Ohne Vorwarnung: Stadt München reißt selbst gebaute Skateanlage ab

Am stillgelegten Olympiabahnhof hatte sich die Szene ein kleines Refugium geschaffen - weil eine städtische winterfeste Anlage fehlt. Am Mittwoch rückte das Abrissgerät an.
| Lukas Schauer
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Die Stadt hat die Anlage abreißen lassen.
Die Stadt hat die Anlage abreißen lassen. © ls

München - Nur kurz hatte es gedauert, dann war die DIY-Skateanlage platt:  Seit Mittwochmorgen steht nichts mehr im Olympiapark, und das sorgt nun für mächtig Ärger in der Skateboard-Szene.

Aufgebaut worden war die Anlage am alten S-Bahnhof im Olympiapark. Dieser ist seit 1988 stillgelegt und wird seitdem nicht offiziell genutzt. Weil das Gelände aber überdacht ist, hatten dort einige Skater nach und nach kleine Hindernisse und Rampen selbst betoniert, mit eigenem Geld und Spenden. "Am Mittwochmorgen wurden ohne jegliche Vorwarnung oder Kommunikation mit uns einfach die Rampen abgerissen", sagt Stefan Lindner (36) zur AZ. Er ist im Vorstand vom Skateverein München, der sich um die Anliegen und Förderung des Skate-Sports (der mittlerweile olympisch ist) in München kümmert und rund 400 Mitglieder hat.

Die Rampen und Quarter-Pipes hatten die Skater selber gebaut.
Die Rampen und Quarter-Pipes hatten die Skater selber gebaut. © privat
Im alten S-Bahnhof am Olympiapark hatten die Skater eine überdachte Behausung gefunden.
Im alten S-Bahnhof am Olympiapark hatten die Skater eine überdachte Behausung gefunden. © privat

Skate-Anlagen im Olypark selber aufgebaut

Den Abriss kann er gar nicht verstehen: "Dort wurde niemand durch uns gestört oder behindert, es gibt hier weder Anwohner noch Durchgangsverkehr. Und wir haben sonst keine Möglichkeiten, unseren Sport im Winter oder bei Regen auszuüben. Die Actionsporthalle wurde vorerst gecancelt, dann wurde eine Halle für diesen Winter versprochen - jetzt soll die Actionhalle erst 2023 kommen.  Kein Wunder, dass da die Skater einfach mal selbst die Initiative ergreifen. Wir werden ja durch die Unfähigkeit der Stadt dazu gezwungen", echauffiert sich der 36-Jährige. Seit zehn Jahren kämpfe man darum, eine Halle in der Stadt zu bekommen. "Wir fühlen uns im Stich gelassen", klagt Lindner. Mittlerweile sei das Gebaren der Stadt längst auch deutschlandweit Thema in der Szene.

Abriss ohne Vorankündigung: Das sagt die Stadt

Nachfrage beim Kommunalreferat, das den Abriss veranlasst hat.  "Die betroffene Rampe befand sich in einem mit Bauzäunen abgesperrten Gelände, das mit 'Betreten Verboten!'-Schildern markiert ist. Die Bauzäune wurden dem Anschein nach aufgebrochen, um dorthin zu gelangen. Das Gebäude des alten Olympiabahnhofs ist potentiell einsturzgefährdet und schadstoffbelastet. Die Bausubstanz wird deshalb gerade untersucht. Da Gefahr für Leib und Leben nicht ausgeschlossen werden kann, darf das Gelände nicht betreten werden", teilt eine Sprecherin mit.

Zum Abriss heißt es nur, dass sich die "verschiedenen städtischen Dienststellen miteinander austauschen." Man sei sich der "Nöte und Flächensuche der Skater bewusst" und unterstütze "bei der Suche nach geeigneten Örtlichkeiten für Rampen im öffentlichen Raum. Der alte Olympiabahnhof scheint aufgrund der Baufälligkeit allerdings im jetzigen Zustand kein geeigneter Ort zu sein, sondern gefährlich", so die Sprecherin weiter.

Immerhin: Die SPD/Volt-Fraktion im Rathaus hat sich der Sache nun angenommen und fordert in einem Antrag, der Skateszene noch in diesem Winter eine geeignete überdachte Örtlichkeit zur Verfügung zu stellen.

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Kathrin Abele, sportpolitische Sprecherin: "In München hat nicht nur die Hochkultur Platz. Uns sind auch die Subkulturen wichtig, die unsere Stadt so vielfältig und lebenswert machen. Bis das Actionsportzentrum in Pasing fertig ist, brauchen wir jetzt eine schnelle Lösung für die Skaterinnen und Skater. Eine wintertaugliche, überdachte Fläche, die sich für den Sport eignet und die nicht gesundheitsgefährdend ist. Die werden wir gemeinsam mit der Szene entwickeln." Nächste Woche will sich dazu auch Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) mit Vertretern der Münchner Skateboard-Community treffen.

Für Stefan Lindner und seine Mitstreiter kommt all das ein bisschen spät. "Die Problematik ist seit Jahren bekannt, solch eine Eskalation hätte es gar nicht geben müssen". Nun gelte es, bis zur Eröffnung der neuen Halle in Pasing 2023 eine passable Lösung zu finden. "An unserer Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft wird es nicht scheitern", so Lindner.

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