Viren-Schleuder Oktoberfest: So können Sie sich schützen

Wiesn-Grippe! Ein paar Tage nach dem Start des Oktoberfests füllen sich Arztpraxen mit hustenden und schniefenden Menschen. Experten warnen, und eine Münchner Apotheke bietet zwei Impftage an.
dpa |
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In der Enge der Bierzelte verbreiten sich Viren besonders leicht. (Archivbild)
In der Enge der Bierzelte verbreiten sich Viren besonders leicht. (Archivbild) © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Alle Jahre wieder: Kaum ist das Oktoberfest eröffnet, beginnt in München das Gehuste. Wiesn-Grippe. In der bierseligen Enge der Zelte haben es Erkältungsviren aller Arten leicht.

Vorsicht, Wiesn-Grippe: Im Herbst ist auch Impfsaison

Wer im Bierzelt feiern will, kann das Risiko einer Ansteckung mit Impfungen reduzieren. Insbesondere eine Immunisierung gegen Covid-19 und Influenza kann sinnvoll sein, wie Christoph Spinner, Leiter der Infektiologie am Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM), erläutert. Der Herbst ist nicht nur Volksfest-, sondern auch Impfsaison.

Christoph Spinner: "Ich liebe die Wiesn, und ich schütze mich und meine Patienten"

Im September starten das LMU Klinikum und das TUM Klinikum in Kooperation mit dem Münchner Gesundheitsreferat die Kampagne "München impft", um das Bewusstsein für Atemwegsinfektionen und die Impfmöglichkeiten zu steigern.

Der Infektiologe Prof. Dr. Christoph Spinner rät vor der Wiesn zur Impfung. (Archivbild)
Der Infektiologe Prof. Dr. Christoph Spinner rät vor der Wiesn zur Impfung. (Archivbild) © Angelika Warmuth/dpa

Nicht einmal jeder Dritte, dem eine Impfung empfohlen wird, ist gegen Influenza geimpft – und hat damit ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf, wie Spinner berichtet, der sich selbst gegen Influenza und Covid-19 immunisieren lässt. "Ich liebe die Wiesn, und ich schütze mich und meine Patientinnen und Patienten durch eine Impfung."

"Die sogenannte Wiesn-Grippe ist in den allermeisten Fällen keine Influenza"

Allerdings sind auf dem Oktoberfest allerlei Erkältungsviren unterwegs, gegen die es keinen Impfschutz gibt: Rhino-, Adeno- und Enteroviren oder schon länger bekannte, saisonale Coronaviren.

Menschenmassen bewegen sich über die Theresienwiese. (Archivbild)
Menschenmassen bewegen sich über die Theresienwiese. (Archivbild) © Felix Hörhager/dpa

"Die sogenannte Wiesn-Grippe ist in den allermeisten Fällen keine Influenza. Das ist einfach ein Sammelbegriff für akute Atemwegsinfekte, die durch das Zusammentreffen vieler Menschen, Schlafmangel, Kälte und Alkoholkonsum begünstigt werden."

Hohes Infektionsrisiko für Covid-19 auf dem Oktoberfest

Bei den ernsteren Atemwegsinfekten während der Wiesn mache SARS-CoV-2 in der Regel den größten Teil aus. Anders als die Grippe sei das Covid-19-Virus nicht an die kalte Jahreszeit gebunden und zirkuliere ganzjährig.

"Da in Festzelten sehr viele Menschen auf engstem Raum zusammenkommen, ist das Infektionsrisiko für Covid-19 auf der Wiesn hoch." Jenseits des Volksfestes sei eine Corona-Impfung gemäß Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Menschen ab 75 Jahren, Personen mit Risikofaktoren sowie Pflegepersonal angeraten.

Herbst ist Impfzeit

Influenza und RSV (Respiratorisches Synzytialvirus) sind laut Spinner nur für einen sehr geringen Anteil der Wiesn-Erkrankungen verantwortlich. Sie nähmen meist erst ab Ende November zu und erreichten die Spitze im Januar.

Vielleicht noch schnell impfen vor dem Oktoberfest. (Archivbild)
Vielleicht noch schnell impfen vor dem Oktoberfest. (Archivbild) © Robert Michael/dpa

"Durch das internationale Publikum und die vielen Menschen auf engem Raum in den Festzelten treten aber auch zu dieser Zeit vereinzelt Grippefälle auf", sagt Spinner über die Influenza-Gefahr auf der Wiesn. "Generell ist der Beginn des Herbstes der ideale Zeitpunkt, um sich für die bevorstehende Grippesaison ab Oktober impfen zu lassen – vor allem für Menschen mit Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Krebs-Erkrankungen."

Unterschätzte Gefahr RSV?

Für die Wiesn sei keine akute Welle des hochansteckenden RSV-Virus zu erwarten, sagt Spinner. Wer sich impfen lassen wolle, solle das dennoch rechtzeitig angehen. "Derzeit sind nur etwa 20 Prozent aller Menschen, denen die Impfung empfohlen wird, gegen RSV geimpft – daher ist jetzt ein guter Zeitpunkt, die Impfung nachzuholen."

Das RSV-Virus kann vor allem für Säuglinge und ältere Menschen gefährlich werden. Die STIKO-Impfempfehlung gilt für Erwachsene ab 75 Jahren und Menschen mit schweren Grunderkrankungen ab 60 Jahren.

Münchner Apotheke bietet zwei Impftage an 

Weil Atemwegsinfektionen grundsätzlich das Immunsystem aktivieren und zur massenhaften Ausschüttung von Entzündungsstoffen im Körper führen, können sie zu einer Verengung der Blutgefäße beitragen und so das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen, so Spinner.

Bei einer von einem Impfstoffhersteller mitinitiierten Aktion "O'zapft is – aber bitte Grippe-geimpft!" am 8. und 9. September werden in der Marien Apotheke am Sendlinger Tor Influenza-Impfungen für Erwachsene ab 18 Jahren angeboten. An der Aktion ist auch Spinner beteiligt.

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