"Haben wir wirklich keine anderen Probleme?" – Schausteller wettert auf der Wiesn gegen die Stadt

"Erscheinen Sie, sonst weinen Sie", singen die neuen Schützenlisl-Wirte Michael Bietsch, Florian Fendt und Manfred Kneifel im Quartett mit Traudi Siferlinger, der musikalischen Leiterin des Volkssängerzelts. Neben Fahrgeschäften und Jubilaren liegt der Fokus des diesjährigen Wiesn-Presserundgangs zweifelsohne auf den neuen Wirten und Zelten. "Es war sehr aufregend, aber wir sind gut durchgekommen mit dem Aufbau", freut sich Bietsch.
Neue Wirte der Schützenlisl singen vor dem Wiesn-Start
Die Schützenlisl steht. Und auch die anderen Zelte sind bereit für den Anstich am Samstag. Besonders spannend wurde es in den vergangenen Wochen für Bartls Flößerstadl, den kurzfristigen Nachfolger der Münchner Stubn. In kürzester Zeit musste Neu-Wiesn-Wirt Klaus Bartl den Aufbau meistern.

"Ich weiß nicht, ob es schon jemanden gegeben hat, der in kürzerer Zeit ein Wiesnzelt aufgebaut hat", sagt Bartl stolz, aber sichtlich erleichtert. Von Wiesnchef Christian Scharpf (SPD) und OB Dominik Krause (Grüne) erntet er dafür "großen Respekt".
Aufbau in Rekordzeit: Neues Wiesn-Zelt steht
Bartl hat es geschafft und möchte den Fokus auf die Geschichte und Bedeutung der Flößerei legen. Neben dem Eingang hängt bereits ein großes Ruder, das vor Kurzem noch auf der Isar im Einsatz war.

Ganz durchatmen können auch Lorenz und Christine Stiftl, die neuen Wirte des Paulaner-Festzelts, noch nicht. Ihr Zelt ist immerhin eines der größten auf der Wiesn. "Die Anspannung ist schon noch da", sagt Lorenz Stiftl zur AZ.
Paulaner-Wirt noch aufgeregt vor dem Anstich
"Am Samstag ist der Höhepunkt, wenn wir da reinmarschieren." Er rechnet damit, dass das Zelt ziemlich voll sein wird. "Erst dann sehen wir, dass alles funktioniert. Der Ablauf, die Kellnerinnen, das Reservierungsbüro und so weiter. Das sind ganz viele Mosaiksteine." Doch Stiftl gibt sich zuversichtlich. "Die Vorbereitung läuft gut."

Grund zu feiern gibt es nicht nur für die Neu-Wirte. Auch Thomas und Christian Luff, Wirte der Hühnerbraterei Poschner, feiern heuer das 100-jährige Jubiläum ihres Familienbetriebs.
Auf eine lange Geschichte auf der Wiesn blickt auch die Familie Willenborg mit ihrem Riesenrad zurück. Seit 90 Jahren ist die Familie im Schaustellergeschäft tätig. Das 50 Meter hohe Riesenrad steht seit 1979 auf der Wiesn. Am Riesenrad kommt es dann allerdings zu einem Moment abseits des Protokolls.
Schaustellerbund: Scharfe Kritik an der Stadtpolitik
Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbunds, freut sich über die Ernennung der deutschen Schaustellerkultur zum Unesco-Kulturerbe. Gleichzeitig übt Ritter deutliche Kritik an der jüngsten Debatte um die Umgestaltung der Figuren auf dem Teufelsrad.
"Haben wir wirklich keine anderen Probleme, als Pappmaché-Figuren Radlerhosn anzuziehen?", fragt Ritter in die Runde und erntet Applaus. Der Michelangelo habe in der Sixtinischen Kapelle schließlich auch etwas an Textilien gespart, sagt Ritter. "Da sagt auch keiner: 'Wir müssen die abreißen'."

Danach geht es direkt wieder zurück zum eigentlichen Programm. OB Krause, Scharpf und die große Entourage aus Interessierten ziehen weiter zu den Neulingen unter den Schaustellern.
Neue Fahrgeschäfte auf der Wiesn
Ob das neue Belustigungsgeschäft "Fisherman’s", das 47 Meter hohe "Chaos Pendel" oder die Erweiterung des klassischen "Break Dancer" – das "Shake & Roll" – irgendwann auf eine ähnlich lange Geschichte zurückblicken kann wie das Riesenrad? Das wird die Zeit zeigen.
Der OB und der Wiesnchef müssen sich heuer jedenfalls anders als in den Vorjahren nicht vor der Presse durchwirbeln lassen – der TÜV war noch nicht da. Und Turbulenzen gab es im Vorfeld der Wiesn schließlich auch so schon genug.