Josef Schmid kämpft gegen die Gespenster-Wiesn

Traut sich nach der Serie von Bluttaten in Bayern heuer niemand aufs Oktoberfest? Wiesn-Chef Josef Schmid versucht, den Leuten Mut zu machen.
| Florian Zick
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„Wir lassen uns nicht in unserer Art zu feiern einschränken“: Wiesn-Chef Josef Schmid mit Lebkuchenherz.
dpa „Wir lassen uns nicht in unserer Art zu feiern einschränken“: Wiesn-Chef Josef Schmid mit Lebkuchenherz.

Traut sich nach der Serie von Bluttaten in Bayern heuer niemand aufs Oktoberfest? Der Wiesn-Chef versucht, den Leuten Mut zu machen.

München - Irgendwann muss Josef Schmid (CSU) genauso schwindlig geworden sein, wie den beiden Karussellfahrern auf dem Gemälde über ihm. Da steht der Wiesn-Chef im Saal des Stadtmuseums, soll vor der versammelten Presse etwas über die diesjährigen Neuerungen auf dem Oktoberfest erzählen – aber natürlich dreht sich alles nur um eines: die Sicherheit auf der Wiesn.

„Wir lassen uns in unserer Art zu feiern nicht beeinträchtigen“

Um aus dem Fragenkarussell rauszukommen, sah sich Schmid deshalb irgendwann zu einer Grundsatzrede gezwungen: Man dürfe jetzt nicht ein Schreckensszenario nach dem anderen an die Wand malen, mahnte er. „Wir lassen uns in unserer Art zu feiern nicht beeinträchtigen“, so der 46-Jährige. „Wenn wir unseren Alltag verändern, dann haben die Terroristen schon gewonnen.“

Doch auch, wenn Schmid versucht, etwas Ruhe in die Debatte zu bringen: Natürlich ist das Thema nach der jüngsten Serie von Anschlägen in Bayern allgegenwärtig. Erst gestern saßen im Rathaus Vertreter von Polizei, Feuerwehr und der Stadt zusammen, um beim Sicherheitskonzept für die Wiesn noch bisschen nachzubessern.

Ob dabei am Ende mehr rauskommt als das bereits diskutierte Rucksackverbot und eine Einzäunung des Festgeländes, ist momentan noch ungewiss. Bis sie ein Ergebnis präsentieren, wollen sich die Sicherheitsbehörden erst noch weiter austauschen.

Vorläufig lässt sich also weiter trefflich darüber spekulieren, ob es heuer neben Taschenkontrollen womöglich auch Leibesvisitationen oder Körperscanner wie am Flughafen geben wird. Den Taxlern zumindest hat man offenbar schon avisiert, dass sie dieses Jahr noch ein bisschen weiter abrücken müssen. Das spräche dafür, dass der Sicherheitsring um die Theresienwiese heuer noch einmal vergrößert wird.

Den Terrorbildern Kontra geben

„Wir denken über alles nach“, sagt Schmid dazu nur. Etwaige Maßnahmen müssten aber auch angemessen sein. Die so viel gelobte bayerische Gemütlichkeit soll jedenfalls nicht darunter leiden. „Wir wollen den Charakter des Festes nicht verändern“, so der Wiesn-Chef.

Bei den Wiesn-Wirten und den Schaustellern hört man das natürlich gerne. Dort glaubt man ohnehin, dass man den Terrorbildern ein zünftiges Kontra geben muss. Die Amerikaner jedenfalls hätten nach „Nine Eleven“ auch tapfer weitergefeiert, so Karl-Heinz Knoll, der Präsident des Festrings, der jedes Jahr den traditionellen Wiesn-Einzug organisiert.

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Auch Toni Roiderer, der Sprecher der Wiesn-Wirte, glaubt nicht, dass wir heuer eine menschenleere Gespenster-Wiesn erleben werden. Es gebe zwar ein paar Absagen, so Roiderer, „aber wenn zwei stornieren, dann rufen gleichzeitig zehn an, die einen Tisch haben wollen“, so der 71-Jährige im breitesten Bayerisch. Alles spricht also dafür, dass München auch heuer ein Oktoberfest erleben wird. Eines unter besonderen Umständen vielleicht, aber mit Bier und Karussells – fast wie immer.

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