Oktoberfest: Streit um Frauenfiguren – ein Kult-Karussell mit Nackerten fehlt
Rund 80 Jahre lang drehten sich über dem Eingang des Fahrgeschäfts Teufelsrad vier Frauenfiguren – fröhlich mit den Armen winkend, eine mit leicht hochgerutschtem Rock, eine zweite barfuß und nur mit Blumen über dem blanken Busen.
Für das diesjährige Oktoberfest mussten die Figuren züchtiger daherkommen, nach einer Aufforderung der Gleichstellungsstelle für Frauen mussten drei von vier Figuren übermalt werden. Sexistisch und diskriminierend seien die Darstellungen gewesen.

Nun fragen sich viele Fans des beliebten Oldtimer-Karussells Calypso, ob auch dieses Fahrgeschäft ermahnt worden ist wegen zu freizügiger Darstellungen. Und manche fragen sich, ob das gar der Grund ist, warum das Calypso heuer wieder nicht auf dem Oktoberfest dabei ist. Der Vorgänger des wilden Breakdance ist bereits seit 1958 auf dem Oktoberfest und das weltweit letzte seiner Art. In den 1960-er Jahren zählte das Fahrgeschäft zu den großen Attraktionen auf dem Oktoberfest, in den 1990er war vorübergehend Schluss. 2010 feierte es Comeback auf der Odin Wiesn, wo es bis 2024 jedes Jahr wieder dabei war.
Eine karibische Schönheit trägt nur Blumen im Haar – sonst nichts
Die Deko an dem historischen Karussell hat mehr zu bieten in Sachen Freizügigkeit als das Teufelsrad vor der Übermalung. Zum Calypso gehört eine Rückwand mit sommerlichen Szenen. Das Thema ist Karibik-Feeling: Sonne und Meer, eine Strandbar und Palmen sind darauf gemalt – und fröhliche junge Menschen. Unter ihnen sind zwei Halbnackerte und eine komplett Nackerte: Eine dunkelhaarige Schönheit steht selbstbewusst in einem durchsichtigen Badeanzug da, eine andere junge Frau trägt zwar eine blickdichte Sonnenbrille, dafür eine umso durchsichtigere Bluse. Der Betrachter oder die Betrachterin kann dabei feststellen: Würde die junge Dame oben ohne posieren, bekäme man auch nicht mehr zu sehen.

Und dann auch das noch: An der Strandbar wendet sich eine dritte, langhaarige Frau dem Betrachter halb zu. Sie trägt außer einem Blumenkranz im Haar: nichts! Ist das überhaupt noch erlaubt?
Die AZ hat bei Karussell-Betreiber Adrian Winheim nachgefragt. Sind die Damen der Grund, warum er heuer nicht auf der Wiesn ist? "Uns haben Punkte gefehlt", erzählt er der AZ traurig. Deshalb habe es in diesem Jahr leider nicht geklappt. Er habe sich ganz neu bewerben müssen, nachdem 2025 sein Vater gestorben war. "Leider hatten wir die Bewerbung nie zusammen eingereicht“, s Dass die Stadt Anstoß an den gemalten Damen genommen hätte, davon weiß er nichts. Er will sich für 2027 wieder bewerben – und den jungen Frauen notfalls etwas anziehen.
Das Calypso ist derzeit und noch bis zum 13. September auf dem 200. Nürnberger Volksfest. Dort hat die Stadt offensichtlich nichts gegen ein bisschen gemalte nackte Haut.
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