat. „Und wir haben beim Präsidium in Rosenheim Unterstützung angefordert“, so Paul Knott. Ob von dort aber auch wirklich so viele Helfer kommen wie benötigt, kann er nicht einschätzen – das richtet sich nach der Zahl weiterer Brennpunkte an den jeweiligen Wochenenden.

Längst sind die Veranstalter auch dazu übergegangen, für ihre Feste Security-Firmen wie auf dem Oktoberfest zu engagieren. „Ohne Security ginge es nicht“, zitiert die örtliche Zeitung den Chef der Ostiner Veranstalter.

Deren Waldfest wird regelmäßig geradezu von Besuchern überrollt und ist für den Hauptkommissar „am schwierigsten“. Es ist sehr groß und dauert diesmal drei Tage – und Nächte. Oft feiern die Waldfestler bis vier Uhr früh durch.

„Je länger es dauert, desto schlimmer sind die Exzesse“, so Paul Knott.

Aus den letzten Jahren kann er Horrorgeschichten von völlig betrunkenen Waldfest-Heimkehrern berichten, die im Dunkeln auf der Bundesstraße herum torkeln und zu Trampen versuchen.

Dabei machen sie auch vor Sankas oder Streifenwagen nicht Halt. Die Veranstalter versuchen mittlerweile, durch Tempo-Limits und Warnhinweise das Schlimmste zu verhindern.

Bis Mitte August steigt praktisch jedes Wochenende irgendwo im Tegernseer Tal ein Waldfest. Der Ausnahmezustand wird zur Normalität – fast wie auf der Wiesn.

 

 

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