Ohrfeige für FDP-Chef im Schottenhamel: Jetzt meldet sich die Linke zum Wiesn-Vorfall

Am Mittwoch (30.9.) kam es auf dem Oktoberfest zu einem Vorfall in der Ratsboxe, der medial große Wellen schlug. Im Bereich der Stadtratsfraktionen im Schottenhamelzelt soll eine Frau, die am Tisch der Partei Die Linke saß, FDP-Fraktionschef Jörg Hoffmann eine Ohrfeige verpasst haben.
Dem voraus ging wohl ein Streit um pro-palästinensische Tischdekoration mit dem Symbol einer Melone, außerdem sei zum Lied "Sweet Caroline" die Zeile "Free Palestine" gesungen worden. Hoffmann schritt ein und wurde daraufhin nach seiner Aussage als "Völkermörder" bezeichnet. In diesem Zusammenhang fiel auch die Ohrfeige (AZ berichtete).
Im Nachgang der Ereignisse hatte OB Dominik Krause (Grüne) der Fraktion den Wiesn-Tisch für den Rest des Oktoberfests entzogen. Linken-Fraktions-Chef Stefan Jagel entschuldigte sich bei Hoffmann und kündigte gegenüber der AZ an, der Sache weiter nachzugehen.

"Weder Ausdruck von Israelhass noch von Antisemitismus"
Am späten Samstagabend hat man sich bei der Linken München für ein Statement über die Sozialen Kanäle entschieden – und die Partei klingt völlig anders als ihr Rathaus-Fraktionschef, der sogar öffentlich Verständnis für Krauses Entscheidung gezeigt hatte. Auf Instagram veröffentlicht die Stadtratspartei einen längeren Beitrag zur Watschn-Causa – Fraktionschef Jagel ist dort zumindest auch getaggt, was Zustimmung ausdrücken dürfte. Demnach seien Parteimitglieder und Sympathisanten in der Ratsboxe aufgrund ihrer politischen Haltung "beschimpft und frauenverachtend angefeindet" worden.
Anders als zuvor berichtet, habe es sich bei den Personen am Tisch in der Ratsboxe nicht um Mitglieder der Jugendorganisation Solid gehandelt, sondern um Parteimitglieder und Sympathisanten. Als Partei stehe man solidarisch an deren Seite und verurteile die zahlreichen medialen Angriffe.
In Bezug auf die Ohrfeige stellt die Partei Die Linke fest, dass es dabei um "kein geeignetes Mittel der politischen Auseinandersetzung" handele. Allerdings verweist die Linke auf die Vorgeschichte. Der Ausspruch "Free Palestine" und die Wassermelone seien anders als von FDP-Fraktionschef Hoffmann bezeichnet, "weder Ausdruck von Israelhass noch von Antisemitismus". Beides stünde für den Einsatz gegen eine völkerrechtswidrige Besatzung.
Als Partei wende man sich gegen eine Gleichsetzung von Solidarität für Palästina und Antisemitismus, so die Linken-Fraktion. Abschließend sehe man in der Berichterstattung einen weiteren Baustein in einer "bundesweiten Kampagne gegen Die Linke".