Großer Umbau auf der Wiesn: Traditionszelt startet in eine neue Ära
Das Bodos Cafézelt auf der Wiesn wird größer. Außerdem soll es künftig luftiger und "aufgeräumter" wirken, wie Wirt Otto Lindinger beim Baustellenbesuch der AZ sagt. Luftig ist es an diesem Dienstag tatsächlich – aber vor allem deshalb, weil bislang nur das hölzerne Gerüst des neuen Zelts steht.
Ein komplett neues Wiesnzelt entsteht nicht alle Tage. Auch wenn das Bodos lediglich in eine neue Hülle für ein bewährtes Konzept zieht, ist der Neubau für den Wirt ein Kraftakt. Rund zwei Millionen Euro dürfte er investiert haben. Das bisherige Zelt hatte fast 35 Jahre auf dem Buckel. "Irgendwann muss sich mal was ändern", sagt Lindinger.
Verändern wird sich tatsächlich einiges. Statt Aluminium trägt nun heimisches Fichtenholz das Zelt. Die geschwungenen Dachbalken erzeugen ein Runddach mit deutlich höherer, offener Form. Dadurch bekommt das Zelt sogar ein zusätzliches Geschoss. Über eine umlaufende Galerie gelangen die Besucher künftig zur Bodos Bar und auf einen Raucherbalkon.

Obwohl theoretisch mehr Gäste ins neue Zelt passen würden, bleibt es bei 479 Sitz- und 108 Stehplätzen. Einen Antrag auf eine höhere Kapazität habe er gar nicht erst gestellt, sagt Lindinger. "Das Ergebnis wäre mir klar gewesen." Außerdem verbiete ein Stadtratsbeschluss ohnehin zusätzliche Plätze auf der Wiesn.
Dafür soll der Aufenthalt angenehmer werden. Durch das höhere Dach wirkt das Cafézelt großzügiger, Lagerflächen und Toiletten verschwinden nun gemeinsam im hinteren Bereich unter einem Dach. Im Inneren bleibt die Farbe Rot das Markenzeichen. Kissen auf den Bänken und Tischdecken sollen für gemütliche Atmosphäre sorgen. Abends wird aber freilich weiterhin bei Cocktails, Champagner und Wiesn-Musik gefeiert.
Man muss auch an die nächsten Generationen denken
Auch vor dem Zelt verändert sich das Bild. Das Bodos steht künftig quer zur Straße 2. Der Straßenverkauf profitiert von dem verlängerten Dach und ist nun komplett vor Regen geschützt. Besucher können dort ihren Kaffee, Kuchen oder frisches Hefegebäck genießen, das in einer neuen Showbäckerei direkt vor ihren Augen entsteht.
Das Cafézelt trägt einen Namen mit Geschichte. Benannt ist es nach dem 2023 verstorbenen Konditormeister Bodo Müller. 2014 übergab er das Zelt an seinen langjährigen Freund und Geschäftspartner Otto Lindinger. Dessen Aufgabe ist nun, das Erbe zu bewahren – und gleichzeitig das Bodos fit für die Zukunft zu machen. "Neues Kapitel, gleiche Seele" lautet das Motto des Neubaus. "Das Gute behalten wir bei, aber man muss auch an die nächsten Generationen denken", sagt Lindinger.

Trotz der hohen Investition sollen die Preise in diesem Jahr nicht steigen. "Wir sind da einfach an einer Grenze angekommen", sagt Lindinger.
Mit dem Neubau beginnt mehr als nur eine neue Wiesn-Saison. Lindinger möchte das Bodos vor allem tagsüber noch weiter stärken – mit Frühstück, Brunch sowie Kaffee und Kuchen als entspanntem Auftakt für einen langen Tag auf der Theresienwiese.
Derzeit pfeift noch der Wind durch die Konstruktion. Für den Aufbau hat Lindinger heuer zwar zwei Wochen mehr Zeit als sonst. Bis das neue Bodos seine endgültige Form annimmt, wird aber noch kräftig gearbeitet. Zeit bleibt also noch bis zum Wiesn-Start am 19. September.
- Themen:

