Wegen Sexismus-Vorwurf: Stadt München lässt Teufelsrad-Figuren umkleiden

80 Jahre lang gehörten sie zum Teufelsrad – jetzt mussten drei der vier Kunststoff-Figuren umgestaltet werden. Die Stadt München hielt ihre Darstellung für sexistisch beziehungsweise diskriminierend. Betreiberin Elisabeth Polaczy ist darüber alles andere als glücklich.
von  André Wagner
Elisabeth Polaczy, Betreiberin des beliebten Teufelsrades, musste die Figuren über dem Eingang zum Fahrgeschäft umgestalten lassen.
Elisabeth Polaczy, Betreiberin des beliebten Teufelsrades, musste die Figuren über dem Eingang zum Fahrgeschäft umgestalten lassen. © Ben Sagmeister

Wer heuer über die Wiesn schlendert, dem werden hier und da einige Veränderungen ins Auge fallen. So wurde zum Beispiel der Paulaner-Turm umgestaltet. Die Kellnerinnen-Parade, die seit Jahrzehnten dort zu sehen war, ist nun Geschichte. Grund dafür soll die Lizenzgebühr-Forderung einer Ur-Ur-Enkelin des Künstlers Emil Kneiß sein. 

Und auch bei den Fahrgeschäften gibt es eine gestalterische Veränderung, und zwar beim äußerst beliebten Teufelsrad. 80 Jahre lang luden vier Kunststoff-Figuren auf einer Drehscheibe über dem Eingang den Wiesn-Besucher zu einigen Runden auf dem Teufelsrad ein.

Figuren waren der Stadt zu freizügig

Die Figuren sind immer noch da, allerdings in einem erneuerten Outfit. Die Stadt München beanstandete die Darstellung von drei der vier Figuren als zu freizügig. Aus diesem Grund wurden Änderungswünsche an Elisabeth Polaczy (80), Betreiberin des Kult-Fahrgeschäftes, herangetragen. "Drei Damen haben bei der Stadt Missmut erregt, weil ihr die Figuren über dem Eingang zu freizügig waren", erzählt Polaczy der AZ bei einem Besuch auf der Wiesn.

Völlig überraschend kam das Ganze nicht. Bereits im vergangenen Herbst, als Polaczy die Teufelsrad-Bewerbung für die Wiesn 2026 abgegeben hatte, erhielt die 80-Jährige von der Stadt München ein Schreiben. In diesem schlug die Gleichstellungsstelle für Frauen Veränderungsvorschläge für "ein etwas vielfältigeres Teufelsrad" vor.

Drei der vier Figuren wurden beanstandet. Nach Einschätzung der Gleichstellungsstelle war die Darstellung der Frauen sexistisch und in einem Fall diskriminierend. Kritisiert wurden unter anderem die nackten Füße einer Figur. Auch dass eine weitere Figur keine Radlerhose trägt, wurde bemängelt. Die Gleichstellungsstelle schlug zudem vor, eine der vier Frauenfiguren durch einen Mann zu ersetzen.

Obenrum zu freizügig und unten auch noch barfuß. Das gefiel der Münchner Gleichstellungsstelle für Frauen überhaupt nicht.
Obenrum zu freizügig und unten auch noch barfuß. Das gefiel der Münchner Gleichstellungsstelle für Frauen überhaupt nicht. © IMAGO / Revierfoto

"Hatte Angst, dass ich, wenn ich die Figuren nicht übermale, nicht mehr auf die Wiesn darf"

"Mir wurde wegen 80 Jahre alter Figuren vorgeworfen, dass ich sexistisch sei", zeigt sich Elisabeth Polaczy empört. Die Wiesn-Besucherinnen tragen häufig auch Ausschnitt, daher seien die Puppen nicht sexistisch, so die Teufelsrad-Betreiberin.

Zunächst hatte die 80-Jährige sogar Angst um die Zukunft ihres Fahrgeschäfts. "Am Anfang hatte ich Angst, dass ich, wenn ich die Figuren nicht übermale, nicht mehr auf die Wiesn darf", erzählt Polaczy.

Für die Änderungsarbeiten holte sie einige Angebote ein, eines davon belief sich auf 7500 Euro. Am Ende hat Polaczy über einen Bekannten einen Maler engagiert, der die Figuren umgestaltete.

