3650 Euro - für einen Wiesn-Tisch!

So viel verlangt ein Berliner Ticketvermittler für zehn Plätze am Anstichtag im Schützen-Festzelt. Der Chef sieht darin nichts Verwerfliches – und macht die Wirte für diesen Wucher verantwortlich
| T. Gautier, L. Kaufmann
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Feiern mit Freunden - am eigenen Tisch ist es noch viel schöner. Das aber kann sehr viel Geld kosten.
Martha Schlüter Feiern mit Freunden - am eigenen Tisch ist es noch viel schöner. Das aber kann sehr viel Geld kosten.

So viel verlangt ein Ticketvermittler für zehn Plätze am Anstichtag im Schützen-Festzelt. Der Chef sieht darin nichts Verwerfliches – und macht die Wirte für diesen Wucher verantwortlich

MÜNCHEN - 3650 Euro. Dafür kann man einen Gebrauchten kaufen. Eine Reise buchen. Oder auf die Wiesn gehen.

„Schützen Zelt, Abend, Inkl. 300 € Gutschein, 17 Uhr bis Ende, 3650 €“: So preist der Berliner Ticketvermittler „Tab“ einen Tisch für den Anstich-Tag auf seiner Preisliste an. Für 100 Euro weniger gibt’s am Samstag auch einen im Löwenbräu-Zelt, auch hier mit zwei Maß und einem Hendl pro Person.

Wucher zur Wiesn!

*Am 24. September gibt es für 2100 Euro einen Tisch ab 16.30 Uhr. Dafür weiß der Käufer nicht, in welches Zelt er kommt. Das sucht „Tab“ aus.
*Tische für 20 Personen kosten am letzten Samstag im Hacker 6900 Euro.
*Günstigstes Angebot: ein Tisch am 2. Oktober von 11 bis 16.30 Uhr im Schottenhamel für 500 Euro.
*Auf Ebay verkauft Tab auch Einzelplätze: Für 390 Euro kommt man abends am Anstichtag ins Schützen-Festzelt.

Seit Jahren versuchen Stadt und Wirte, diese teuren Tischverkäufe zu unterbinden – vergeblich. In den Geschäftsbestimmungen der Wirte steht zwar, dass man Reservierungen nicht weiterverkaufen darf. Trotzdem tun es jedes Jahr hunderte. Ohne Folgen.

„Tab“-Chef Florian Kosak verteidigt gegenüber der AZ sein Geschäft: „Es verstößt nicht gegen das Gesetz. Sonst gäbe es uns nicht mehr.“

Und woher stammen die Tische, die er anbietet? „ Von Käufern, die sie nicht mehr wollen, wegen Krankheit oder Urlaub“, sagt Kosak. Manchmal kaufe man ihnen die Tische ab, manchmal vermittle man gegen Provision einen Käufer. Pro Verkauf blieben rund 300 Euro bei „Tab“ übrig.

Dass so viele Menschen von der Wiesn ausgeschlossen werden, weil die Reservierungen nicht wieder in den regulären Verkauf gehen, lässt Kosak nicht gelten. „Fragen Sie lieber die Wirte, warum sie Reservierungen nur an Stammkunden vergeben und keine neuen Gäste reinlassen.“

Wirte-Sprecher Toni Roiderer gibt sich hilflos: „Wenn einer drei Tische über seine Firma reserviert, aber nur zwei in Anspruch und einen weiterverkauft – was soll ich da machen? Wenn wir so einem auf die Schliche kommen, wird der natürlich gesperrt.“ Der Hacker-Wirt warnt, es sei „ausgesprochen ungeschickt, über solche Anbieter Tische zu kaufen. Da hat man ja noch Glück, wenn man dann überhaupt einen Tisch bekommt.“

Wer keinen Tisch habe, solle mittags oder sonntags kommen, sagt Roiderer.„Da haben wir Platz genug“.
 

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