Oktoberfest 2018: Die Meldungen der Wiesn-Sanitäter

Auf dem Oktoberfest haben nicht nur Bedienungen und Polizei, sondern auch die Sanitäter viel zu tun. Manche Meldungen klingen ernst, manche aber auch ziemlich kurios.
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Die Sanitäts-Teams auf der Wiesn haben viel zu tun.
dpa/Felix Hörhager Die Sanitäts-Teams auf der Wiesn haben viel zu tun.

Auf dem Oktoberfest haben nicht nur Bedienungen und Polizei, sondern auch die Sanitäter viel zu tun. Manche Meldungen klingen ernst, mache aber auch ziemlich kurios.

München - Voller Einsatz auf der Theresienwiese: Das Team der Aicher-Ambulanz, das heuer zum ersten Mal auf der Wiesn den Sanitätsdienst stellt, hat viel zu tun. Auch, wenn der Montag im Vergleich zum Wochenende ein eher gemütlicher Start in die Woche war, wie es heißt. Zur Wochenmitte hin, ging es dann munter weiter. 

Montag, 1. Oktober: Wiesn-Patientin fesselt sich selbst an Trage

Eine Oktoberfest-Besucherin (21) aus Italien wollte gern noch ein wenig länger auf der Wiesn bleiben und hat sich deshalb mit Klebeband an einer Trage gefesselt. Das berüchtigte Festbier hatte der 21-jährigen Patientin am Montag so sehr zugesetzt, dass sie im Sanitätsbereich aufgepäppelt werden musste. Als ihr Freund, der sich rührend um sie kümmerte, zwei Stunden später mit der Frau von der Wache aufbrechen wollte, begann sie bitterlich zu weinen - und griff daraufhin als Protest zum Klebeband. "Letztlich klebte sie sich sogar selbst mit Klebeband an eine unserer Tragen...", teilte Aicher Ambulanz am Dienstag nach dem Vorfall des Vortages mit. 

Freitag, 29. September:  Die Wache als Ruheoase

War es richtig, die 112 zu wählen? Das fragte die Sanitäter am Freitag ein junger Mann Anfang 20, weil sein Freund nach einer Auseinandersetzung Schmerzen am Rippenbogen und am Kopf hatte. Die Antwort: Auf jeden Fall.

Das Sanitäts-Team betont bei der Gelegenheit: Auch, wenn äußerlich sichtbaren Blessuren harmlos erscheinen, kann sich dennoch eine lebensbedrohliche innere Verletzung darunter verstecken. Vor allem bei Schlägen auf den Kopf wird deshalb grundsätzlich immer geraten, diese von einem Arzt untersuchen zu lassen. Vor allem um eine - im schlimmsten Fall - lebensbedrohliche Gehirnblutung auszuschließen.

Neben Räumen zum Schreien (siehe Eintrag vom 23. September) bieteten die Sanitätswache auch - bei Bedarf - Ruheräume an. So konnten die vier Monate alte "Toni" und ihre Mutter eine Verschnaufpause von der bunten Welt der Wiesn in einem extra abgetrennten Teil des Ruhebereichs genießen. Die beiden tankten kurz Energie und setzten danach ihren Wiesn-Besuch in der warmen Herbstsonne fort.

Donnerstag, 27. September: Bierduschen nicht erwünscht

Am Donnerstag behandelte die Aicher Ambulanz insgesamt 333 Patienten, davon 192 auf der Wiesn-Wache. Beim Transport eines mit der Trage wurde ein Sanitäter Opfer eines Bierdusch-Anschlags. Der arme Mann wurde von hinten von einem Wiesn-Gast mit einer ganzen Maß überschüttet. Triefend nass zog der Sani seinen Einsatztag bis zum Schluss durch. Respekt. 

