Obststandl Didi: In München sterben die Grantler aus

Der stadtbekannte Obsthändler von der Ludwigstraße hat ein Buch mit Rezepten geschrieben – und sich Gedanken gemacht, wie sich Menschen ändern.
| Judith Eisinger
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Heute isst der Obststandl-Didi jedes Obst – am liebsten aber Mango und Erdbeeren. Als Bub war er wählerischer.
Judith Eisinger Heute isst der Obststandl-Didi jedes Obst – am liebsten aber Mango und Erdbeeren. Als Bub war er wählerischer.

Einen typischen Smoothie-Kunden erkennt der Didi sofort: „Wenn einer Karotten und Kraut kauft, hat er entweder einen Hasen daheim oder eine Saftmaschine!“ Didi Schweiger grinst herzlich hinter seinem kleinen Obststandl an der U-Bahnhaltestelle Universität hervor. Dann sagt er: „So eine Saftmaschine hat drei PS – wie ein Mofa!“

Daheim experimentiert der Didi schon länger mit Smoothies, jetzt gibt es die Rezepte auch als Buch. Einer Kundin gefällt die Idee besonders gut, „Didi, du bist ja voll im Trend!“, ruft sie. Da strahlt der Obststandl-Didi vor lauter Stolz. Trends hat der gebürtige Münchner ja schon viele kommen und gehen gesehen. Jeden Tag beobachtet er die Menschen auf der Ludwigstraße, seit 1984 verkauft er hier Obst und Gemüse.

Seine Kunden kennt Schweiger seit Jahren

Genauso lange kennt er schon seine ältesten Stammkunden, die ihm bis heute treu sind. Die eine strickt ihm Socken, eine andere schenkt ihm selbst gemachte Marmelade, die nächste bringt im Winter heißen Tee vorbei. „Die kommen am liebsten jetzt in den Semesterferien zu mir, sonst ist ihnen zu viel los. Sie kaufen eine Gelbe Rübe und eine Stange Lauch und bleiben eine Stunde zum Ratschen.“

Auch viele Passanten grüßen den Didi und bekommen ein freundliches „Servus!“ oder ein „Grias di!“ zurück. Seine Münchner kennt Didi genau. Und er sagt: Sie sind nicht mehr das, was sie einmal waren. „Die alten Grantlhuber und Trachtenträger sterben aus. Die jungen Münchner sind offener, aber auch a bisserl arrogant. Aber i sag immer: Arrogant sein kann nur, wer auch gut in etwas ist.“

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Manchmal eine Leberkassemmel

Zu den jungen Münchnern gehören viele Studenten, die auf dem Weg zur Uni bei Didi vorbeikommen. „Viele haben keine Hand frei, hängen rauchend am Handy und würden sich derweil am liebsten noch die Spaghetti reinschieben. Das Essen to go hat überhandgenommen.“ Gleichzeitig fallen dem Obstverkäufer immer mehr Leute auf, die bewusst leben und essen. So wie er selbst: „Ich ernähr mich zu 90 Prozent von meinem Standl. Manchmal ess ich auch gern an Schweinsbraten oder a Leberkassemmel, aber eben nicht oft.“

Der Standler sagt: "Als Bub hab ich Spinat gehasst"

Dabei war der Obststandl-Didi selbst gar nicht immer ein Gesunder: „Als Bub hab ich Spinat gehasst. Und Zwiebeln. Blumenkohlsuppe – ein Grauen!“ Während der Schulzeit arbeitete er dann jeden Samstag beim Obsthändler in der Au und half beim Aufbau der Waren. Mittlerweile isst er leidenschaftlich gerne Blumenkohl und entlockt mit seinen fröhlichen Sprüchen jedem Kunden ein Lächeln.

„’S Leben is a Freid“, das ist sein Wahlspruch. Und diese Freude möchte er weitergeben – und wenn’s mit ein paar Rezepten aus seinem Buch „Bavarian Detox“ ist: Da gibt’s zum Beispiel Himbeer-Busserl-Eis, roude Rana & Cranberry-Smoothie und Ribisl-Lassi. Und wenn man die Zutaten beim Didi kauft, dann gibt’s noch ein Lächeln dazu.   


Dieter Schweiger, Bavarian Detox, BLV Buchverlag, 14,99 Euro

 

 

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