Stunk um Bewertung: Warum Hefter mit seiner Band heuer nicht auf der Oidn Wiesn spielt

Wer als Band auf der Oidn Wiesn spielen will, der muss sich an die bayerische musikalische Volkskultur halten, ansonsten gibt es vom Kulturreferat eine negative Bewertung. Ein Sachverhalt, der dem Münchner Liedermacher Roland Hefter sauer aufstößt.
von  André Wagner
SPD-Stadtrat und Liedermacher Roland Hefter ist mit der Bandbewertung durch das Münchner Kulturreferat unzufrieden.
SPD-Stadtrat und Liedermacher Roland Hefter ist mit der Bandbewertung durch das Münchner Kulturreferat unzufrieden. © IMAGO / Lindenthaler

Die Aufregung um die umgestalteten Figuren auf dem Wiesn-Kult-Fahrgeschäft Teufelsrad ist noch nicht wirklich verflogen, da gibt es schon den nächsten Aufreger, diesmal auf der Oidn Wiesn.

In den sozialen Medien regt sich SPD-Stadtrat und Musiker Roland Hefter darüber auf, dass er zusammen mit seiner Band Isarrider in diesem Jahr nicht auf der Oidn Wiesn spielen darf. 

Liedermacher Hefter kritisiert Bewertung der Bands durch das Kulturreferat

In einem Video erzählt der gebürtige Münchner, dass er sich und seine Band im vergangenen Jahr für Auftritte im Musikantenzelt Boandlkramerei auf der Oidn Wiesn beworben und dort auch gespielt haben, vom Münchner Kulturreferat jedoch eine negative Bewertung bekam. Begründung der Stadt damals, laut Hefter, Isarrider spiele Rockmusik. Das Kulturreferat störe sich dabei an der Besetzung und den gespielten Instrumenten der Band, die nicht der bayerischen musikalischen Volkskultur entsprechen würden, erzählt Hefter in einem Telefongespräch mit der AZ.

Das Schicksal einer negativen Bewertung durch das Kulturreferat ereilte auch die RolliGang, eine Münchner Behindertengesangsgruppe, bei der Inklusion großgeschrieben wird, und 2025 in der Boandlkramerei aufspielte. Grund für die schlechte Bewertung war hier, laut Hefter, dass die Band Wiesn- und Coverhits spielte und keine eigenen Songs und auch hier wurden die Instrumente kritisch angesehen.

"Sogar die Spider Murphy Gang oder die Münchner Freiheit würden negativ bewertet werden"

"Und so geht es vielen tollen Bands aus Bayern. Weil dort eben nicht Tuba oder Akkordeon gespielt wird, sondern E-Gitarre oder E-Bass, gibt es vom Münchner Kulturreferat eine negative Bewertung, weil es zu wenig bayerisch traditionell ist", so Hefter zur AZ. "Sogar die Spider Murphy Gang oder die Münchner Freiheit würden aufgrund dieser Vorgaben negativ bewertet werden, das muss man sich mal vorstellen", so der Münchner Liedermacher weiter.

Bemerkenswert findet Hefter, dass er für seine Auftritte als Liedermacher in der Schützenliesl eine positive Bewertung erhält, für dieselben Songs mit den Isarridern in der Boandlkramerei aber negativ bewertet wird. Auf seine Anfrage hin begründete das Kulturreferat dies in einer Mail (liegt der AZ vor) damit, dass er als Solokünstler und Liedermacher, der auch regelmäßig bei den BR Brettl-Spitzen auftritt, die Kriterien für das Volkssängerzelt erfüllt, da hier das Genre Liedermacherei ausdrücklich zugelassen ist.

Andererseits würden die Isarrider im Musikantenzelt mit Hefter als Bandleader die dortigen Voraussetzungen zur musikalischen Volkskultur nicht erfüllen, "weil die Gruppe eine andere musikalische Stilrichtung bedient und nicht dem Genre Volksmusik, sondern der Popularmusik zuzuordnen ist (bayerische Rockmusik mit elektronischer Besetzung)."

Roland Hefter und seine Isarrider spielte 2025 in der Boandlkramerei, wurden aber im Vorfeld vom Kulturreferat negativ bewertet, "weil die Gruppe eine andere musikalische Stilrichtung bedient und nicht dem Genre Volksmusik, sondern der Popularmusik zuzuordnen ist."
Roland Hefter und seine Isarrider spielte 2025 in der Boandlkramerei, wurden aber im Vorfeld vom Kulturreferat negativ bewertet, "weil die Gruppe eine andere musikalische Stilrichtung bedient und nicht dem Genre Volksmusik, sondern der Popularmusik zuzuordnen ist." © IMAGO/STL Studio Liebhart

Hefter: "Für mich hat dieses Kulturverständnis mit der musikalischen Realität Bayerns wenig zu tun"

"Für mich hat dieses Kulturverständnis mit der musikalischen Realität Bayerns wenig zu tun. Bayerische Kultur ist heute auch Pop, Rock, Jazz, Rap und Hip-Hop – gerade wenn unsere Sprache und unser Dialekt darin weiterleben", so Hefter im Video und zur AZ.

Da bei der Bewerbung um ein Festzelt auf dem Oktoberfest oder der Oidn Wiesn jeder Punkt zählt und das kulturelle Programm ein wichtiger Aspekt ist, können negative Bewertungen des Kulturreferats durchaus ein entscheidender Faktor sein, ob eine Bewerbung den Zuschlag erhält oder nicht.

So trennten im vergangenen Jahr die Bewerbungen des Herzkasperlzelts nur wenige Punkte zugunsten der Boandlkramerei.

Aus diesem Grund wollte Boandlkramerei-Wirt Peter Schöniger, laut Hefter, in diesem Jahr bei seiner Bewerbung wohl kein Risiko eingehen und nahm von Anfragen bei negativ bewerteten Bands Abstand.

Hefter bekommt viel Zuspruch von Musikerkollegen

Im Gespräch mit der AZ nennt Roland Hefter auch den noch recht frischen Songwettbewerb "A Liad für d’Wiesn", bei dem in diesem Jahr 122 Songs eingereicht wurden. "Die meisten Bands, die daran teilnehmen, machen moderne Musik, und würden daher vom Kulturreferat auch eine negative Bewertung bekommen", so Hefter.

Für die Wiesn 2027 sieht der Münchner Stadtrat und Liedermacher aber einen Silberstreif am Horizont. In einem interfraktionellen Arbeitskreis wurde erreicht, dass es im kommenden Jahr im Musikantenzelt, wer immer dann auch der Wirt sein wird, zwei Slots pro Tag geben soll, in denen grundsätzlich moderne bayerische Musik gespielt wird.

Und bis es so weit ist, würde Roland Hefter, der für seinen Vorstoß schon viel Zuspruch von anderen Musikern, darunter auch Willy Michl bekommen hat, vom Kulturreferat mal genau erklärt bekommen, was man in der Behörde genau unter bayerischer, musikalischer Volkskultur versteht.

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