Entspricht nicht der Tradition des Oktoberfests: Das wird auf der Wiesn ab diesem Jahr verboten sein

Beim Fußball gibt's Bierduschen, auf dem Oktoberfest Champagnerduschen. Klingt komisch, ist aber so. Etwa seit Mitte der 2010er Jahre haben vor allem die Gäste in Kufflers Weinzelt angefangen, den Fußballern nachzueifern und ihre Feierlaune mit dem Verspritzen von Alkohol zu unterstreichen.
Mit diesem Phänomen hat sich nun das zuständige "Wiesnreferat", das Referat für Arbeit und Wirtschaft (RAW) unter Führung seines Referenten Christian Scharpf (SPD), befasst.
Beim Champagner-Spritzen werden vorzugsweise große Flaschen Champagner auf den Boden geklopft. Dadurch entsteht im Inneren so ein hoher Druck, dass der Korken herausschießt und der Champagner in einer Fontäne aus der Flasche schießt. Laut RAW handelt es sich hierbei nicht nur um Lebensmittelverschwendung.
"Dekadenz entspricht nicht der Tradition und Strahlkraft des Oktoberfests"
Vielmehr entspreche diese Dekadenz nicht der Tradition und Strahlkraft des Oktoberfests. Aus diesem Grund hat der Interfraktionelle Arbeitskreis "Oktoberfest" beschlossen, dies in Zukunft zu unterbinden. In dem Arbeitskreis werden im Rathaus hinter verschlossenen Türen parteiübergreifend Wiesn-Themen vorbesprochen. Eine entsprechende Entscheidung im Stadtrat am Dienstag ist damit wohl nur noch Formsache.

In Kufflers Weinzelt steht auch eine 15-Liter-Schampusflasche für über 5000 Euro auf der Karte. Wenn Gäste in den letzten Jahren eine solche bestellt haben, servierten manche Kellner ihnen die Champagnerdusche auf Wunsch als Service mit dazu – inklusive Regenschirmen als Spritzschutz für die Wiesngäste an den angrenzenden Tischen. Die Regenschirme wurden nicht extra dafür angeschafft, sondern sind fürs Regenwetter gedacht und können als Merchandise-Produkt im Zeltbüro gekauft werden.
Sebastian Kuffler: "Ist mir lieber, die Stadt verbietet es offiziell"
In den sozialen Medien kursierten in den letzten Jahren viele Videos mit den Champagnerduschen – mit viel Empörung über die Dekadenz der Wiesnbesucher in den Kommentarspalten.
Laut Wiesnwirt Sebastian Kuffler habe das große Champagner-Spritzen im Vergleich zu den 2010er Jahren schon sehr nachgelassen. Nicht nur deshalb sieht er den Entschluss des RAW gelassen. "Mein Bruder Stephan und ich sind nicht die großen Freunde des Verbietens. Da ist es mir jetzt lieber, die Stadt verbietet es offiziell und wir können’s so an die Gäste weiter kommunizieren", sagt Kuffler zur AZ.
In Käfers Wiesnschänke wird zwar anders als im Weinzelt auch Wiesnbier von Paulaner ausgeschenkt. Aber auch hier fließt – unter anderem dank der hohen Promidichte – jede Menge Champagner. Auch hier gab es immer wieder mal die ein oder andere Champagnerdusche.
Auch im Käferzelt gibt's Champagnerduschen – "aber ohne Show-Element"
"Verhindern kann man das nicht", sagt eine Sprecherin zur AZ. Und ja, im Käferzelt habe es immer wieder einmal Champagnerduschen gegeben. "Aber ohne Show-Element", wie sie betont. Auch habe das Personal im Käferzelt diese Praxis nie unterstützt.
Im Gegenteil. Michael Käfer sei das Thema Lebensmittelverschwendung seit Jahren ein großer Dorn im Auge, nicht nur auf der Wiesn. Er sagt zur AZ: "Mit der Beschlussvorlage rennt man bei mir offene Türen ein. Das Spritzen von Champagner ist für mich indiskutabel und ich habe bei uns schon vor Jahren die Anweisung erteilt, dass wenn das jemand bei uns macht, er oder sie die Käfer Wiesn-Schänke bitte verlassen soll."
Wie genau das Verbot umgesetzt wird und welche Strafe eine Missachtung nach sich ziehen würde, ist noch nicht klar. Vielleicht fällt den Wiesnbesuchern dieses Jahr ja eine neue Art ein, ihre Lebensfreude zu teilen.