Oben ohne in Münchner Freibädern: Kulanzfrage!

Die Grünen fordern, dass Frauen in städtischen Freibädern ohne Bikini schwimmen dürfen. Doch im Stadtrat findet das keine Mehrheit.
| Victoria Kunzmann
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Oben mit: So kann der Schwimmmeister im Maria Einsiedel keinen Ärger machen.
Stadtwerke Oben mit: So kann der Schwimmmeister im Maria Einsiedel keinen Ärger machen.

Die Grünen fordern, dass Frauen in städtischen Freibädern ohne Bikini schwimmen dürfen. Doch im Stadtrat findet das keine Mehrheit

München - "Leben und leben lassen" – ein Motto, das die Grünen im Stadtrat für sich nutzen wollten, um über die "Oben ohne"-Regelung zu debattieren. Ein Schuss, der nach hinten losging. Denn das Motto wurde ihnen zum Verhängnis, könnte man sagen.

Dürfen Frauen in Münchner Freibädern oben ohne schwimmen? Die Frage einer Journalistin, die das getan hat, war Anlass für die Grünen, einen Antrag zur Bekleidungsregelung zu stellen. Die Frau wurde vom Bademeister aufgefordert, sich beim Schwimmen ein Oberteil anzuziehen.

Oben ohne im Freibad: Grüne fordern eindeutige Regelung

Eine klare Regelung gibt es nicht, dafür unterschiedliche Aussagen der Stadtwerke. "Der Aufenthalt im Nassbereich ist nur in geeigneter Badebekleidung gestattet", heißt es in der Benutzungsordnung der Bäder. Was das bedeutet? Auslegungssache. "Wenn es selbst bei den Stadtwerken zu Verwirrungen kommt, warum machen wir es dann nicht eindeutig?" Florian Roth (Grüne) fordert eine eindeutige Regelung: Jeder soll oben ohne baden dürfen – überall.

Das sehen die übrigen Fraktionen anders – (auch) ihr Motto: leben und lassen. Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD), die an der Ansicht zweifelt, dass es eine Nacktbade-Trend gebe, sieht die Oben-ohne-Schwimmerinnen in ihren Freiheiten nämlich gar nicht eingeschränkt. "Es gibt so viele Möglichkeiten, in der Stadt Sonnenbaden zu gehen", sagt sie. "Fast in jedem Schwimmbad in München gibt es FKK-Bereiche. Aber bei Problemen sollte man die Regelung den Bädern überlassen." Nur: Gibt es überhaupt Probleme?

Manche Badegäste fühlen sich durch Nacktbader belästigt

Nein, erklärt ein Mitarbeiter der Stadtwerke, der an der launigen Stadtrats-Sitzung teilnimmt, fügt allerdings hinzu: "Wenn wir tausende Besucher und viele Familien und Kleinkinder haben, müssen wir auch mal sagen, dass das nicht mehr geht." Familien könnten sich belästigt fühlen. Damit scheint niemand ein Problem zu haben – außer Grüne und ÖDP. "Warum soll es ein Problem sein, eine Frau oben ohne zu sehen?", sagte Roth und holte aus. Ein nackter Oberkörper einer Frau könne auch keine Entschuldigung für sexuelle Übergriffe sein. Bürgermeisterin Strobl wird es zu bunt. Roth könne nicht permanent jede Ansicht hinterfragen. Auch das sei eine eindeutige Meinung. Für manche Badegäste seien Nackertbader eben belästigend.

Fast alle Fraktionen sind sich da einig. So drehte Alexandra Gaßmann (CSU) das Tagesmotto der Grünen auf links. "Für ein gutes Miteinander in der Stadt lautet unser Motto leben und leben lassen. Das gilt auch für die Badekleidung in den Freibädern Münchens", sagt sie. "Wir finden, dass das Fachpersonal in den Bädern situationsabhängig und im höflichen, sachlichen Ton auch mal sagen dürfen sollte, dass ein Bikini-Oberteil anzuziehen ist." So sieht das am Ende auch die Stadtrats-Mehrheit.

Lesen Sie auch: Bäder-Ranking - Münchner Freibad schafft es auf Platz 3

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