"Viele Erwachsene sind schockiert": So verdient ein 18-Jähriger sein Geld auf der Wiesn

Seine Freunde jobben bei Edeka an der Kasse. Dieser 18-Jährige ist Putzmann – im Hauptberuf. "Viele Erwachsene sind schockiert, dass ich mit Reinigen mein Geld verdiene", sagt Oskar Pedersen aus Thalkirchen.
Am Tag seines 18. Geburtstags packte er keine Geschenke aus, sondern fuhr ins KVR – um ein Gewerbe anzumelden. "Es war mein Traum, selbstständig zu arbeiten – ohne Chef", so der junge Münchner. Unter dem Paulaner-Turm auf der Wiesn fegt er jede Nacht eine Souvenirbude und reinigt einen Bratwurststand.

Job auf dem Oktoberfest: "Das ist harte Arbeit"
Oskar Pedersen kratzt mit der Spachtel in einer riesigen gusseisernen Pfanne die Vier-Millimeter-Schicht schwarz eingebrannten Wurstfetts ab. "Das ist harte Arbeit und dauert fast 30 Minuten", meint Oskar. "Aber hey, ich fühle mich gut!"
Für Boden, Wände und die Arbeitsflächen aus Metall hat er Profi-Reinigungsmittel, wie alkalischen Fettlöser. Zehn Küchenrollen verbraucht der Putzmann pro Nacht.

Standbetreiber Christian Schöttl (48), der für seine Steak-Semmeln mit Fleisch von Metzger Magnus Bauch bekannt ist, sagt: "Der Junge ist fleißig. Nach Zeltschluss bleibe ich noch vor Ort, bis der erste Trouble durch ist", so der Narrhalla-Faschingsprinz von 2016.
Putzen von 23.30 Uhr bis 3 Uhr nachts
Oskars Putz-Job beginnt gegen 23.30 Uhr und dauert bis 3 Uhr nachts. Wenn die letzte Wurst verkauft oder verschenkt ist, klappt ein Mitarbeiter den Holz-Stand zu – und schraubt extra die Klappe fest.
Dienstbeginn für Oskar: Er trägt einen Maßkrug zum Paulaner-Eingang. Danach weicht er mit Wasser aus dem Schlauch Schmodder vor dem Bratwurst-Stand auf – um hart eingetretene Pommes mit Ketchup- und Mayo-Resten, viele weiße Servietten, Zigarettenstummel – und ekligere Hinterlassenschaften in die Mitte der Straße zu spritzen – auf der Lkw der Stadtreinigung fahren.

Betrunkenen hilft der junge Putzmann
Ein betrunkener Wiesn-Gast will sich am frischen Wasserstrahl die Hände waschen. Oskar gibt nach. Der Mann macht seinen Haarschopf nass, erfrischt das rote Gesicht: "It’s very good!", sagt er und wankt weiter. Oskar erzählt: "Mitten in der Nacht wusste ein Italiener nicht mehr, wie sein Hotel heißt. Das Handy war leer. In der Bude habe ich es geladen, damit er in sein Zimmer findet", sagt Oskar.

Wenn er innen putzt, schließt er die Türe, macht sich unsichtbar. Während er schrubbt und altes Öl in Kanister siebt (für die Verwertung als Biodiesel), hört er Lachen, Schreie, Pfiffe, das Klirren von Glasscherben. Auch Gepolter und Gebumper: "Paare lehnen sich hier an die Bretterwand, knutschen oder sonst was", so Oskar: "Ich höre laut Deutschrap und arbeite weiter!"

Alles muss fettfrei sein: "Das ist krass, auch die Stand-Deko." Dafür muss der Reinigungs-Beauftragte vieles zweimal abwischen. "Ich sorge dafür, dass alles passt", sagt Oskar.

Der junge Firmengründer wohnt noch bei den Eltern
Der Münchner erzählt: "Vor diesem Job lag ich um drei Uhr nachts in meinem Bett." Denn der junge Inhaber von "Pedersen Objektservice", den er im Mai gründete, wohnt noch bei seinen Eltern.
An den privaten Neuhof-Schulen hat er seinen Realschulabschluss gemacht. Eine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel bei Lodenfrey hat er abgebrochen. "Meine Eltern fanden es nicht lustig, als ich ankam: Ich putze jetzt."

Putzen als Marktlücke
Als Praktikant beim Hausmeisterdienst hat er verstanden: Putzen ist eine Marktlücke. "Scheiß-Jobs sind scheiße gut bezahlt, wenn man es richtig macht", so der 18-Jährige. Und: "Fürs Putzen kann man Preise wie Handwerker verlangen." Wenn nicht Oktoberfest ist, wischt er Treppenhäuser, übernimmt Hausmeisterdienste. Ein Kindergarten ist Neukunde.

Hangover-Unfall: Ich habe die Trauer gespürt
Gegenüber gab es den Unfall am Hangover-Turm. Ein Riesenaufgebot mit 30 Polizisten, Krankenwagen, Absperrung. "Unter den Schaustellern sprach sich herum, dass der Unfall tödlich war. Ich habe die Trauer gespürt", meint Oskar. Er überlegte, eine Kerze aufzustellen. "Schade, dass kein Ausdruck der Trauer am Fahrgeschäft möglich war. Wenn ein Volksfest-Mitarbeiter an dem Ort stirbt, wo alle feiern und Spaß haben wollen, dann ist das schwierig", sagt Pedersen nachdenklich.

Mitarbeiter-Privileg: Man kommt in jedes Bierzelt
Der junge Putzmann trinkt auf der Wiesn Fanta, kein Bier. Aus Neugier, einfach zum Schauen, war er schon in jedem Zelt. Ein Privileg: Mit Mitarbeiterausweis kommt er immer rein.