"Gekündigt, weil sie etwas gesagt hat": Wiesn-Bedienungen machen auf Problem aufmerksam

Diskriminierung, Belästigung und rechte Sprüche gehören für viele Wiesn-Bedienungen zum Arbeitsalltag. Fanny und Anna wollen das nicht länger hinnehmen und setzen ein Zeichen.
von  Sophia Willibald
Im Festzelt bekommen Wiesn-Bedienungen immer wieder Belästigung, Ausgrenzung und rechte Sprüche mit.
Im Festzelt bekommen Wiesn-Bedienungen immer wieder Belästigung, Ausgrenzung und rechte Sprüche mit. © imago stock&people

Jeden Tag sieht Fanny auf der Wiesn Diskriminierung, Frauenfeindlichkeit und Ausgrenzung. Sie arbeitet als Bedienung. Genau wie ihre Freundin Anna. Seit etwa vier Jahren machen sie den Job. Nach den Schichten tauschen sie sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus und merken: Sie sind mit ihren Erfahrungen nicht allein.

Fanny erzählt: "Die Wiesn ist ein sehr hartes Pflaster. Ich habe mehrfach sehr unfaire Situationen mitbekommen. Zum Beispiel: Irgendjemand wird belästigt und am Ende wird die Person dann auch noch gekündigt, weil sie etwas gesagt hat."

Fanny (26) ist Sonderpädagogin. Seit vier Jahren arbeitet sie auch als Wiesn-Bedienung. Das Foto zeigt sie bei einem Einsatz auf dem Frühlingsfest.
Fanny (26) ist Sonderpädagogin. Seit vier Jahren arbeitet sie auch als Wiesn-Bedienung. Das Foto zeigt sie bei einem Einsatz auf dem Frühlingsfest. © privat

Zwischen Bierzelt und Belästigung: Wiesn-Bedienungen setzen ein Zeichen

Eineinhalb Wochen vor Beginn der diesjährigen Wiesn kommt den beiden Frauen eine Idee. Sie wollen im Internet ein Statement setzen und dafür möglichst viele Wiesn-Bedienungen zusammentrommeln. "Wir haben eine Whatsapp-Gruppe gegründet und geschrieben: Ladet gerne Leute ein, die auch Bock auf eine Aktion haben."

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Innerhalb von zwei Tagen seien bereits 150 Menschen in der Gruppe gewesen, erzählt die 26-Jährige. "Und wir sind noch am Wachsen." Am Tag des Wiesn-Beginns veröffentlichen sie auf ihrem Instagram-Kanal mit dem Namen "bedienungengegenrechts" schließlich ein Video. Darin sprechen mehrere Wiesn-Kellnerinnen und -Kellner nacheinander in die Kamera.

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"Wir sind Bedienungen, wir kennen die Wiesn." Und: "Seit Jahren erleben wir, wie Dinge wieder sagbarer werden und wie rechte Vorstellungen plötzlich weniger Widerspruch bekommen." Dabei dürfe man vor allem nicht vergessen, welche Geschichte auch zu diesem Fest gehöre. Gemeint ist das Attentat von 1980.

Anna (28) ist Grafikdesignerin und arbeitet wie Fanny seit einigen Jahren als Bedienung auf der Wiesn.
Anna (28) ist Grafikdesignerin und arbeitet wie Fanny seit einigen Jahren als Bedienung auf der Wiesn. © privat

Mit einer Bombe tötete ein Rechtsextremist damals zwölf Menschen und verletzte weitere 221, 68 davon schwer. Im Video heißt es, die Tat müsse daran erinnern, welche Verantwortung man als Gesellschaft trage. Eine friedliche Wiesn sei mehr als nur eine Wiesn ohne Gewalt. Sie sei eine Wiesn, auf der Ausgrenzung keinen Platz habe.

Hinter dem Fest stünden rund 13.000 Menschen mit den unterschiedlichsten Geschichten, Sprachen und Herkunftsorten. Ohne sie würde die Wiesn keinen einzigen Tag funktionieren.

Unterstützt vom OB

Mittlerweile hat der Clip mehr als 2000 Likes. Auch Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) folgt dem Kanal. Die beiden Freundinnen Fanny und Anna wollen nun weitere Aktionen planen, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Ihr Ziel: "Wenn irgendetwas passiert, egal ob einer Bedienung, oder einem Gast oder sonst wem, soll sich jeder angesprochen fühlen", sagt Fanny. "Wir wollen zusammenhalten und dafür kämpfen, dass kein menschenverachtendes Verhalten gezeigt wird."

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