Außerdem weist die Wiesn-Ambulanz darauf hin, dass trotz der tagsüber warmen Temperaturen festes Schuhwerk auf der Wiesn die bessere Wahl ist. Dieses beugt Verletzungen durch Scherben vor und minimiert das Blasenrisiko. Fun Fact: Die Kollegen am Infopoint gaben am Donnerstag 579 Blasenpflaster an geschundene Wiesn-Gänger aus.  

Mittwoch, 26. September: Ami vergisst seinen Namen und 83-Jährige stürzt auf dem Weg ins Fahrgeschäft

Die Aicher Ambulanz weist darauf hin, dass viele ihrer Patienten sich besser vor dem Wiesn-Besuch einen Notfallzettel geschrieben hätten, wo zumindest der Name, die Wohnadresse oder das Hotel und Kontaktdaten vermerkt sind. Denn offenbar sind viele nicht mehr im Stande, diese Informationen auf der Sanitätsstation aus dem Stegreif kundzutun. 

So geschehen bei einem 20-jährigen Amerikaner, der offensichtlich so betrunken war, dass er nicht einmal mehr seinen eigenen Namen wusste. Seine Frau, verzweifelt auf der Suche nach dem Gestrandeten, konnte nur ausfindig gemacht werden, weil die Sanitäter hartnäckig blieben und schlussendlich eine Hotelkarte in seiner Tasche fanden. Der Portier konnte schließlich den Kontakt herstellen und das Pärchen sich unter Tränen in der Sanitätsstation wieder in die Arme schließen. Da kam dann auch der Name wieder. Mei, die Liebe, gell...

Ein bisschen unglücklicher ging's aus am Mittwoch für eine 83-jährige Münchnerin mit Vorliebe für schnelle Fahrgeschäfte. Die Dame rutschte aus, kurz bevor sie sich in eine Attraktion hineinsetzen konnte uns schlug mit dem Hinterkopf auf. Statt ins Fahrgeschäft gings auf die fahrbare Trage der Sanis und weiter zur Kontrolle in eine Münchner Klinik. Ersten Einschätzungen zufolge soll aber einer wilden Fahrt in der zweiten Wiesn-Woche nichts im Wege stehen. Na dann, Hals- und Beinbruch!

Dienstag, 25. September: Guiseppe singt für die Sanis und Ricola hilft gegen Sodbrennen?

Auch am Dienstag hatten die Wiesn-Sanis kuriose Fälle - so etwas Guiseppe aus Neapel, der - so die Mitteilung der Aicher-Ambulanz - "für Stimmung auf der Wiesn-Wache" sorgte. "Unbeeindruckt von seinen Verletzungen und durch den Alkohol animiert gab er erstaulich text- und tonsicher italienische Popsongs zum Besten und brachte so etwas "Dolce Vita" in unseren Behandlungsraum. Leider machte der Zustand des Patienten eine Verlegung ins Krankenhaus unumgänglich, sodass uns unser zukünftiger Star uns leider von der Trage winkend wieder verlassen musste."

Einen ungewöhnlicheren Wunsch hatte am Dienstag ein Schweizer Wiesn-Besucher, der sich erkundigte, ob Ricola-Bonbos, vorrätig seien, denn er habe Sodbrennen. Die Sanitäter mussten ihn enttäuschen: "Der Schweizer Kräuterzucker ist standardmäßig nicht auf der Wiesn als Notfallmedikament vorhanden", und auch privat hatte niemand solche dabei. 

Das ist absofort anders, denn am nächsten Tag brachte der Schweizer der Wache die Bonbos vorbei. 

Montag, 24. September: Bedienung kommt mit Ketchup im Ohr 

Zwischen 9 und 1 Uhr behandelte man am Montag 201 Patienten, 134 davon in der Sanitätswache. 24 Patienten wurden in Kliniken verlegt, sieben mit dem Rettungswagen abtransportiert, sechs Patienten hatten "lebensgefährliche Zustände". 

