Wiesn 2026: Sanitäter rüsten auf – das ist jetzt neu
Der einsatzstärkste Tag in der Geschichte des Wiesn-Sanitätsdienstes der Aicher Ambulanz liegt bald ein Jahr zurück. Am zweiten Wiesn-Samstag 2025 waren die Menschenmassen so groß, dass auch die Rettungskräfte an ihre Grenzen kamen. Teilweise hatten die Sanitäter Schwierigkeiten, schnell zu ihren Einsatzorten zu gelangen.
Für das Oktoberfest 2026 hat die Stadt ihr Sicherheitskonzept angepasst. Auch der Sanitätsdienst reagiert auf die Erfahrungen des vergangenen Jahres: Bei größeren Einsatzlagen soll künftig ein sogenannter Supervisor als Schnittstelle zwischen Einsatzleitung und Einsatzteams eingesetzt werden. Das erklärte Aicher-Pressesprecher Julian Tanzer bei der Pressekonferenz zum Wiesn-Sanitätsdienst 2026.
Überfüllung: "Probleme, die Wirtsbudenstraße zu queren"
Wie schwierig die Wege über das Festgelände im vergangenen Jahr teilweise waren, schildert Geschäftsführer Michel Belcijan: "Wir hatten Probleme, die Wirtsbudenstraße zu queren." Die Einsatzteams mussten mit ihren rollenden Liegen teilweise großräumige Umwege nehmen.

Gerade bei medizinischen Notfällen, bei denen es auf jede Minute ankommt, kann das entscheidend sein. Deshalb gibt es 2026 auch einen zusätzlichen Standort: Neben der Hauptstation sowie den Containern an der Schaustellerstraße, auf der Oidn Wiesn und in der Nähe der U-Bahn-Station wurde im Bereich des Familienplatzls eine weitere Container-Station eingerichtet. Von dort können Einsatzkräfte direkt zu Notfällen im näheren Umfeld ausrücken.
Übergriffe: Mehr Schutz für die Helfer
Auch auf einen anderen Aspekt bereitet sich die Aicher Ambulanz vor: mögliche Übergriffe auf Einsatzkräfte. In diesem Jahr können die Helfer Eigenschutztrainings absolvieren. Rund 70 von rund 430 Wiesn-Helfern haben das Angebot bislang genutzt.
Im vergangenen Jahr registrierte der Sanitätsdienst zwei Übergriffe. In einem Fall trat ein alkoholisierter Patient um sich, berichtet Geschäftsführer Ralf Kuchenbuch. Eine Helferin wurde dabei am Unterbauch schwer verletzt.
CT und neue Geräte
Für die Einsatzkräfte gibt es zudem neue Fortbildungen, die sie besser auf die Anforderungen des Wiesn-Einsatzes vorbereiten sollen. Auch die medizinische Ausstattung wird weiterentwickelt. Das 2022 eingeführte eigene CT-Gerät bleibt im Einsatz. Damit können insbesondere Kopfverletzungen schnell untersucht werden.
Ein neues Gerät soll zudem die Kontrolle der Vitalwerte erleichtern. Bei einer Demonstration nach der Pressekonferenz zeigte Sanitäter Florim Avdyli, wie damit die wichtigsten Vitalwerte erfasst werden können – auch während einer laufenden Herzdruckmassage.
In diesem Jahr stehen dem medizinischen Personal zudem erstmals zwei Laborgeräte zur Verfügung, mit denen vor Ort auf der Theresienwiese Blutwerte erhoben werden können.

Eine weitere Neuerung betrifft die rollenden Liegen: Beheizbare Auflagen sollen nicht nur den Komfort erhöhen, sondern vor allem medizinisch helfen. Chefarzt Dr. Philip Kampmann erklärt: "Jedes verlorene Grad Körpertemperatur senkt die Überlebenschancen." Die Auflagen sollen deshalb dazu beitragen, die Körpertemperatur der Patienten während des Transports stabil zu halten.
Peter Aicher geht in den Ruhestand
Eine auffällige Veränderung gibt es auch an der Spitze des Sanitätsdienstes: Peter Aicher, Gründer und langjähriger Geschäftsführer der Aicher Ambulanz, geht in den Ruhestand (AZ berichtete). Seine Aufgaben übernehmen künftig Michel Belcijan und Ralf Kuchenbuch.

Wie groß die Aufgabe für den Sanitätsdienst ist, zeigen die Zahlen des vergangenen Jahres: Beim Oktoberfest 2025 versorgten die Helfer 7158 Patientinnen und Patienten. Die Tragenbesatzungen rückten zu 2188 Einsätzen aus, in 156 Fällen wurde das eigene CT eingesetzt.
7158 Patienten auf der Wiesn 2025
Nur 1,6 Prozent der behandelten Patienten mussten von der Theresienwiese abtransportiert werden. Der Anteil alkoholbedingter Notfälle lag bei 39 Prozent, chirurgische Verletzungen machten 35 Prozent aus. Weitere 26 Prozent entfielen auf internistische und sonstige Beschwerden.
Damit steht der Wiesn-Sanitätsdienst auch 2026 vor einer großen Aufgabe. Für die Helfer kann es jederzeit ernst werden. Ein Sturz, ein Kreislaufkollaps, eine Kopfverletzung – und plötzlich zählt jede Minute. Genau dafür stehen sie bereit – auch 2026.
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