Parteiloser Direktkandidat Simon Klopstock: Einzelkämpfer mit Tandem

Simon Klopstock hat grüne Ideen, will aber nicht zu den Grünen. Der 24-Jährige tritt als Direktkandidat an und hat viel investiert. Und das als Chancenloser.
| Christina Hertel
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Simon Klopstock will kein Geklüngel, keine Parteitage, auf denen um jeden Spiegelstrich debattiert werden muss.
Simon Klopstock will kein Geklüngel, keine Parteitage, auf denen um jeden Spiegelstrich debattiert werden muss. © Daniel von Loeper

München - Gerade war ein Fernsehteam von RTL da, das sehen wollte, wie es Simon Klopstock, 24 Jahre alt, in den Bundestag als Direktkandidat im Münchner Osten schaffen will. 

Sein Wahlkampfteam ist seine Familie

Ohne eine Partei, die den Wahlkampf sponsert. Ohne Pressesprecher. Ohne Erfahrung. Dafür mit einem Wahlkampf-Trupp, der an diesem Nachmittag aus seiner Mutter, seinem besten Kumpel und seiner Freundin besteht.

Die drei haben ihm geholfen, die Flyer in einem Fahrradanhänger von seinem Zuhause in Berg am Laim in die Fußgängerzone zu schaffen. Dort haben sie seinen Stand aufgebaut: ein Tischchen mit Blumendecke, ein Glücksrad aus einem Fahrradreifen. "Mit mir können Sie nur gewinnen" steht mit Filzstift auf einem Pappdeckel. Außerdem liegen da Bücher über den Klimawandel und Papierbeutel mit Pflanzen-Samen. Klopstocks Freundin hat kleine Vögel darauf gemalt.

"Ich verschenke Bäume statt Kugelschreiber", sagt Simon Klopstock jedem, den er einen Flyer in die Hand drückt. Denn das Geld, das andere Politiker gern in Plastik-Geraffel mit ihrem Namen drauf gedruckt investieren, hat er in ein Umweltprojekt gesteckt. 20.000 Bäume habe er im Zuge seines Wahlkampfs gespendet, so lässt es sich auf seiner Webseite nachlesen.

Simon Klopstock macht vieles anders - aber nicht alles 

Auf ein anderes Wahlkampf-Mittel verzichtete Simon Klopstock allerdings nicht: Er ließ 850 Plakate drucken. "Parteilos in den Bundestag" steht darauf. Seit 1949 hat es allerdings kein Parteiloser mehr in den Bundestag geschafft. Klopstock hat keine Chance, so viel steht fest.

Trotzdem hat er um die 10.000 Euro für seinen Wahlkampf ausgegeben. Ist der Mann verrückt? Hat er zu viel Geld? Oder beides zusammen? All diese Fragen würde man ihm gern alle auf einmal stellen. Aber noch hat Simon Klopstock zu tun. Flyer verteilen. Doch er würde wohl sofort dreimal Nein antworten.

Urlaubssemester für den Wahlkampf

Simon Klopstock ist kein Millionär, sondern Politikwissenschaft-Student an einer Fernuni. Für den Wahlkampf hat er ein Urlaubssemester eingelegt. Sich diesen leisten zu können, sei ein Privileg, sagt Klopstock.

Seine Mutter sagt: Ihr Sohn habe immer sparsam gelebt, kaufe alle Klamotten als Secondhand. Den letzten Luxus, den sich Simon Klopstock gönnte, sei ein Tandem gewesen. Mit seiner Freundin fuhr er damit sieben Wochen lang durch Nordeuropa. Nur, wenn es mit den Wahlplakaten gar nicht anders geht, würde die Familie das Elektroauto der Mutter verwenden.

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Klingt eigentlich nach einem, der bei den Grünen gut aufgehoben wäre. Klopstock will aber unabhängig bleiben. Er möchte die Menschen in seinem Wahlkreis vertreten, keine Partei, sagt er.

Er will kein Geklüngel, keine Parteitage, auf denen um jeden Spiegelstrich debattiert werden muss. Nicht umsonst, meint er, gebe es zwei Stimmen: eine für den Kandidaten und eine für die Partei.

Außerdem fordert er ein bedingungsloses Grundeinkommen - ein Ziel, das so deutlich in keinem Wahlprogramm der Parteien steht, die bereits im Bundestag vertreten sind. Ein Ego-Typ, der sich gern alleine durchkämpft, sei er nicht, sagt Klopstock. "Ganz alleine kann man so einen Wahlkampf gar nicht schaffen." Über 15 Leute würden in unterstützen, er bekomme in letzter Zeit immer mehr E-Mails von Fremden, die seine Arbeit loben, und sogar ein paar Spenden.

Auch Önder-Vedat Dönmez tritt alleine an

Klopstock ist nicht der einzige Kandidat, der es in München ohne Partei in den Bundestag schaffen will. Im Westen tritt außerdem Önder-Vedat Dönmez an, 23 Jahre alt, Student für Tourismus. Er sei vollkommen unabhängig, geradlinig und ehrlich, schreibt er auf seiner Webseite. Sein Slogan lautet: "Deutschland ist Önders". Seine Grundidee sei: "Die alten weißen Männer im Deutschen Bundestag ablösen."

Auch Klopstock sagt, er fühle sich als 24-Jähriger von keiner Partei komplett vertreten. Schließlich sind nur zwei Prozent der Abgeordneten unter 30. Dass er so chancenlos sein soll, wie manche meinen, glaubt Klopstock nicht. Neulich habe die CSU sogar seine Wahlplakate verschoben, um Platz für ihre zu machen. Für ihn ist das ein Zeichen, dass die Partei ihn als Konkurrenten wahrnehme. "Und das ist ein großes Kompliment."

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