Besonders bemerkenswert war der Fall einer Wiesn-Bedienung: Aus Spaß hatte ihr ein Besucher Ketchup ins Ohr gespritzt. Für die Betroffene war das freilich weniger lustig. Sie kam mit Ohrgeräusch und einem störenden Fremdgefühl zu den Sanitätern. Dort konnte das Ohr gespült und untersucht werden. Der Gehörgang war zum Glück nicht verletzt. 

Ein anderer Patient kam mit einem typischen Wiesn-Phänomen: Wer zu viel getrunken hat, vertut sich oft bei der Beurteilung, ob er eine Behandlung braucht. Dieser Herr musste so erst überredet werden, sich seine tiefe Kopfplatzwunde versorgen zu lassen. Er war gestürtzt, es bestand außerdem ein Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma. Er ließ sich schließlich überzeugen und war am Ende recht froh. 

Sonntag, 23. September: Junger Mann kommt vorbei, um zu schreien

Am ersten Wiesn-Sonntag hatten die Sanitäter weit mehr zu tun. 483 Patienten wurden behandelt. 46 wurden weiter in Münchner Kliniken gebracht, sieben Mal wurden Patienten mit "lebensgefährlichen Zuständen" behandelt. 

Ein Fall war besonders kurios: Ein Wiesn-Besucher kam mit einem besonderen Wunsch vorbei: Der Münchner, Mitte 20, bat darum ein paar Mal laut schreien zu dürfen, um Spannungen abzubauen. Weil er die anderen Wiesn-Besucher nicht verschrecken wollte, wandte er sich an die Sanitäter, die "selbstverständlich seinem Wunsch nachkamen".

In einem gesonderten Raum hatte er die Gelegenheit, so oft und so laut zu schreien, wie es ihm ein Bedürfnis war.

Samstag, 22. September: Viele Einsätze zum Wiesn-Auftakt

Der Auftakt war sonnig und euphorisch – das wirkte sich auch auf die Einsatzzahlen der Wiesn-Sanitäter am ersten Wiesn-Samstag aus. 496 Patienten hatten sie zu behandeln, der älteste war 84 (Herz-Kreislauf-Beschwerden, der jüngste vier Jahre alt (Schnittwunde). Zehn Patienten behandelten die Ärzte mit lebengefährlichen Verletzungen, 70 mussten in Kliniken gebracht werden. 

Vor allem Schnittwunden an Händen und Füßen häuften sich an diesem Tag. Erstaunlich sei der Anstieg von Frauen mit Schnittverletzungen an den Händen, so die Sanitäter. Ein junge Frau hatte sich an einem Maßkrug beinahe den kleinen Finger abgetrennt, die Chirurgen konnten ihn vorerst wieder annähen.

Bemerkenswert war auch ein versuchter Übergriff auf eine Mitarbeiterin am Info-Point. Die 34-Jährige berichtet: "Plötzlich ging ein junger Mann auf mich los. Er packte mich am Arm und versuchte, mir eine runterzuhauen." Der aggressive Patient hatte jedoch Pech, denn die Mitarbeiterin hatte einen Deeskalations- und Selbstverteidigungskurs besucht. So konnte sie sich aus seinem Griff befreien und den Schlag gekonnt abwehren. Den Rest übernahm die Security. 

Tapfer war ein Sechsjähriger, der unglücklich auf die Kante einer Treppenstufe gestürzt war. Er ließ sich brav die Platzwunde an der Nasenwurzel nähen und war wohl eher fasziniert von den Wandbildern im Kinderversorgungsraum. 

Lob sprachen die Sanitäter außerdem einer Gruppe junger Münchner aus, die einen scheinbar bewusstlosen Engländer nicht einfach liegen ließen, sondern mit vereinten Kräften auf die Sanitätswache brachten.

Lesen Sie außerdem: Die Meldungen der Wiesn-Wache der Polizei im Wiesn-BlaulichtAlle Aktuelle zur Wiesn sammeln wir außerdem stets in unserem Oktoberfest-News-Blog


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