Vor allem an der Figur unten rechts werden die Änderungen besonders sichtbar.
Vor allem an der Figur unten rechts werden die Änderungen besonders sichtbar. © Imago und Ben Sagmeister

Barfuß wäre diskriminierend: Figur musste sogar Schuhe angepasst werden

Mittlerweile ist das Teufelsrad auf der Wiesn aufgebaut und man kann einen ersten Blick auf die umgestalteten Figuren werfen. Bis letztes Jahr trugen die vier Figuren noch Dirndl, eine Capri-Jeans, ein grünes Mini-Kleid und ein gelbes Röckchen samt Hawaii-Blumenkette.

Nun wurden ihnen hochgeschlossene Blusen, längere Röcke und lange Unterhosen verpasst. Auch die Schuhe mussten den Figuren angepasst werden. "Laut Gleichstellungsstelle wäre es diskriminierend, sie barfuß darzustellen", so Polaczy. Wie teuer die Umgestaltung war, weiß die 80-Jährige noch nicht genau, sie hat noch keine Rechnung erhalten.

Ihr selbst ist der Rummel um die Figuren mittlerweile viel zu viel. "Ich will einfach nur Frieden und mein Geschäft gut machen", sagt sie der AZ. 

Radlerhosen für Frauen 

Den Vorwurf des Sexismus weist Polaczy zurück. Gerade beim Thema „Upskirting“, also dem Filmen unter den Rock, setzt die Teufelsrad-Betreiberin auf zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Vor zwei Jahren ließ die 80-Jährige Schilder und Kameras installieren, Frauen werden Radlerhosen zur Verfügung gestellt.

Das Teufelsrad ist eines der beliebtesten Fahrgeschäfte auf der Wiesn. Um Besucherinnen vor Upskirting zu schützen, hat Betreiberin Elisabeth Polaczy schon vor zwei Jahren die Sicherheitsvorkehrungen verbessert.
Das Teufelsrad ist eines der beliebtesten Fahrgeschäfte auf der Wiesn. Um Besucherinnen vor Upskirting zu schützen, hat Betreiberin Elisabeth Polaczy schon vor zwei Jahren die Sicherheitsvorkehrungen verbessert. © IMAGO/STL Studio Liebhart

Am Ende wünscht sich Polaczy vor allem, dass beim Teufelsrad wieder der Spaß im Vordergrund steht. "Es gibt wichtigere Dinge. Wir wollen den Leuten mit unserem Fahrgeschäft doch einfach nur eine Freude machen", sagt die Betreiberin.

CSU kritisiert Alleingang der Stadt 

Die Münchner CSU stört sich am Alleingang der Stadt und kritisiert, dass die Stadtverwaltung ohne vorherige politische Abstimmung in eine jahrzehntealte historische Darstellung eingegriffen hat, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

In einem Antrag an Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) fordert die Partei jetzt, dass alle Entscheidungen im Zusammenhang mit der Gestaltung und Durchführung des Oktoberfests, insbesondere solche, die das Erscheinungsbild und die öffentliche Darstellung betreffen, durch den Interfraktionellen Arbeitskreis (IFAK) Oktoberfest getroffen werden. Dies solle vor allem für Maßnahmen gelten, die das kulturelle Bild und die gesellschaftliche Verantwortung des Festes berühren. 

SPD-Politiker Hefter: "Vorgehen ist mehr als peinlich"

Auch SPD-Stadtrat Roland Hefter hat sich in den Sozialen Medien zu Wort gemeldet. Aus seiner Sicht sei das Vorgehen der Stadt mehr als peinlich und hätte mit ernst gemeinter Gleichstellung wenig zu tun.

"Was hier unter dem Etikett der Gleichstellung mit den seit rund 80 Jahren zum Teufelsrad gehörenden Figuren passiert, macht Gleichstellung eher lächerlich, als dass es ihr dient", so der Lokalpolitiker in seinem Posting.

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Nicht der erste Fall

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass auf der Wiesn Motive auf Buden und Fahrgeschäften übermalt werden, die als rassistisch oder sexistisch galten. Bereits 2023 standen die beiden Fahrgeschäfte "Crazy Alm" und "Voodoo Jumper" im Fokus. Beide sollen stereotype, rassistisch überzeichnete Bilder von schwarzen Menschen und sexistische Darstellungen von leicht- oder gar nicht bekleideten Frauen gezeigt haben. Mittlerweile wurden diese Motive umgestaltet.

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