Kleine Käfer im Paradies

In der Wiesn-Schänke spaziert die Prominenz ein und aus: Das Hütterl von 1971 ist längst zum stattlichen Bauernhaus mit 3000 Plätzen gewachsen. Aber der Chef bleibt meist bei Brezn
| Laura Kaufmann
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Michael Käfer: Der Papa von Zwillingen ist Wiesn-Wirt in einem waschechten Bauernhaus.
dpa Michael Käfer: Der Papa von Zwillingen ist Wiesn-Wirt in einem waschechten Bauernhaus.

Letztes Jahr waren sie noch zu klein für die Wiesn. „Ob wir die Zwillinge heuer mit raus nehmen, da sind wir noch unschlüssig“, sagt Michael Käfer. Raphael und Nikolas sind jetzt eineinhalb Jahre alt: „Vielleicht bummeln wir mit ihnen einen Nachmittag drüber – aber da sind schon viele Eindrücke zu verarbeiten.“

Top ausgerüstet wären sie jedenfalls: „Zur Geburt hat jeder vier Lederhosen geschenkt bekommen. In unterschiedlichen Größen, zum Glück!“

Gerade noch war Käfer mit seiner Clarissa und den Zwillingen ein paar Tage am Tegernsee entspannen. Auf der Festwiese ist in der Zeit Balken für Balken, Hammerschlag für Hammerschlag ein Bauernhaus entstanden, wie es ihr Nachbarhaus am See sein könnte – eins, das Schauspieler und Fußballstars zur Wiesnzeit ihr zweites Zuhause nennen.

Käfers Wiesn-Schänke, jedes Jahr neu und festlich geschmückt, ist anders als die anderen Zelte. Kein Schiff mit Kapelle und Boxen außenrum, sondern ein doppelstöckiges, uriges Häuserl, verwinkelt und verschachtelt. Hier fließt der Champagner wenn’s was zu feiern gibt, Ralph Siegels Geburtstag zum Beispiel, oder auch einfach so.

Es gibt Reservierungen, die sind schon im Besitz der Enkelgeneration. Treue Gäste. „Ich finde es schön, dass es so ist“, sagt der Wiesnwirt. Er läuft von Tisch zu Tisch, kennt sie alle, grüßt jeden – den ganzen Tag lang. „Ich könnte das gar nicht, eine Pause machen, ich muss da permanent rumlaufen“, sagt Käfer.

„Unsere Schänke ist klein, wir haben hier auch kein Büro zum Zurückziehen.“ Nicht einmal zum Essen nimmt er sich Zeit – die Speisekarte, heuer inspiriert von Klöstern und Schlössern, steht schon seit dem Frühjahr und ist ausgiebig verkostet. Aber der Feinkostkönig wählt Fast Food: „Zur Wiesn ernähre ich mich völlig falsch, da gibt’s was auf die Hand, eine Brezn vielleicht“, sagt Käfer.

Wahrscheinlich spürt er den Hunger kaum, die Wiesn-Faszination hat ihn fest im Griff. Als Halbstarker hat er beim Aufbau geholfen, da ist die Wiesn-Schänke noch ein kleines Holzhäuserl mit 40 Sitzplätzen gegenüber vom Schottenhamel. Später ist er an der Schänke, kellnert, arbeitet sich im Zelt des Vaters Gerd von unten zum Geschäftsführer hoch.

„Mit 15 habe ich das erste Mal mitgeholfen, in den Schulferien – da hast du eine extreme Beziehung zum Fest“, sagt Michael Käfer. „Es ist einfach das Größte, hier dabei zu sein.“ Und für jeden, der etwas auf seine Prominenz hält, ist es das Größte, in der Wiesn-Schänke zu sein.

„Prominente muss man nicht anders behandeln als andere Gäste“, sagt der Wirt. „Die legen da keinen Wert drauf. Die, die das wollen und sich immer profilieren müssen, die haben wir auch nicht gern da.“ Alle, die da waren, nehmen sich eins der Käfer-Kaffee-Haferl mit, die jedes Jahr ein anderes Motiv schmückt. Heuer ist das ein Spruch des Dichters Eugen Roth: „Zu Münchens schönsten Paradiesen / zählt ohne Zweifel seine Wiesn.“

 

 

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