Oktoberfest: Mehr Reservierungen – aber nur für Münchner

Wiesn-Chef Josef Schmid will, dass die Festwirte einen Teil der Tische nur an Einheimische vergeben – ohne dass die auch Verzehrgutscheine kaufen müssen
| Christian Pfaffinger
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Ein Wiesn-Tisch, ganz frei – ein verlockender Anblick. Münchner sollen das künftig öfter sehen.
imago Ein Wiesn-Tisch, ganz frei – ein verlockender Anblick. Münchner sollen das künftig öfter sehen.

München - Geld, Glück oder eben der richtige Arbeitgeber – das alles ist hilfreich bis ausschlaggebend, wenn es darum geht, einen Tisch auf der Wiesn zu ergattern. Künftig soll aber auch wichtig sein, was unter „Anschrift“ hinten auf dem Ausweis steht. Steht da München, steigen die Chancen.

Denn Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) will eine neue Reservierungsschicht nur für Münchnerinnen und Münchner. An Samstagen, Sonntagen und Feiertagen sollen bis 15 Uhr zusätzlich 15 Prozent der Tische reserviert werden können. Das wären rund 10 500 Plätze mehr als bisher. Doch die zusätzlichen 15 Prozent sind an zwei Bedingungen geknüpft. Erstens sollen sie nur an Münchnerinnen und Münchner vergeben werden, und zweitens soll für diese keine Mindestabnahme gelten. Der Pflichtkauf von Verzehrgutscheinen soll also entfallen.

Damit kommt Josef Schmid zum einen den Wirten entgegen, weil diese sich wünschen, wieder mehr Plätze reservieren zu dürfen. Zum anderen will er aber auch den Münchnern eine größere Chance auf einen Wiesn-Tisch sichern. So einen zu bekommen, ist nicht einfach, weil der Andrang – auch von außerhalb – so groß ist.

Lesen Sie hier: Alle Reservierungen für Wiesn-Tische bereits vergeben

Als Wirtschaftsreferent ist Schmid auch Wiesn-Chef, und als solcher will er die neue Reservierungs-Regeln nun auf den Weg bringen.

Zuerst soll sich ein Arbeitskreis damit befassen, dann gehe der Vorschlag in den Stadtrat – und wenn der zustimmt, könnte die Regel schon heuer zur Wiesn gelten. Allerdings als freiwillige Option für die Wirte, nicht als Pflicht.

Wirte-Sprecher Toni Roiderer gefällt der Vorschlag, Plätze für die Münchner zu reservieren. „Die Idee ist gut“, sagt er. „Bloß frage ich mich, wie wir das kontrollieren sollen.“ Es könne ja ein Münchner reservieren und dann mit lauter Auswärtigen kommen. Und auch den Wegfall der Mindestabnahme kritisiert er: „Ich gebe meine besten Plätze zur besten Zeit, gebe mir Mühe – dann will ich auch, dass die Leute das genießen und was essen und trinken.“ Alles andere sei unlogisch.

Der Mindestverzehr soll grundsätzlich begrenzt werden

Josef Schmid will aber nicht nur die „München-Schicht“ bei den Reservierungen, sondern auch den Mindestverzehr grundsätzlich begrenzen. Zu einer Reservierung im Bierzelt im Mittelschiff soll man künftig höchstens Marken im Wert von zwei Maß Bier und einem halben Hendl kaufen müssen.

In der Boxe darf der Wirt zehn Euro mehr verlangen. Die kleinen Zelte sollen maximal 55 Euro, die Käfers in ihrer Schänke und die Kufflers in ihrem Weinzelt höchstens 80 Euro verlangen können. Gäste dürften natürlich freiwillig mehr Marken kaufen.

„Das ist okay“, sagt Toni Roiderer, Wirt des Hacker-Festzelts, dazu.

Und das ändert sich für die Wirte

Die Aufregung war groß, als Siegfried Able in die Riege der Wiesn-Barone aufstieg. Bisher hatte er einige Imbisse und die Kalbskuchl geführt, jetzt beerbte er mit dem Marstall das Hippodrom von Sepp Krätz. Weil er mit seiner Bewerbung ins Schwarze traf. Er war sogar besser als viele der eingesessenen Wirte.

Das hat die Diskussion um die Zeltvergabe neu entfacht. Und Josef Schmid (CSU) will hier anpacken: mit einer neuen Regel zu den Punkten.

Lesen Sie hier: Soviel Bier wurde auf der Wiesn 2014 wirklich getrunken

Die Bewerbungen für die Wiesn-Zelte werden nach einem Bewertungssystem der Stadt mit Punkten bedacht, zum Beispiel für das Konzept oder die technische Ausstattung. Solche Punkte kann aber auch sammeln, wer schon auf der Wiesn ist. Schausteller, Würstlverkäufer, Wirte – jeder, der auf dem Oktoberfest ist, häuft damit Punkte an, etwa hinsichtlich Verlässlichkeit oder Vertragstreue.

Josef Schmid will nun, dass solche Punkte nur noch dann angerechnet werden, wenn der Bewerber zuvor im gleichen Bereich auf der Wiesn tätig war. Punkte aus der Schaustellerei sollen also nicht für eine Bewerbung in der Gastronomie angerechnet werden. Bei Able war das offenbar der Fall, er ist seit dem Jahr 1994 auf der Wiesn aktiv.

Zu vermuten ist, dass der Wirtschaftsreferent damit auch verhindern will, dass immer mehr Schausteller ihr Geschäft aufgeben und stattdessen in die wesentlich lukrativere Wiesn-Gastronomie wechseln.

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